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15.05.2017

Alter Slawe! Was da im Mittelalter so alles abging...

Das Slawendorf Passentin gewährt dem modernen Menschen Einblicke in längst vergangene Zeiten. Die „Bewohner“ wissen die Distanz zum stressigen Alltag zu schätzen und akzeptieren die Funklöcher gerne. Manchmal läuft einem auf dem Gelände sogar ein Monster aus „Der Herr der Ringe“ über den Weg.

Passentin. Zimt- und Pesto-Schnecken, Pizza, Brotteig mit Nüssen oder Schwarzbier verfeinert – immer rein damit, ihm schmeckt alles. Von wegen viel Rauch um nichts. Denn zum Glück behält der Lehmbackofen nichts für sich, sondern verpasst den Köstlichkeiten in wenigen Minuten nur die nötige Temperatur und würzige Geschmacksnote. Wäre ja noch schöner, wenn Norbert Paulsen plötzlich mit leerem Blech vor der wartenden Kundschaft stehen würde. Schließlich gehen seine Kreationen weg wie warme Semmeln.
Die (hungrigen) Besucher sind am Sonntag zahlreich in jenen Penzliner Ortsteil gepilgert, wo Norbert Paulsen und seine „Freunde des Slawendorfes Passentin e.V.“ Einblicke in das Zeitalter weit vor Brotbackautomat und Fertigpizza geben – und nicht nur das. „Unser Verein hat sich im vergangenen Jahr gegründet, weil wir diesen Ort noch intensiver mit mittelalterlichem Leben füllen worden“, erklärt der 45-Jährige, der die Hitzewallungen unter seinen schnieken Kochmütze gern in Kauf nimmt.
Denn der Lehmbackofen, der mit Buchenholz-Scheiten befeuert wird und im Zuge der Errichtung der ganzen Anlage Mitte der 1990er Jahre nach altem Vorbild entstand, hat es dem IT-Spezialisten besonders angetan – auch wenn, wie er gerne zugibt, zur Zeit der Slawen sicher anderes als Zimtschnecken über der Glut aufging. Wie‘s genau funktioniert, welche Backzeit man braucht und wessen Rezepte schmecken – alles eine Frage des Ausprobierens. „Das Leben im Slawendorf entschleunigt ungemein. Ein tolles Hobby, man relaxed total, kein Radio, kein Handy“, schwärmt der Mann aus Brandenburg.
Mit diesem Mittelalter-Gefühl wollen Paulsen und seine Freunde möglichst viele Menschen anstecken – etwa durch Backworkshops, Erlebnistage für kleine Gruppen oder Handwerks-Schnupperkurse. „Unsere eigene ‚Einstiegsdroge‘ waren Live-Rollenspiele, bei denen wir hier in Passentin mitgemacht haben“, berichtet Vorstands-Kollegin Henrike Schwingel.
Bei diesem Stehgreif-Theater, wo die Akteure an mehreren Tagen kostümiert Rollen in fiktiven (Fantasy-)Geschichten spielen, tritt Norbert Paulsen gerne mal als gruseliger Ork (bekannte Monster aus „Der Herr der Ringe“) auf. Oder er duelliert sich mit seinem Gegner an der Polster-Waffe. „Wir sind umgänglich, aber rau“, lacht er, ohne zu verraten, wie genau sich das vereinbaren lässt.
Sehr umgänglich und gar nicht rau zeigt sich Daniel Görtz, wenn er über sein „Reich“ spricht. Den Ort, wo er einen „großen Erholungseffekt genießt und komplett abschalten kann“. Zusammen mit Frau Anja kaufte der Berliner das Slawendorf in Passentin im Jahr 2013. Seine Kluft am Tag des offene Tores sei „wild improvisiert“ und nicht unbedingt slawisch-authentisch, gesteht er. Würde dem Laien kaum auffallen. Görtz und seine Mitstreiter beim Projekt „Geschichte leben“ kamen 2003 ebenfalls über Live-Rollenspiele mit dem Dorf in Berührung und erkannten schnell, dass es dort einiges zu tun gab. Das sei heute, vor allem bei einigen morschen Reetdächern der Hütten, auch noch der Fall, sagt Daniel Görtz, wenngleich schon einiges erneuert wurde. „Wir können hier auf viel zurückgreifen, etwa Schmiede, Bogenschießplatz und Stallungen.“ Neben Rollenspiel-Stammgästen sollen in Zukunft weitere Mittelalter-Begeisterte angelockt werden. Aber auch Yoga-Kurse im Freien und Firmen-Seminare seien angedacht. Übernachtungen sind jetzt schon möglich. Schließlich ist die Vermarktung, neben Spenden und dem eigenen Geldbeutel, die wichtigste Einnahmequelle.
Außer den Freunden des Slawendorfes Passentin besteht eine enge Kooperation mit wild wurzeln e.V., der seit Ende 2015 den einzigen Waldkindergarten der Müritzregion auf dem Gelände betreibt. Das besondere: Der einzige Raum wird nur bei Regen und im Winter benutzt, berichtet die Vorstandsvorsitzende Anna Fink. Ansonsten heißt es für die neun Kinder täglich ab auf den Baumelplatz, in den Kletterwald oder Insekten treffen in der Natur. Ob jemals Zimt- oder Pesto-Schnecken darunter waren, ist bisher nicht bekannt.
Kontakt zum Autor
f.ferber@nordkurier.de

15.05.2017 
Quelle: Nordkurier 

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