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25.07.2016

Abgeschoben! Jetzt kämpfen seine Freunde

Er ist weg. Von einem Tag auf den anderen. Ein junger Ghanaer wurde am frühen Morgen von der Polizei aus seiner Wohnung geholt. Ein hastig geschriebener Handy-Hilferuf – dann hatte man ihn abgeführt. Trotz Duldung. In Penzlin will man wissen, warum.

Penzlin. „Die Polizei ist hier. Bitte helft mir!“ Um 6.19 Uhr drückt der verzweifelte Mark Alifo Kodzo auf seinem Handy auf „Senden“. Da sind die Polizisten schon in seiner Wohnung. Nehmen ihn mit. In ein neues Nirgendwo. Der 22-jährige Ghanaer wird abgeschoben. Wenige Stunden zuvor hatte der passionierte Fußballer noch für den Penzliner SV gekämpft. Der Verein – das war sein Platz und Penzlin langsam, aber sicher sein Zuhause.
Ohnmacht, Wut und viele Fragen sind bei seinen Kameraden und Freunden jeden Tag, an dem sie nicht wissen, wie es Marc geht und vor allem, weil sie nicht wissen, warum er abgeschoben wurde. Für viele war es die erste so intensive Begegnung mit einem Menschen, der in Medien einfach nur „Flüchtlinge“ sind. Mit Marc bekamen sie ein Gesicht. Und sie bekamen eine persönliche Geschichte, die gut auszugehen schien. „Ich war sehr überrascht, als ich von seiner Abschiebung gehört habe, denn für mich war das mit Marc ein Fall von gelungener Integration“, sagt Oliver Kowal (22). Als Mannschaftskamerad beim Penzliner SV habe er ihn erlebt, aber auch darüber hinaus. „Er war ehrgeizig, hat auf dem Platz geholfen und er hat zugehört. Er war auch charakterlich ein feiner Bengel“, so Kowal.
Als solchen und auch „dankbar dafür, hier zu sein“, hat ihn Platzwart und Torwart Sebastian Wedell erlebt. Er war beinahe täglich mit Marc zusammen auf dem Platz. „Er begann, gut Deutsch zu sprechen. Wir haben oft lachen müssen. Ich vermisse ihn.“ Und so ließen sich die Kommentare fortsetzen. Mark Alifo Kodzo schien eine Zukunft in Penzlin zu haben. Hatte eine Wohnung, eine Lehrstelle bei einer Fensterbaufirma ab September in Aussicht. Freunde.
„Vor zwei Wochen habe ich ihn zu einem Deutschkurs angemeldet. Es war alles geplant, und er hat sich gefreut“, sagt Dieter Lattmann, der Trainer des Penzliner SV. Er war es auch, dem die angstvollen Worte des Ghanaers am Morgen seiner Abschiebung galten. Denn in dem einen Jahr, das Kodzo in Penzlin lebte, hatte Lattmann sich nicht nur auf sportliche, sondern auf eine Art väterliche Weise für ihn verantwortlich gefühlt. Und auch jetzt, wo er „alles daran setzen will, um Marc auf legalem Wege so schnell wie möglich wieder nach Penzlin zu holen“, gilt sein Engagement, wie er sagt, dem Menschen Marc und nicht dem Sportler.
Dass er und die Spieler sich nicht einmal von ihrem Freund verabschieden konnten, das bedauert er sehr. Lattmann hat aber wieder Kontakt zu dem Ghanaer. Via Handy und den sozialen Netzwerken. Demnach ist er in Abschiebehaft in Dänemark. Er ist damit in dem Land, in dem er damals auch ankam – auf seinem Weg von Ghana nach Deutschland. „Er verliert seinen Mut und seine Lebensfreude nicht. Jetzt hat er sich als Koch in der Kaserne dort angeboten, möchte was tun“, erzählt Dieter Lattmann. So wie er auch. Behörden, Kommune, alles, was geht, will er anzapfen. „Ich weiß um die Gesetze und achte sie auch. Aber ich verstehe nicht, warum er gerade jetzt geholt wurde. Marc hatte definitiv eine Duldung bis Ende September. Er hätte noch gar nicht ausreisen, geschweige denn abgeschoben werden müssen“, wundert sich der Trainer.
Das ist auch die große Frage, die sich Bodo Wolf stellt. Der Bundesfreiwilligendienstler (Bufdi) kümmerte sich um Marc. „Er soll vor einiger Zeit in einem Schreiben die Nachricht von der Abschiebung bekommen und seinen Mitbewohnern gezeigt und dann nicht mehr darüber geredet haben. Doch Angst davor, dass das wirklich passiert, hatte er nicht. Das hat man gemerkt. Das ist ein Zeichen dafür, wie sehr er sich in Penzlin aufgehoben fühlte.“ Die zuständigen Behörden für die Abschiebung waren bis zum Druck dieser Ausgabe noch nicht für den Nordkurier erreichbar.

25.07.2016 
Quelle: Nordkurier 

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