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24.07.2017

Alt Rehse: Gutspark wird Zentrum für Meditation

Was sich hinter den geschlossenen Toren des Alt Rehser Parkes abspielt, wollte so mancher gern wissen. Jetzt hatten Dorfbewohner die Gelegenheit, sich auf dem Gelände umzuschauen. Und sie haben erfahren, was die neuen Besitzer planen.

Alt Rehse. „Ich möchte mich hier engagieren und wir lassen uns nicht demotivieren“, so Gabriele Wahl-Multerer, eine der neuen Besitzer des Gutsparkes Alt Rehse. Sie und ihr Lebensgefährte Jens Schneider-Mergener haben Alt Rehsern jetzt die Pläne für den Park vorgestellt. Die vorhandenen Stühle im Gemeindesaal reichten dabei aber gar nicht aus. Knapp 100 Menschen waren gekommen, um zu hören, was sich dort in Zukunft tun wird.
Schneider-Mergener betonte, dass sie Besitzer seien. Im Gegensatz zu den vorher dort lebenden Menschen hätten sie den Kaufpreis bezahlt. Und die Pläne können sich sehen lassen. Grob geschätzt gehen die Investitionen in den dreistelligen Millionenbereich. Als Erstes soll ein Neubaublock direkt am Eingang saniert werden. Dort wollen die Besitzer vorläufig einziehen, um die Bauarbeiten im Blick zu haben.
Ganze Arbeit sei bereits im Park geschehen – hier haben Landschaftsgärtner die ursprünglichen Sichtachsen wieder freigeschnitten. Tonnenweise Unrat sei beseitigt worden, so die Ausführungen. Die Kosten hätten sich in der Zwischenzeit verzehnfacht. Gabriele Wahl-Multerer war vor drei Jahren schon einmal angetreten und wollte den Lebenspark retten. Damals hatten die Wallners dort noch das Sagen.
Von den Streitereien habe sie nichts gewusst. Dann drohte die Zwangsversteigerung. Sie suchte Partner. Ein Zufall habe sie mit Schneider-Mergener zusammengebracht. Er suchte ein neues Projekt für seine Stiftung. Schnell waren beide sich einig, und das nicht nur beruflich. Wahl-Multerer hat jahrelang Jenoptik geleitet, ein Unternehmen mit 2150 Beschäftigten. Schneider-Mergener ist Wissenschaftler, mit Schwerpunkt Biophysik. Er ist überzeugt davon, dass Krankheiten im Kopf entstehen. So sei er zur Meditation gekommen. Es gebe bereits im Voigtland ein solches Meditationszentrum, dort seien die Kurse regelmäßig nach fünf Minuten ausgebucht. Für ihn das Zeichen, dass es mehr solcher Zentren geben muss. Alt Rehse biete sich dafür an. Etwa 80 Menschen sollen in dem neuen Meditationszentrum Ruhe finden. Außerdem ist eine Herberge mit weiteren 30 Zimmern und 63 Unterkünfte in den Fachwerkhäusern auf dem Parkgelände sind geplant. Eine Schwimmhalle und eine Seesauna gehören ebenfalls zum Projekt.
Alle Fachwerkhäuser sollen auch wieder mit Reet gedeckt werden. Das Paar will in den Park ziehen, zwei weitere Familien haben ebenfalls Interesse angemeldet, dort leben zu wollen. Eine ganzjährige Nutzung ist geplant. „Wir gehen ein enormes Risiko ein“, sagten sie.
Ob alles in der Form realisiert wird wie geplant, hänge auch von Fördermitteln ab. Auf die warte man derzeit. In zwei, drei Wochen soll ein Café eröffnen, ein Restaurant ist geplant. Der Park wird nicht öffentlich sein, das machten beide klar. Lediglich zu öffentlichen Veranstaltungen, Kinoabenden, Konzerten werde er sich Besuchern öffnen. Das stieß nicht bei allen Alt Rehsern auf Wohlwollen.
Aber weiter: Bereits jetzt seien fünf Menschen eingestellt worden, etwa 30 Mitarbeiter sollen es werden. Im Anschluss konnten sich alle schon mal davon überzeugen, was bereits geschehen ist. Und auch die Pläne im Gutshaus wurden in Augenschein genommen. Die meisten freuen sich auf die Wiederbelebung in Alt Rehse.
In den 30er Jahren ließ der Nationalsozialistische Deutsche Ärztebund in Alt Rehse die „Führerschule der Deutschen Ärzteschaft“ errichten. Zwischen 1935 und 1941 diente das Areal der „weltanschaulichen Schulung“ von Ärzten, Apothekern, Hebammen und anderen Beschäftigten im Gesundheitswesen. Die für die Zwecke der NS-Ideologen in der Tradition der Heimatschutzarchitektur gebauten 60 Fachwerkgebäude sind weitgehend erhalten und stellen ein Flächendenkmal dar. In Alt Rehse, wo Mediziner ideologisch u.a. auf die Euthanasie vorbereitet wurden, sind besondere Einblicke in die Verstrickung der Ärzteschaft in die verbrecherische NS-Ideologie der „Rassenhygiene“ und in die Grenzverschiebung medizinethischer Fragen möglich.

24.07.2017 
Quelle: Nordkurier 

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