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22.03.2017

„Vor Gericht zählen die Fakten, nicht Emotionen“

Wann ist ein Urteil gerecht? Spätestens seit dem Richterspruch im Falle der getöteten Sarah H. aus Alt Rehse bewegt die Müritzer diese Frage quasi vor der Haustür. Die Kommentare in den sozialen Netzwerken fördern das Klima, in dem sich manche verbal zur Selbstjustiz hinreißen lassen. Doch Richter sind keine Rächer.

Alt Rehse/Neubrandenburg. Mit Unverständnis haben einige unserer Leser auf das Urteil gegen den Peiniger der getöteten Sarah H. aus Alt Rehse reagiert. Fünf Jahre Haft, von denen der verurteilte Axel Ingo G. durch die Untersuchungshaft bereits rund acht Monate verbüßt habe, seien zu milde, heißt es in einigen Kommentaren.
Doch ein Richter fälle sein Urteil zwar „im Namen des Volkes“, aber für ihn stünden keine Emotionen zur Debatte. Dass es nichts bringe, der Genugtuung durch die Bestrafung hinterherjagen zu wollen, das betont jetzt Carl-Christian Deutsch, Sprecher des Landgerichts Neubrandenburg und auch selbst Richter. Auch er hat die Kommentare vernommen und in den sozialen Netzwerken gelesen. Worte voller Hass und Emotionen. Da ist von „Todesstrafe“ die Rede, von „Verachtung“. „Was soll man dem Mann antun? Was wäre gerecht? Wann wäre der Tod von Sarah H. gerächt?“, fragt er. Rache sei nicht im Sinne der deutschen Justiz.
„Im Falle von Axel-Ingo G. wurde alles andere als eine milde Strafe verhängt. Im Gegenteil, die ist sehr deutlich ausgefallen“, sagt Carl-Christian Deutsch. Schließlich habe man es hier mit einem „psychisch gestörten Menschen zu tun, der für Teile seines Tuns nicht verantwortlich gemacht werden kann. Er hat Psychosen.“ Vor diesem Hintergrund müsse man die Anschuldigungen gegen den Alt Rehser auch bewerten. Der sitze derzeit im Übrigen im Gefängnis in Bützow.

Stimmungsbilder können kein Faktor für Richter sein
Für den Richter gelte es, das persönliche Verschulden eines Angeklagten zu ermessen. Zweifellos sei auch die Qual des Opfers Maßstab, aber eben nicht der alleinige und auch immer im Zusammenhang mit der Schuldfähigkeit.
„Wir konzentrieren uns auf die juristische Analyse, auf Fakten. Solche Stimmungsbilder wie sie nach dem Urteil von Sarah H, aufkamen, können kein Faktor für die Arbeit eines Richters sein“. Das sei auch gut, denn „sonst würde es im Gerechtigkeitsempfinden des Volkes ganz andere Urteile und keineswegs gerechtere geben.“ Diskussion über Emotionen und persönliches oder kollektives Gerechtigkeitsempfinden aber trügen nicht zu einem guten Rechtsspruch bei, sagt Deutsch.
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c.goels@nordkurier.de

22.03.2017 
Quelle: Nordkurier 

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