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13.01.2017

Ahoi! Der Kapitän verlässt die Brücke

Die Jüngeren sollen es machen. Darum gibt Wolfgang Jaeger nach elf Jahren seinen Vorstandsvorsitz im Penzliner Männerchor weiter. Als großer Stratege hat der 72-Jährige die singende Truppe mit Weitsicht geführt und sie sogar über den großen Teich gebracht.

Penzlin. Der Männerchor ohne Wolfgang Jaeger? Das geht gar nicht. Schließlich ist er bereits seit 48 Jahren dabei, gibt den zweiten Bass und möchte auf dieser ehrenamtlichen Strecke auf jeden Fall die 50 Einsatzjahre erreichen. Wie sein Sangesbruder Joachim Nürnberg. Und doch steht ein Abschied an.
Während der Jahreshauptversammlung am 14. Januar ab 13 Uhr in der Neuen Burg wird nach drei Jahren regulär ein neuer Vorstand gewählt. „Von den sieben Mitgliedern treten fünf vor allem aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr an. Es bleiben Rolf Kaselitz und Thomas Günther”, sagt der 72-Jährige, der nach elf Jahren den Posten des Vorstandsvorsitzenden räumt. „Alle reden davon, Jüngere ans Ruder zu lassen. Jetzt wird das auch bei uns gemacht”, schiebt er als Erklärung hinterher. Geht es doch um eine Verjüngung des Vorstandes, was mit den Kandidaten auch erreicht wird. Frischer Wind müsse rein in den Männerchor Penzlin 1907 e. V.
Das Durchschnittsalter der Sänger beträgt inzwischen 60 Jahre. Das sei aber fast jugendlich im Vergleich zu anderen Chören in der Region, gibt Wolfgang Jaeger zu verstehen. Ältester in der Runde sei Ulrich Möller mit 87 Lenzen, der seit 63 Jahren den Penzliner Sangesbrüdern angehört. Im vergangenen Jahr konnten drei neue Leute begrüßt werden, die noch keine 40 Jahre alt sind. Zu den Jüngsten zählt Lars Bünger, der die musikalische Leitung des Ensembles übernommen hat und zu den „Eigengewächsen” in der Runde des Chornachwuchses zählt.
Ein Blick in die Statistik zeigt, dass die Mitgliederzahl um die 40 immer recht konstant war. Sangen Ende 1960 41 Männer mit, so sind es momentan 43. Die alle unter einen Hut zu bekommen, sei gar nicht so einfach. Schließlich will jeder individuell behandelt und akzeptiert werden. Da müsse man eben auch mal mit der Faust auf den Tisch hauen, sagt Jaeger. Bei der letzten Vorstandssitzung in dieser Woche entschuldigte er sich für die Momente, in denen er manchmal aus der Fassung geriet. Doch in gebückter Haltung durchs Leben zu gehen, das gab es für den ehemaligen LPG-Vorsitzenden und langjährigen Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes nie. „Im Verein sind wir nur unserer Satzung verpflichtet und damit erstrangig der Pflege des deutschen Volksliedes”, heißt es konsequent beim Noch-Vorstandsvorsitzenden.
Seinem Organisationstalent und den vielen Kontakten auf beruflicher Ebene war es zu verdanken, dass der Penzliner Männerchor sogar in Amerika unterwegs war, in Polen, Tschechien und Weißrussland auftrat. Und was wurde auf der „Gorck Fock” gesungen? Natürlich Shantys. Dass die Sänger kurz nach der Wende im Januar 1990 erstmals auf der Grünen Woche in Berlin zu hören waren, das erfüllt den Vorstandsvorsitzenden noch immer mit Freude und Stolz.
„Ich werde dem neuen Vorstand nicht argwöhnisch über die Schulter schauen. Doch gibt es Probleme, helfe ich gern”, sagt der Penzliner, dem das Singen viel bedeutet. „Es macht Freude und trägt zur Freude anderer bei. Singen ist eine besondere Form der Kommunikation, die Menschen verbindet”, hat er in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder erfahren.
Dem Chor steht mit dem 110. Stiftungsfest ein Jubiläum ins Haus, das im Dezember groß gefeiert werden soll. Gespartes und Spenden ermöglichen, dass sich die Sangesbrüder neue Chorkleidung anschaffen können. Nach zehn Jahren haben die Anzüge ihren Dienst mehr als getan. Wie vom Vereinsvorsitzenden zu erfahren war, gab es für die Penzliner im Vorjahr 27 Auftritte. Auch für dieses Jahr stehen die ersten Termine fest. Zu Weihnachten geht es traditionell in die Penzliner Kirche und ins Pflegeheim und neuerdings auch in das Hospiz nach Neubrandenburg. Und zum 1. Mai sind die Sänger mal wieder in Krukow zu Gast.
„Ebenso wie wir feiern auch Frauen- und Kirchenchor der Stadt in diesem Jahr Jubiläen. Zusammen haben wir uns entschlossen, darum 2018 wieder ein Sängertreffen in Penzlin auszurichten”, kommt Wolfgang Jaeger auf künftige Vorhaben zu sprechen, deren Organisation er getrost in die Hände seines Nachfolgers legen wird. Die gewonnene Zeit nach Ausscheiden aus dem Vereinsvorstand soll nun der Familie vorbehalten sein sowie Esel, Pony und Hund.
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m.jacobs@nordkurier.de

13.01.2017 
Quelle: Nordkurier 

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