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12.08.2015

Auch Penzlin hat sein Kreuz zu tragen

Nicht überall fand das Projekt zur Aufarbeitung des Kriegsendes in Penzlin Zustimmung. Viele Ältere jedoch wollten reden. Von dieser grausamen Zeit mit Gewalt, Not und Leid. So konnten zwei Autoren ein Buch erarbeiten, das mehr ist als nur Erinnerung.

Penzlin. Ein großes Holzkreuz aus Eisenbahnschwellen findet sich auf dem Friedhof in Penzlin, fast ganz von einer Konifere umschlungen. Dieses schlichte Mahnmal mit einer Erinnerungstafel zu versehen, ist Wunsch vieler Penzliner – gedenkt es doch derer, die kurz vor dem Kriegsende vom 28. April bis 8. Mai 1945 in der Stadt zu Tode kamen. 183 Menschen waren es, die sich das Leben nahmen oder Opfer von Bränden wurden.
Lange wurde darüber geschwiegen. Im 70. Jahr nach Ende des Zweiten Weltkrieges nahmen sich nun zwei Autoren dieses sensiblen Themas an und brachten eine Dokumentation heraus: „Das Kriegsende in Penzlin 1945 – Berichte, Erinnerungen, Dokumente“. Zur Vorstellung des Buches hatten sich Peter Latzel und Wolfgang Fuhrmann zahlreiche Gäste in die Neue Burg Penzlin eingeladen. Dazu gehörten auch Mitautoren, die als Zeitzeugen authentische Berichte beisteuerten. Für Latzel, der in Zella-Mehlis zu Hause ist, gab es ein Wiedersehen mit Schulfreunden. Seine Familie gehörte zu den Flüchtlingen, die 1946 nach Penzlin kamen und hier ein neues Zuhause fanden.
Bereits zur 750-Jahrfeier im Jahr 2013 hielt er in der Reihe „Zeitreise“ einen Vortrag zur Vertreibung der Sudentendeutschen. Dabei ergab sich auch der Kontakt zum Alt Rehser Wolfgang Fuhrmann.
Neben den Zeitzeugenberichten recherchierten beide in den Archiven von Penzlin, Schwerin und Rostock. Wichtige Hinweise fanden die Männer in den Sterbebüchern des Standesamtes der Stadt. „Die Begräbnislisten waren ebenfalls Grundlage für das Aufarbeiten dieses Teils der Stadtgeschichte“, sagt Wolfgang Fuhrmann und kommt dabei auf Dr. Konrad Hendrik zu sprechen, der von 1938 bis 1947 Pastor in Penzlin war.
Als die Roten Armee einmarschierte, öffnete er sein Pfarrhaus für Schutzbedürftige, richtete ein Lazarett ein, versorgte Kranke und Verletzte und beerdigte die Toten, die sich aus Angst vor den Befreiern im Stadtsee das Leben genommen hatten. Der Pastor war zu dieser Zeit die einzige Amtsperson in Penzlin, da sich der letzte Bürgermeister am 30. April 1945 erschossen hatte.
Penzlin war die erste Stadt in der Müritzregion, die die Schrecken des Einmarsches der Roten Armee erleben sollte. Sie wurde am 1. Mai vorsätzlich von Rotarmisten niedergebrannt, die Bevölkerung unter Androhung von Strafe am Löschen gehindert. Die Dokumentation, die mit Unterstützung der Stadt sowie der Landeszentrale für politische Bildung M-V herausgegeben wurde, zeigt die Grausamkeiten des Nationalsozialismus und die Verbrechen mancher Sieger auf. Geht es doch um die geschichtliche Wahrheit als Lehre für die Zukunft. Dabei sprach Peter Latzel besonders die jüngere Generation an, die sich nicht wieder von Hass und Vorbehalten gegen andere Völker verblenden lassen dürfe. So will die Regionalschule „Johann Heinrich Voß“ das Buch im Unterricht nutzen.

Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

12.08.2015 
Quelle: Nordkurier 

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