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13.10.2016

Auch zum 80. hat sie den Durchblick

Zu den Stadtvertretersitzungen geht Hildtraut Fischer nicht mehr. Da werde immer so leise gesprochen, dass man kein Wort verstehe. Doch ansonsten fühlt sich die 80-Jährige fit, es noch mit so manchem Problem in ihrem Heimatort aufzunehmen.

Penzlin. Eine Kampfrede habe sie gehalten. Hildtraut Fischer schmunzelt über ihre Formulierung. „Die Ruhestandsbeamten wollen einen Seniorenbeirat für Penzlin gründen. Da habe ich sie erst mal anschaulich über das Seniorenmitwirkungsgesetz informiert, das älteren Bürgern sogar rechtliche Mittel fürs Engagement zusichert“, erzählt die Penzlinerin über die Versammlung am Dienstag.
Vor zehn Jahren stand das schon einmal zur Debatte, doch da wurde in der Stadtvertretung der Beschluss zur Gründung so eines Gremiums einfach vom Tisch gefegt. „Darüber habe ich mich mächtig geärgert“, erinnert sich die Seniorin, die heute ihren 80. Geburtstag feiert. Aktiv mitarbeiten werde sie in so einem Beirat heute nicht mehr, aber auf jeden Fall seine Bildung mit unterstützen.
Hildtraut Fischer mischt sich gerne ein, möchte die Entwicklung der Kleinstadt mit befördern. „Ich bin zwar klein von Statur, lasse mir aber nicht den Mund verbieten“, lautet ihre klare Ansage, die sie durchs ganze Leben begleitete. Dass sie sich damit nicht nur Freunde macht, hat die Frau des öfteren erfahren. Doch sie kann ganz gut damit leben.
Chronistin, Stadtführerin und Hühnerfee
Wer Genaueres aus der Penzliner Historie erfahren möchte, der ist bei ihr immer an der richtigen Adresse. Schon lange vor der Gründung des Arbeitskreises Stadtgeschichte anlässlich des 750. Jubiläums im Jahre 2013 hatte sie sich mit zahlreichen Themen beschäftigt, Material gesammelt und Recherchen handschriftlich festgehalten. Das reicht von den Straßennamen über Persönlichkeiten bis hin zu Sagen aus dem Punschendörper Raum. Aufgelistet hat sie auch alle Bürgermeister, die einst in Penzlin regierten. Und das waren nicht wenige.
Ihr Lieblings-Stadtoberhaupt war Rudolf Beyer, der von 1852 bis 1926 die Amtsgeschäfte führte und für einige Fortschritte in der Ackerbürgerstadt sorgte. So ließ der Berufsnachfolger von Otto Piper am Westufer des Stadtsees eine Promenade anlegen. Auch mit Oskar Bahmann, Bürgermeister nach dem Krieg, kennt sich Hildtraut Fischer aus. Persönliche Kontakte zur Tochter in Rostock machen es möglich, dass die Memoiren Bahmanns zu einem Buch aufgearbeitet werden.
Dieses vielseitige Wissen prädestiniert die Penzlinerin zu Stadtführungen, zu denen sie die Gäste immer mit großer Begeisterung mitnimmt. So beschritt sie zum Tag des offenen Denkmals im September Spuren der Frauen von Maltzan, die ihrer Meinung nach viel zu wenig Beachtung finden. „Am 19. Oktober lese ich um 14 Uhr im Arbeitslosentreff aus dem Leben der Elisabeth Luise Gräfin von der Recke“, kommt sie auf eine weitere Freizeitbeschäftigung zu sprechen. Und wer Plattdeutsches hören will, kann auch immer an ihre Tür klopfen.
Hildtraut Fischer ist keine gebürtige Penzlinerin, ihre Eltern stammen aus Masuren. 1937 zogen sie nach Vorpommern. Ackerbau und Viehwirtschaft machten das Berufsfeld der Tochter aus, die staatlich geprüfter Landwirt wurde, als Lehrausbilder und Abteilungsleiter tätig war. Ein Schwarz-Weiß-Foto, das ihr ein Pressefotograf schenkte, erinnert an ihre Zeit als Hühnerfee. Von der Landwirtschaft ging es in die Verwaltung. Bis zur Wende war Hildtraut Fischer in der Stadtverwaltung Penzlin in unterschiedlichen Sachbereichen tätig. Daher kommt auch das große Interesse am Gestern und Heute in der Stadt.
„Ich bin total zufrieden und meine Ärztin lobt meine Fitness“, berichtet die 80-Jährige stolz, die mit vier Schwestern und einem Bruder aufwuchs. Ein großer Teil ihrer „Sippe“ lebe heute noch in Penzlin und zu allen habe sie ein besonderes Verhältnis. „Eigentlich bin ich ja am 12. Oktober auf die Welt gekommen. Doch mein Vater gab die Geburt bei den Behörden erst einige Tage später an und legte sich auf den 13. Oktober fest. Das hat mir meine Mutter erzählt“, kommt die Jubilarin auf Familiengeschichte zu sprechen, die sich heute nicht mehr ganz erklären lässt. Man müsse alles auch mit einer Portion Humor nehmen. Lamentieren helfe im Leben nicht weiter, so die Erfahrung der 80-Jährigen.
Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

13.10.2016 
Quelle: Nordkurier 

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