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10.04.2013

„Käseglocke“ über dem Dorf nicht von allen gewünscht

Alt Rehse ist etwas Besonderes. Das sagen nicht nur die Einwohner des kleinen Dorfes, sondern auch die Denkmalschützer. Und wollen das Schützenswerte am liebsten ganz und gar bewahren.
Von unserem Redaktionsmitglied
Thomas Beigang

Alt Rehse. Penzlins Bürgermeister Sven Flechner (Wählergemeinschaft), zu dessen Hoheitsgebiet auch Alt Rehse zählt, versucht, die Wogen zu glätten. Nichts, so das Stadtoberhaupt, werde in Sachen Denkmalschutz in dem idyllischen Dörfchen ohne die Einwohner entschieden. Bevor der Antrag, einen großen Teil des Ortes komplett unter einen besonderen Schutzstatus zu stellen, beim Landkreis eingereicht werde, wolle man die Meinung der „Betroffenen“ hören. Aber – am Ende einer Informationsveranstaltung zum Thema Denkmalschutz von einer Einwohnerin befragt, was er denn jetzt für einen Eindruck vom Meinungsbild in Alt Rehse habe, musste Flechner passen. Zu widersprüchlich sei die Diskussion gewesen.
Zu der hatte der Bürgermeister Flechner „Verstärkung“ mitgebracht. Jörg Kirchner vom Landesamt für Denkmalpflege machte sich dafür stark, das ehemalige NS-Musterdorf Alt Rehse als Gesamtdenkmal unter Schutz zu stellen. „Der Dorfkern mit seinen reetgedeckten Fachwerkhäusern, Freiflächen, Alleen und Straßen mit Granitpflaster ist in seiner Gesamtheit von überregionaler Bedeutung“, so Kirchner. Neben anderen Orten in Mecklenburg-Vorpommern wie Peenemünde oder Prora gehöre Alt Rehse zu den wichtigsten Architekturzeugnissen dieser Zeit. Zwar stünden die im sogenannten Heimatstil gebauten Fachwerkhäuser errichteten Wohngebäude ohnehin schon unter besonderem Schutz als Einzeldenkmale, dies reiche aber nicht aus, so der Fachmann. „Als Gesamtdenkmal wären auch die Freiflächen geschützt“, erklärte Kirchner.
Das wollten viele Einwohner nicht verstehen, die noch mehr Bürokratie und den Wertverlust ihrer Immobilien vorher sagen. Kaum jemand wolle doch dann noch hier ein Haus kaufen, hieß es, weil zu viele Restriktionen befürchtet werden. Außerdem bemängeln etliche Alt Rehser, dass mit unterschiedlicher Elle gemessen werde. Denn im benachbarten Lebenspark, ebenfalls unter Denkmalschutz stehend, hätten Bewohner schon jetzt Edelstahl-Schornsteine angebracht, die man im Dorf nie und nimmer hätte genehmigt bekommen. Auch fürchten viele bei künftigen Außenbauten wie Zäunen oder Garagen immer häufiger auf Ablehnung zu stoßen. Flechner versucht zu beruhigen: „Wir werden noch einmal alles prüfen“.

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10.04.2013 
Quelle: Nordkurier 

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