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Blick auf Penzlin vom Mühlenberg Spiegelung
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Die Sage von der goldenen Wiege

Auf dem Grapenwerder stand in den Zeiten, als noch die Wenden in Mecklenburg hausten, eine gar mächtige Burg. Auf dieser residierte ein Reichsgraf, dem alles Land umher untertan war. Wernicke, so hieß dieser Graf, hatte Rechte wie ein Fürst und kam einem solchen auch an Macht und Reichtum gleich. So hatte er auch das Recht, Münzen zu schlagen, und wenn er seine Burg verließ, so begleitete ihn stets ein ganzer Hofstaat von Edelleuten, Knappen und Dienern.
Wernicke aber war einem noch mächtigeren Fürsten, dem Könige von Rethra, untertan. Dort in Rethra war auch der Hauptgott der Wenden Radegast, von dem man sich erzählt, er sei von purem Golde und so groß gewesen, wie ein 18jähriger Jüngling, und habe auf einer tonnenfömigen Säule von massivem Golde gestanden.
Hierher nach Rethra kam Wernicke, wenn ihn sein König dahin beschied, oder wenn irgendein Fest des großen Wendengottes gefeiert werden sollte.
Wohl beging man zu Wernickes Zeiten diese Feste noch mit alter gewohnter Pracht, und vielleicht auch mit mehr Pomp und Glanz als ehedem. Aber so fröhlicher, unge¬trübter Stimmung war man nicht mehr wie in früheren Zeiten. Drohte doch vom deutschen Reiche dem Wendentum große Gefahr, ja, wie mancher wohl ahnte, völliger Untergang. Öfter schon hatten Boten des Evan¬geliums das Wendenland durchzogen; aber nur gezwungen und auf kurze Zeit beugte man den harten Nacken unter das sanfte Joch Christi, um es bei erster bester Gelegenheit unter Morden und Wüten wieder abzuschütteln.
Es war noch gar nicht lange her, daß man sich abermals im wilden Aufruhr von der verhaßten Sachsenherrschaft freigemacht und dabei viel Christenblut vergossen hatte, als wieder einmal das Fest des großen Götzen Radegast gefeiert werden sollte. Auch Wernicke erschien zu Rethra mit großem Trosse. In trunkener Siegesfreude brachte man dem Götzen blutige Dankopfer, und im Rausch und Taumel suchte man die Jahre der Christenheit zu vergessen.
Da erscholl plötzlich die Schreckenskunde: „Die Sachsen und ihr mächtiger Herzog Heinrich der Löwe ziehen gerüstet mit großem Heere zur Rache heran!“
Das war wie ein Donnerschlag. Alles floh so schnell wie möglich, denn man wußte wohl, was man zu erwarten hatte. Auch Wernicke jagte durch die Eiserne Pforte mit den Seinen zur sicheren Burg zurück, indes die Bewohner von Rethra und mit ihnen die Radegastpriester um das Südende des Penzliner Sees durch unwegsame, sumpfige Gegenden zu entkommen suchten.
Der letzte Trupp führte auch das Radegastbild mit sich. Man wollte es vor den Christen retten. Doch kam man nicht weit, weil der Feind schon auf den Fersen war. Schon in der Nähe von Penzlin mußte man das Bild in einem Sumpfe, in der sog. Trennelkoppel (eine Wiese links von der Chaussee -Neustrelitz in der Gegend der Stadtmühle) bis auf günstigere Zeiten hin versenken. Dieser Trupp kam übrigens nur bis in die Gegend von Warin; dort wurde er vernichtet. Das Bild aber blieb in dem Sumpf.
Auch Wernicke durfte sich nicht lange mehr auf der Burg seiner Väter aufhalten. Spione hatten ihm die Nachricht hinterbracht, daß die Deutschen im Anzuge und nicht mehr weit entfernt seien. So suchte er dennoch das Wertvollste von seinen Sachen in Sicherheit zu bringen, um dann mit den Seinen auch in das Dickicht der Wälder zu flüchten.
Zu den zahlreichen Kostbarkeiten Wernickes gehörte u.a. auch eine goldene Wiege. Diese hatte man ihrer Schwere wegen auf einen Wagen besonders geladen. Nun geschah es aber, daß der Knecht, welcher sie fuhr, nicht zeitig genug schwenkte, als er von dem Burgplatz herunterjagte und so mit seinem Wagen samt der kostbaren Ladung in das vor der Auffahrt befindliche große blanke Soll geriet. An Rettung war nicht mehr zu denken, denn das blanke Soll ist tief, ja, wie manche sagen, so ist in dem weichen, morastigen Sumpfe desselben gar kein fester Boden zu finden. Wernicke ließ daher die Wiege, wenn auch nur ungern, im Stiche, um nur sich und die Seinen zu retten. Bevor er aber davonjagte, warf er einen Feuerbrand in seine Burg, und als die Christen die Stätte erreichten, fanden sie nur einen rauchenden Trümmerhaufen. Wernicke kehrte nie wieder zurück. Er fiel im Kampfe gegen den Feind. Seine Burg blieb verwüstet und bewuchs mit Dorn und Strauch, bis man später das Land urbar machte, und rund um den eigentlichen Burgplatz eine Hecke gleich einem großen Kranze stehen ließ.


(nach Eduard Danneil: Chronik der Burg und Stadt Penzlin, Selbstverlag 1873, S.6-7)

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