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19.01.2017

Aufbruch zu neuen Ufern: So Gott will...

Mit Koffern reiste Angelika Finkenstein vor 25 Jahren mit ihrer Familie in Möllenhagen an. Jetzt geht es wieder ans Packen. Denn die Pastorin geht in den Ruhestand und verlegt ihren Lebensmittelpunkt. Doch dieses eine Ereignis wird sie nie vergessen

Möllenhagen. Die Tage rennen. Das taten sie aber auch schon im vergangenen Jahr. Denn Angelika Finkenstein bereitete ein letztes Mal den Ostergottesdienst und die Konfirmation vor. Nun ist es nur noch eine gute Woche, bis sie am 29. Januar um 14 Uhr in der Kirche von Möllenhagen durch Pröbstin Britta Carstensen aus dem Pastorendienst verabschiedet wird.
„Es ist irgendwie eine merkwürdige Situation. Denn alles muss seinen gewohnten Gang gehen”, sagt die Pastorin, die gegenwärtig im Pfarrhaus am Räumen ist. Schließlich möchte sie alles ordnungsgemäß übergeben. Dass sie beim Gottesdienst am Sonntag noch den neuen Kirchengemeinderat vorstellen darf, empfindet die 62-Jährige wie ein Geschenk. Feiert sie an diesem Tag doch auch ihren Geburtstag.
Die Pastorin wartet auf den Märchenprinz
1992 kam Angelika Finkenstein mit ihrem Mann Christian aus dem Raum Magdeburg nach Möllenhagen, wo er die Pfarrstelle übernahm. Später tat sich für die Theologin in der benachbarten Kirchengemeinde Lukow eine Anstellung auf. Nachdem ihr Mann Militärpfarrer in Neubrandenburg wurde, war sie Ansprechpartnerin für die Kirchengemeinde Möllenhagen-Ankershagen, der gegenwärtig 556 Mitglieder angehören.
Ein Ereignis aus den Anfangsjahren in Mecklenburg wird ihr unvergessen bleiben: „Wie viele Gotteshäuser zeigte sich die Kirche in Groß Flotow in einem traurigen Zustand. Es gab keinen Strom und im Dach klaffte ein großes Loch. So hielten alle Kirchenbesucher am Heiligabend eine Kerze in der Hand und das herunterlaufende Wachs bekleckerte die Handschuhe. Von der Empore aus wünschte ich mir insgeheim, dass doch endlich ein Märchenprinz vorbeikommen möge...”
Und dieser ließ sich schließlich sehen in Gestalt von Jost Reinhold, der 1929 in Groß Flotow geboren wurde. Wie viel Geld braucht Ihr, war seine Frage? 50 000 Mark schienen für den Mäzen aus der Schweiz keine Größe zu sein, für die Flotower allemal. Und so bekam die Dorfkirche nicht nur ein neues Dach und neue Fenster.
Durch Fördermittel konnten in den 90er Jahren viele der in DDR-Zeiten vernachlässigten Kirchenhäuser saniert werden. Schließlich durchlebten diese viele Epochen und Kulturen, sind Denkmäler, die es zu bewahren gilt. „Alle meine Kirchen befinden sich in einem guten Zustand”, freut sich Angelika Finkenstein, zu deren Verantwortungsbereich fünf Gotteshäuser gehören.
Im vergangenen Jahr wurde mit einer Festwoche das 750. Jubiläum der Kirche in Ankershagen gefeiert. In Groß Varchow konnte mit dem Erntedankfest die Innensanierung des Gotteshauses abgeschlossen werden. Mittel von Kirchenbauamt und Sponsoren flossen aber auch in die Dorfkirche von Rumpshagen, in der das Gestühl mit frischer Farbe versehen wurde.
Am Rosenmontag ist alles vorbei
Welche dieser Kirchen die Pastorin denn ganz besonders mag? „Das ist wie mit den Kindern in der Familie. Man hat sie alle lieb. Jede Kirche hat ihre Besonderheiten und Herausforderungen”, lautet die Antwort. Eine diese Herausforderungen war für die Pastorin in all den Jahren die Kälte, die sie in diesen sakralen Bauten erwartete. Bis auf Möllenhagen, dort gibt es inzwischen eine Heizung.
„Ich bin gern Landpastorin und habe dank meines Berufes Zugang in viele Häuser”, sagt Angelika Finkenstein, die großen Wert auf das persönliche Gespräch legt. Denn zwischen Trauungen, Taufen, Gottesdiensten und Beerdigungen spannt sich stets ein großer Bogen an Emotionen. Selbst eine Kirchenfrau braucht da mitunter Hilfe, um diese zu meistern. Neben den Mitgliedern des Kirchengemeinderates gab es auch immer Unterstützung von seiten der Familie, zu der drei Kinder und inzwischen drei Enkel gehören.
Schon mit sechs Jahren sprach die jüngste Tochter Eva mitunter in spielerischer Form in der leeren Kirche zur Gemeinde und malte ihre Mutti vor dem Altar. Dieses Bild hängt heute noch im Arbeitszimmer von Angelika Finkenstein. Dass die 29-jährige Eva sich auch für Theologie entschieden hat, empfinden die Eltern als ein großes Glück. Sohn Florian ist als Bauingenieur in Leipzig tätig, und Tochter Ursula als Lehrerin in Amsterdam.
Christian Finkenstein wird übrigens Ende Februar von seiner Friedensgemeinde in Neubrandenburg verabschiedet. Der Umzug ins neue Leben erfolgt am Rosenmontag. Denn die Ruheständler zieht es in Richtung Leipzig, in das Elternhaus von Angelika Finkenstein. „Doch wir haben noch einen Koffer in Pieverstorf stehen. Unsere Laube gibt uns die Möglichkeit, gerade in der schönen Jahreszeit wieder vorbei zu schauen”, sagt die Pastorin, die die mecklenburgische Landschaft mit ihren kleinen Hügeln und den vielen Seen liebt. Mit dem Fahrrad war sie oft von Kirche zu Kirche unterwegs, die Badesachen immer mit im Gepäck.
Dass Pastor Hartmuth Reincke von der Kirchengemeinde Penzlin-Groß Lukow als Nachfolger die Arbeit übernimmt, ist für die Pastorin in Möllenhagen ein gutes Gefühl. Schließlich habe man viele Jahre zusammen gearbeitet, so dass der Penzliner den Kirchenmitgliedern längst gut bekannt ist.
Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

19.01.2017 
Quelle: Nordkurier 

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