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31.07.2013

Als die Punschendörper ihre Freiheit erkauften

Wenn zwei sich streiten, bedeutet das in diesem Fall Arbeit für einen Dritten. Zwischen Penzlin und dem Adelshaus der Maltzans musste einst der Fürst selbst für Ruhe sorgen.
Von Wolfgang Fuhrmann

Penzlin. Über Jahrhunderte gab es zwischen der Familie von Maltzan auf der Burg Penzlin und der Stadt Penzlin einige oft und hart umstrittene Rechte. Die Familie von Maltzan, Vasallen der mecklenburgischen Herzöge, hatte 1414 Penzlin von diesen zu Pfand genommen und 1501 erwarb Berend Maltzan (der böse Bernd) die Stadt vom Herzog zum persönlichen Besitz. Damit wurden Rat und Bürgerschaft von der Huldigungspflicht (einer Art Treueschwur) gegenüber den Herzögen befreit und alle Privilegien gingen an die neuen Herren über.
Zwischen dem aufstrebenden Bürgertum und der Familie von Maltzan kam es immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten, die auch den Mecklenburger Herzogshof beschäftigten. Auf Grund der „unglücklichen Irrungen und kostbarer Processe“ sah sich der Herzog veranlasst, beide Parteien zu einem grundlegenden Vergleich „zur Herstellung des so lange gefehlten guten Vernehmens und der Einigkeit zwischen der Stadt und ihrem Gerichtsherrn“ zu veranlassen.
Nach zähen Verhandlungen wurde am 4. Oktober 1777 Herzog Friedrich von Mecklenburg-Schwerin der ausgehandelte Vergleich vorgelegt. Darin erklärte sich Joseph von Maltzan bereit, gegen Zahlung von 3300 Taler Gold auf folgende Rechte zu verzichten: das Recht der Huldigung, das Recht des Anschlagens der Freiherrlichen Wappen an Rathaus und Tore, das Recht, die Fräuleinsteuer zu erheben sowie das Recht der Ratswahl. Der Familie verblieben das Patronatsrecht über Kirche und Schule, das Polizei- und Gerichtswesen und der Dammzoll.
Da Joseph von Maltzan seiner Familie in diesem Vertrag das Gerichtswesen sicherte, wurde eine gesonderte „Ordnung über die Rechtssprechung in der Stadt Penzlin“ mit dem Magistrat der Stadt abgeschlossen. Es wurde festgelegt, dass das Stadtgericht aus dem Gerichtsherrn (von Maltzan) und wenn erforderlich aus zwei Beisitzern (Magistrat) bestehen soll. Das Stadtgericht soll auch nie an einem anderen Ort als auf dem Penzliner Rathaus tagen. Eigens dafür wurde eine Gerichtsstube eingerichtet. Des weiterem wurden die Grenzen der „Gerichtsbarkeit in und außerhalb der Stadt über alle in der Stadt und deren Gebiet befindlichen Bürger und Einwohner“ festgelegt. Weiterer Punkt war die Bestellung der „Schulbedienten“. Zwar oblag dem Magistrat die „Präsentation zweier tüchtiger Subjekte zum Rectorat“ – die letzte Entscheidung hatte jedoch der Freiherr von Maltzan. Zugeordnet wurden auch die Obliegenheiten der Polizei, die Errichtung von Armenhäusern, die Überwachung der Maße und Gewichte und die Festlegung der „Bier-, Brodt- und Fleisch-Taxen“.
Auf 21 Blättern wurde der ausgehandelte Vergleich nach Schwerin gesendet. Herzog Friedrich von Mecklenburg-Schwerin bestätigte die Einigung am 15. Oktober 1777 in einer Urkunde. Damit verfügte die Familie von Maltzan immer noch über einen verhältnismäßig großen Einfluss auf die Penzliner Bevölkerung, wie es selbst für Mecklenburg in dieser Zeit eher ungewöhnlich war.

Wolfgang Fuhrmann ist Mitglied im Arbeitskreis Stadtgeschichte.
31.07.2013 
Quelle: Nordkurier 

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