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18.03.2017

Axel-Ingo G.: Wie krank ist der Verurteilte wirklich?

Im spektakulären Prozess um die zu Tode gepeitschte Sarah H. aus Alt Rehse hat der Richter das Strafmaß verkündet. Vorher stand am finalen Prozesstag die mentale Verfassung des Angeklagten Axel-Ingo G. im Fokus der Sachverständigen.

NEUBRANDENBURG. Eine besondere Aufregung war Axel-Ingo G. nicht anzumerken. In dunklem Pullover, dunkler Hose und einem Pappschild in der Hand mit der lateinischen Aufschrift „In dubio pro reo“ (Im Zweifel für den Angeklagten) betrat er am Freitag den Sitzungssaal 10 im Landgericht Neubrandenburg. Die Stuhlreihen waren fast alle belegt. Das Interesse bei Medien und Alt Rehsern aus der ehemaligen Nachbarschaft des Angeklagten im Fall der zu Tode gepeitschten Sarah H. war auch am vierten und finalen Prozesstag ungebrochen. Dabei dürfte sich der eine oder andere Zuhörer alsbald etwas ratlos umgeschaut haben ob der Fachtermini im Sekundentakt. Paranoid-halluzinatorisches Syndrom, bipolare affektive Störung: Wer von den etwa 50 Besuchern nicht auf die Kenntnisse eines Psychologie-Studiums zurückgreifen konnte, hatte einige Mühe, den Ausführungen von Gutachterin Dr. Peggi Grüneberg zu folgen. Gleichwohl es auch der Fachärztin für Nervenheilkunde nach eigenem Bekunden nicht leicht fiel, sich ein genaues Bild vom mentalen Zustand des Axel-Ingo G. zu machen. Schließlich verweigerte ihr der Angeklagte bis zuletzt ein Vier-Augen-Gespräch. So blieb der Sachverständigen aus Greifswald nichts anderes übrig, als sich an den zahlreichen Diagnosen anderer Experten, die in der Vergangenheit bei Vorfällen des 51-Jährigen erstellt wurden, und der allgemeinen Aktenlage zu orientieren. Dabei kamen verschiedene Behandlungen des Anlagen-Programmierers und Elektro-Meisters aus Süddeutschland zur Sprache – etwa die Anfang 2015, kurz nach dem Auszug seiner Noch-Ehefrau aus dem Haus in Alt Rehse. Laut Protokollen ist bei einem stationären Aufenthalt Axel-Ingo. G.s eine Psychose dokumentiert worden und unter anderem das Wort strahlenbeeinflusst” aus dem Mund des Beschuldigten gefallen. Ein Jahr später, skizzierte Dr. Grüneberg anhand der Aufzeichnungen, sei von einem „häuslichen Erregungszustand mit aggressiven Durchbrüchen” zu lesen. Bei beiden Vorfällen hätten wohl Drogen eine Rolle gespielt. Die letzte psychologische Einschätzung vor der im Juni 2016 vermuteten Tat gehe in Richtung einer bipolaren Störung und stamme von einem Amtsarzt im gleichen Monat. Laut weiterer Zeugen-Zitate nach der Festnahme im August, habe Axel-Ingo G. unter anderem geäußert, Sarah H. sollte ihn „zersetzen“. Auch von der Beschießung durch Strahlen-Kanonen und von einer Mikrowellen-Waffe war die Rede. „Eine Einordnung ist für mich sehr schwer.“, verdeutlichte Grüneberg ihr Dilemma. „Er war in der Vergangenheit auffällig”, brachte es Richter Klaus Kabisch kurz und knapp auf den Punkt. Die weitere geladene Zeugin, Claudia Lossin, ärztliche Bereichsleiterin Rettungsdienst beim Landkreis, gab Einblicke in die notärztliche Versorgung durch eine Kollegin am Tag der Festnahme am 9. August. Man habe vor Ort eine „psychische Ausnahmesituation” vorgefunden. Axel-Ingo G. habe ein aggressives Potenzial gezeigt mit erheblicher Fremdgefährdung sowie Wahnvorstellungen und eingeschränkter Aufmerksamkeit. In der Folge seien dem 51-Jährigen zwei entsprechende Medikamente intravenös verabreicht worden, bevor er später  er Krankentransport in eine psychiatrische Einrichtung nach Röbel gebracht wurde. Axel-Ingo G. selbst räumte in seinem Schlusswort immerhin ein, dass es ein Fehler gewesen sei, nach dem Zusammenbruch seiner Lebensgefährtin Sarah H. nicht den Notarzt alarmiert zu haben. Entsprechend der unterschiedlichen Auffassungen im Vorfeld, stieß auch die Urteilsverkündung von Richter Klaus Kabisch – fünf Jahre Freiheitsstrafe – auf unterschiedliche Reaktionen bei den Beteiligten. „Das ist sehr milde. Ob wir in Revision gehen, werde ich jetzt mit Sarahs Vater besprechen”, erklärte Nebenkläger Damian Hötger. Definitiv Revision einreichen wird Verteidiger Henning Köhler, wie er auf Nachfrage bestätigte. Dann muss sich der BGH mit dem Antrag befassen. Axel-Ingo G. indes ging, wie er gekommen war: unaufgeregt. 

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18.03.2017 
Quelle: Nordkurier 

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