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01.09.2017

Über Hoffen und Bangen liegt nun Schweigen

Einen Menschen lieb gewonnen, sich für ihn engagiert zu haben, das geht ins Herz. Um so schmerzvoller ist es, ihn zu verlieren. Fußballer aus dem Penzliner SV hatten nach der Abschiebung eines jungen Teamkollegen aus Ghana für seine Rückkehr gekämpft. Was bleibt, sind mehr Fragen als je zuvor.

Penzlin. Wo ist er? Erlebt Mark Alifo Kodzo ein neues Nirgendwo? Ist er in seiner Heimat Ghana? Ist er noch im dänischen Hviding, dem Ort, in dem durch seine Abschiebung die Karten für sein Leben noch einmal völlig neu gemischt wurden? Unfreiwillig. Denn er hatte seinen Platz in Penzlin gefunden, ist sich SV Fußballtrainer Dieter Lattmann sicher. Ohnmacht, Wut und viele Fragen sind bei seinen Kameraden und Freunden jeden Tag, an dem sie nicht wissen, wie es Mark geht und vor allem, weil sie bis heute nicht wissen, warum er vor 14 Monaten zur halben Nacht einfach abgeschoben worden war. Hatten für den 23-Jährigen doch alle Zeichen auf Ankunft in der neuen Welt gestanden. Fußball spielen, Sprache lernen, Job in Aussicht, Freunde, Wohnung – und nun?
Dieter Lattmanns Stimme wird rauer. Die Worte gehen ihm nur schwer über die Lippen: „Der Kontakt ist abgerissen. Ich habe keine Ahnung, wo Mark sich aufhält und wie es ihm geht. Das ist sehr bedrückend. Wir haben den Kampf nach so langer Zeit verloren.“ Als persönliche Niederlage werte es dennoch nicht. Gesetze und Behörden hätten ineinander gegriffen. Da sei kein Fortkommen mehr gewesen. Ostern habe es das letzte Lebenszeichen von seinem fußballbegeisterten Schützling gegeben. Im Dezember gar war Lattmann nach Dänemark gereist, um Mark Alifo Kodzo in der Abschiebehaft zu besuchen. Es gab Grüße von den mehr als elf Freunden in Penzlin, Geschenke zum Fest, eine Umarmung und das Versprechen, einander wiederzusehen. Bestenfalls in Penzlin. Bald.
Doch die Chancen darauf, so wussten beide, standen nicht gut. Dass er in wenigen Wochen zurück nach Ghana musste, schien laut Lattmannn schon damals wahrscheinlicher, als dass er irgendwann wieder nach Deutschland gedurft hätte. Zumal an die Abschiebung ein dreijähriges Einreiseverbot geknüpft sei. Und schließlich gelte Ghana als sogenanntes sicheres Herkunftsland. Und das könnte das Problem für Kodzo geworden sein, ist Lattmann sich nicht sicher, ob es seinem Freund vergönnt ist, wenigstens in Dänemark leben zu dürfen. Dass der Ghanaer ein halbes Jahr in Dänemark kaserniert war, das liegt daran, dass das sein Einreiseland nach der Flucht aus Ghana war. Doch diese Zeit ist längst verstrichen.
Warum nun weder E-Mail, noch SMS oder andere Kanäle noch fruchten, das kann sich Dieter Lattmann nicht erklären. „Es ist einfach geschehen und alles sehr traurig, und auch im Verein in Penzlin ist die Hoffnung auf ein Happy-End inzwischen gestorben.“
Für die Menschen in der kleinen Stadt Penzlin und auch die Fußballer im SV war es die erste so intensive Begegnung mit einem Menschen, der in Medien einfach nur „Flüchtlinge“ heißt. Mit Mark bekamen sie ein Gesicht. Und sie bekamen eine persönliche Geschichte, noch dazu eine, die gut auszugehen schien. „Ich war sehr überrascht, als ich von seiner Abschiebung gehört habe, denn für mich war das mit Mark ein Fall von gelungener Integration“, hatte Oliver Kowal aus dem Team seinerzeit gesagt. Als Mannschaftskamerad beim Penzliner SV habe er ihn erlebt, aber auch darüber hinaus. „Er war ehrgeizig, hat auf dem Platz geholfen und er hat zugehört. Er war auch charakterlich ein feiner Bengel“, so Kowal.
Bei den Behörden gibt es keine Auskunft dazu, warum Mark Alifo Kodzo im Sommer Penzlin verlassen musste, obwohl er bis Ende September des vergangenen Jahres eine Aufenthaltsgenehmigung gehabt haben soll. Es gelte die Schweigepflicht, und von der könne nur der Abgeschobene selbst die Behörde entbinden. „Wir werden Mark wahrscheinlich nicht mehr wiedersehen. Dabei war unsere Hoffnung groß“, hat Dieter Lattmann den Kampf um das Schicksal eines Menschen aufgeben müssen.
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01.09.2017 
Quelle: Nordkurier 

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