Hilfsnavigation

Blick auf Penzlin vom Mühlenberg Spiegelung
Logo natürlich Mecklenburgische Seenplatte
01.06.2016

Amerikanische Träume – als Schäfer Rütz Punschendörp verließ

Oft gibt es im Penzliner Stadtarchiv Anfragen zu den Bewohnern von einst. Und die kommen aus ganz Deutschland. Jetzt machte sich sogar eine Amerikanerin auf den Weg, um ein Stück Familiengeschichte zu ergründen.

Penzlin. Susan trifft auf Susan. Welch ein Zufall. Während die eine in Waren lebt und in Penzlin arbeitet, ist die andere in Amerika zu Hause. Dass beide sich in Punschendörp begegnen, war abzusehen. Denn schon vor einem viertel Jahr wurde der Stadtarchivarin Susan Lambrecht weit gereister Besuch angekündigt: Susan Quillman, die Ur-Urenkelin des 1856 in Penzlin geborenen Schäfers Johann Friedrich Wilhelm Rütz, wollte die Heimat ihres Vorfahren kennenlernen.
„Ein Ahnenforscher aus Oldenburg organisiert Reisen für Amerikaner, die sich in Deutschland auf die Suche ihrer Altvorderen begeben. Die Gruppe von zehn Leuten war in Waren untergebracht“, erzählt Lambrecht. Während einige der Gäste sich mit einem gemieteten Auto in Richtung Demmin und Altentreptow auf den Weg machten, ließ sich Susan Quillman in Penzlin vor der Bibliothek absetzen. „Wir fanden sofort einen Draht zueinander. Mit der Verständigung gab es keine Probleme“, sagt sie. Schließlich beherrsche sie die englische Sprache.
Mit den im Archiv gefundenen Sterbeurkunden der Familie Rütz konnte sie der Amerikanerin zwei besondere Dokumente in die Hand drücken. Im Gespräche kamen beide Frauen auf das Jahr 1883 zu sprechen, als Schäfer Rütz mit Frau und Tochter in die USA auswanderte und im Bundesstaat Ohio eine Farm aufbaute. Das Geld für die Auswanderung stammte von der Familie seiner Ehefrau. Später sollen noch weitere Angehörige über den großen Teich gereist sein.
Susan Quillman erfuhr in Penzlin, wie es vor Jahrhunderten in einer Ackerbürgerstadt zuging und warum es für einen Schäfer keine große Perspektive gab. Dass dieser die Tiere früher direkt durch die Stadt trieb, erstaunte die Besucherin schon sehr. In der Hirtenstraße konnte sie sich eines der Häuser anschauen, die den Schäfern früher als Bleibe dienten. Nur ist es heute mit modernem Wohnkomfort ausgestattet. „Während des Rundgangs durch die Stadt vorbei an Schule, Alter Burg und Hexenbrunnen gab es für Susan Quillman wohl den emotionalsten Moment in der Kirche. Schließlich hat das Gotteshaus die großen Stadtbrände überlebt und zeigt sich fast so wie zu Zeiten ihres Penzliner Vorfahren“, berichtet Susan Lambrecht. Dass Kantorin Brita Möller gerade in diesem Moment die Orgel spielte und um 12 Uhr das Glockengeläut von St. Marien zu hören war, begeisterte die Amerikanerin. Ein Eintrag im Gästebuch der Kirche erinnert nun an sie.
Susan Lambrecht erfuhr, dass ihre Namensvetterin ausgebildete Krankenschwester sei und momentan im Hospizdienst arbeite. Zuhause ist sie in der Nähe des Great-Smoky-Mountains-Nationalparks, der in den Appalachen auf dem Gebiet der US-Bundesstaaten North Carolina und Tennessee liege. „Mit dem dat-Bus ging es zurück nach Waren. Dass dieser auch Fahrräder mit an Bord nimmt, darüber staunte meine Begleiterin sehr“, fügt die Bibliothekarin hinzu, der die Tour mit der Ahnenforscherin viel Freude bereitete. Viele kopierte Seiten aus Büchern, Fotos und andere Erinnerungsstücke an Penzlin traten inzwischen mit Susan Quillman die Rückreise nach Amerika an.
Übrigens suchte nicht nur Schäfer Rütz das Glück auf einem anderen Erdteil. Auch Pastor Carl Schenk und der Lehrer Eduard Napp wanderten aus und kehrten der mecklenburgischen Heimat den Rücken.

01.06.2016 
Quelle: Nordkurier 

Kontakt

Stadt Penzlin
Der Bürgermeister
Warener Chaussee 55a
17217 Penzlin

Telefon +49 3962 2551-0
Fax +49 3962 2551-52
f.colberg@penzlin.de