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06.05.2016

100 Jahre Leben - die Magie des Alters steckt in ihrem Lächeln

Für das Konzert des Lebens gibt es kein Programm. So spürte auch Eva Wachs die sanften und die donnernden Töne. Das Dirigieren hat sie Gott überlassen – aber ihren Platz im Orchester gefunden.

Marihn/Penzlin. Der liebe Gott hat Freude an ihr. Deshalb lässt er sie lange leben. Mit Eva Wachs hat er vor 100 Jahren eine Frohnatur in diese Welt gesetzt. Ein Menschenkind, das sich das Lächeln bewahrt hat. Das Ja-Sagen zu diesem Leben. Eva Wachs faltet die Hände, stützt darauf ihr Kinn. Ihr Strahlen hat etwas Unbeschwertes. Ihr Gesicht – ein Lebensrelief: Sie war dabei, als Kutschen durch Autos ersetzt und Penicillin, Staubsauger, Nylonstrümpfe und Kugelschreiber erfunden wurden. Sie gehört zu der Generation, die ihre Väter bei Verdun, ihre Brüder und Männer bei Stalingrad verloren hat. Schlimmstenfalls auch ein Kind in den tiefschwarzen Tagen. Wer, wenn nicht sie, könnte wissen, worauf es im Leben ankommt?
100 Jahre Leben – Geschenk und Gnade für Eva Wachs. Sie blickt in die Runde in der Awo-Tagespflege Penzlin. Dreimal in der Woche ist sie dort. Gleichaltrige in dem Sinne gibt es nicht, aber gute und betagte Gesellschaft, das junge Blut der Schwestern, die an Jugend erinnern. Doch bis zu ihrem 98. Geburtstag war sie selten beim Arzt und auch noch nicht in einer betreuten Einrichtung. Sie lebte nach dem frühen Tod ihres Mannes bei ihrer Tochter Anneliese und Schwiegersohn Reinhold Kucel in Marihn. Nicht weit entfernt von Groß Luckow, dem Dorf, das ihre Heimat werden sollte nach der Vertreibung aus Pommern. Ein Schicksal – mannigfach geteilt – und dennoch ein ganz eigener Weg. Von Berlin ging es nach Waren und letztlich nach Groß Luckow. Aufsiedeln. Jammern und Klagen gehörten nicht zu ihrem Wortschatz. Auch heute nicht. Wie’s kommt, so wird’s genommen. Und alles hat man ohnehin nicht selbst in der Hand – Eva Wachs fühlt sich auch ein gutes Stück getragen durchs Leben.
„Der Glaube hat immer eine Rolle gespielt“, sagt ihre Tochter Anneliese, die in der Mutter noch immer die Heiterkeit aus früheren Jahren sieht. Kochen, backen und den geliebten Garten mit Blumen und Gemüse zu füllen – das war Kindheit. Nähe und Vertrauen zwischen den beiden Frauen wurden nun, da die Mutter nicht mehr viel allein kann, noch einmal anders geknüpft.
Anneliese Kucel nimmt die Hand ihrer Mutter: „Was war früher schön?“ Das Tanzen und Wirbeln zu den Erntefesten und an den Wochenenden. Polka und Walzer. Und das Herz hüpfte. Das sollte es auch zu ihrem Ehrentag am Donnerstag. Mit einer kleinen Musik-Kapelle und gut 40 Gästen wurden 100 Jahre Leben gefeiert.
100 Jahre Leben. Zentenare werden sie übrigens genannt, jene Menschen, die ein Jahrhundert gelebt und erlebt – und mit Blick auf zwei Weltkriege überlebt – haben. Auch Eva Wachs birgt diese Magie des Alters. Ohne Angst. Ohne Groll. Und noch immer scheint sie gespannt auf das, was morgen kommt.
Kontakt zur Autorin
c.goels@nordkurier.de

06.05.2016 
Quelle: Nordkurier 

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