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08.11.2016

Aus im Rathaus: Penzlins Vereine müssen raus

Für die Amtsverwaltung waren die Bedingungen im Alten Rathaus am Wall besonders nach der Fusion mit Möllenhagen nicht besonders gut. Darum erfolgte 2002 der Umzug in die Warener Chaussee. Einige Vereine der Stadt profitierten davon. Sie bekamen für kleines Geld gute Räume. Doch nun gab es die Kündigung – und noch heute eine Entscheidung.

Penzlin. Schon seit Tagen ist Gerd Saß beim Kramen. Und eine Tonne nach der anderen füllt sich mit Müll. Der Senior muss sich von vielen Dingen trennen, kann nicht alles mit nach Hause in die Wohnung nehmen. So geht es auch anderen Mitgliedern des Penzliner Modellbauclubs (MBC), müssen sie doch die Räume im Alten Rathaus am Wall räumen.
Zum 31. Januar 2017 erhielten die Modellbauer die Kündigung von der Stadt. „Wir ziehen nun zum 12. Mal um. Wohin? Das wissen wir allerdings noch nicht”, sagt der 75-Jährige, der zu den Gründungsmitgliedern des Clubs gehört. So hatten die Schiffsmodellbauer schon Vereinsräume in der Alten Burg, in der Kita, in der Schule in der Hirtenstraße und auch im ehemaligen Stadthaus am Beyerplatz.
2002, mit dem Umzug der Stadtverwaltung in das ehemalige Geschäftsgebäude vom Penzliner Fensterbau in der Warener Chaussee wurde das Alte Rathaus am Wall dann unter Regie des Kulturvereins für die Vereine frei. Die Modellbauer bezogen den „Zellentrakt” des historischen Gebäudes. Schließlich beherbergte es in früheren Jahren das Amtsgericht der Stadt, das eben auch über Gefängniszellen verfügte.
„Zweimal die Woche trafen sich unsere zehn Mitglieder hier, am Sonnabend war immer Bastelzeit”, erzählt Wolfgang Tänzer, der dem MBC ebenfalls schon seit Jahrzehnten angehört. In den Räumen gab es auch Platz für eine Werkbank, an der neue Modelle entstehen konnten. In den Schränken finden sich Werkzeuge und Materialien, die für die Bastler wichtig sind. Jeder muss nun erstmal seine Sachen mit nach Hause nehmen. Aber wo soll das 2,10 Meter lange Torpedoboot hin, das in den 60er Jahren von Erich Kronberger gebaut wurde und zum Bestand des Vereins gehört? Es drehte noch zum 50-jährigen Vereinsjubiläum vor vier Jahren seine Runden auf dem Penzliner Stadtsee.
„Unsere Räume wurden mit jedem Umzug kleiner. Als Alternative hat man uns eine Garage angeboten. Allerdings wäre das für unsere Schiffsmodelle und unsere Technik nicht das Optimale”, meint Vereinsvorsitzender Eric Langel. Bemühungen, mit dem Verein irgendwo privat unterzukommen, seien bisher gescheitert.
Zwei Investoren stehen zur Wahl
Aber nicht nur der MBC ist von der Kündigung betroffen. Blaskapelle, drei Bands, Angelverein und Jugendklub müssen sich ebenfalls auf die Suche nach neuen Räumen begeben. Auch wenn das Aus bereits Anfang Oktober angekündigt worden war, trifft es alle doch ziemlich überraschend. Woanders unterzukommen, ist vor allem auch eine Frage des Geldes.
„Nach der öffentlichen Ausschreibung zum Verkauf des historischen Hauses am Wall gibt es zwei Bewerber. Darum wurden die Kündigungen der Nutzungsvereinbarungen fristgemäß vorgenommen”, sagt Bürgermeister Sven Flechner. Er bedauere, dass er den Vereinen in dieser Frage nicht weiter unter die Arme greifen kann. Der Immobilienmarkt habe sich in Penzlin gut erholt und da müsse die Stadt angesichts ihrer prekären Haushaltslage auch reagieren, um Einnahmen zu bekommen.
„Der Instandhaltungsstau im Alten Rathaus hätte uns jetzt gezwungen, Geld in die Hand zu nehmen. Die Heizung ist 25 Jahre alt, die Fenster stammen noch aus der DDR-Zeit, Dach und Schornsteinköpfe müssten erneuert werden. Das ganze Haus stellt energetisch eine Katastrophe dar”, beschreibt der Bürgermeister den Zustand des Alten Rathauses und verweist auf die Stadtvertretung, die den Verkauf des Hauses mit unterstütze. Einer der Investoren plane bereits den Umbau, für den er schnell Baufreiheit erlangen möchte. Wer das Gebäude bekommt, darüber entscheidet die Stadtvertretung heute im nichtöffentlichen Teil ihrer Sitzung.
Immerhin: Der Jugendklub kann im Bürgerzentrum Neue Burg weiter machen. Auch für andere Vereine wäre dort Platz, so Sven Flechner. „Das ist keine Alternative für uns. Zumal wir unsere Modelle ständig wieder abbauen müssten, damit die Räume auch von anderen genutzt werden können”, meint Gerd Saß. Er befürchtet, dass der MBC durch den Auszug aus dem Alten Rathaus weitere Mitglieder verlieren könnte.
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m.jacobs@nordkurier.de

08.11.2016 
Quelle: Nordkurier 

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