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31.08.2015

Böcke gibt es noch, den See aber nicht mehr

Es ist nicht so leicht, die Bedeutung kurioser Ortsnamen ausfindig zu machen. Zumal kleine Dörfer oft keine große Chronik haben. Mitunter bleiben nur Vermutungen – wie in Bocksee.

Bocksee. Holländer lieben den kleinen Campingplatz in Klockow und wandern gern durch die Natur in die benachbarten Orte. Nicht selten stehen sie dann bei Familie Bölke vor der Tür und erkundigen sich nach dem Bocksee, in dem sie gern baden würden. „Da kann ich dann leider nur passen. Denn der See ist längst verlandet. Rehböcke trifft man aber schon in diesem Bereich an“, sagt Wilfried Bölke, der nach der Wende erster frei gewählter Bürgermeister von Ankershagen war. Bocksee war damals schon Ortsteil der Gemeinde, gehörte früher aber mal zu Dratow. Wahrscheinlich war der See Namensgeber fürs Dorf, das in den 90er Jahren noch an die 400 Einwohner zählte. Schafe wurden hier immer gehalten. Und typisch ist der sandige Boden in dieser Region, in dem sich eben kein Wasser hält.
Bocksee findet nach Auskunft von Ortschronistin Christa Kostolnik in Kirchendokumenten um 1705 Erwähnung mit einer Meierei, auf der Schäfer, Weber und Schneider lebten. Der Ort galt als Vorwerk des Gutes Rethwisch, wurde 1856 aber selbst zum Hauptgut erhoben. In einem Brief des Archäologen Heinrich Schliemann findet sich die Notiz, dass Bocksee am 1. November 1866 bis auf einen Pferdestall und eine Bauernkate völlig niederbrannte. Darum gibt es heute nur noch wenig historische Bauten.
Wilfried Bölke verweist auf die ehemalige Schule, die zum Wohnhaus umgebaute Schnitterkaserne und das auch schon nicht mehr existierende grüne Verwalterhaus. „Ich habe im VEG Saatzucht Bornhof gearbeitet und hatte die Leitung der Gewächshausanlage hier in Bocksee inne“, berichtet der 77-Jährige, der später langjähriger Leiter des Schliemann-Museums war. So ging es um neue Sorten von Lupinen und Roggen, die unter Glas sogar mehrmals erntereif waren. Die Saatzucht bestimmt auch heute noch den unternehmerischen Alltag des Dorfes.
Vorwiegend prägen Einfamilienhäuser das Ortsbild. Bölkes zogen 1981 aus dem Neubaublock aus und richteten sich in ihrem selbst gebauten Häuschen am Klockower Weg ein. „Wir fühlen uns hier sehr wohl inmitten schöner Natur. Und mit den Nachbarn wird auch mal ein Straßenfest gefeiert“, berichten Margarete und Wilfried Bölke. So eine richtige Dorfgemeinschaft gebe es allerdings nicht mehr.

31.08.2015 
Quelle: Nordkurier 

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