Hilfsnavigation

Blick auf Penzlin vom Mühlenberg Spiegelung
Logo natürlich Mecklenburgische Seenplatte
27.01.2016

Bye bye, B 192: Als Angela Merkel den Penzlinern ihre Ruhe gab

Die Penzliner sind clever: Sie haben den Verkehrslärm einfach ausgesperrt. Schon seit Ende der 90er Jahre führt die Ortsumgehung die tosende Bundesstraße 192 an der Kleinstadt vorbei, statt mitten durch. Das ist zwar mitunter auch ein Wermutstropfen. Doch die lärmenden und stinkenden Verhältnisse will wohl kein Punschendörper zurück.

Penzlin. Während Städte wie Waren und Mirow noch immer um eine Ortsumgehung kämpfen, haben es Neustrelitz und Penzlin längst geschafft. Punschendörp punktet damit seit 1998 direkt an der B 192. Früher führte die Bundesstraße durch die Innenstadt. Stoßstange an Stoßstange rollten die Autos durch die Große und Warener Straße. Besonders eng wurde es an der Marienkirche. Zwei Laster kamen hier nicht aneinander vorbei.
Schon 1992 ergaben Verkehrszählungen, dass täglich rund 12 000 Fahrzeuge durch die Innenstadt rollten. Prognosen sagten gar einen Anstieg auf 16 000 Autos voraus. Besonders die historischen Fachwerkgebäude in der Innenstadt waren Lärm, Schmutz, Abgasen und Erschütterungen nicht mehr gewachsen. Und die Penzliner trauten sich kaum noch über die Straße. Aus Sicherheitsgründen wurde in Höhe von Bäcker Lincke eine Bedarfsampel für die Fußgänger installiert. Eine Ortsumgehung musste her.
„Die Initiative ging dafür vom damalige Bürgermeister Gerhard Kresin aus, der das Gespräch im Bundesverkehrsministerium suchte. Die Planungsphasen waren nach der Wende viel einfacher und sicherlich hatte Penzlin mit dem Antrag auch Glück“, sagt Stadtoberhaupt Sven Flechner heute. 1991 begannen erste Untersuchungen zum Bau der Ortsumgehung. Schon ein Jahr später wurde das Vorhaben im Bundesverkehrswegeplan als „vordringlicher Bedarf“ ausgewiesen.
Gerade der erste Bauabschnitt, der 1996 startete, hatte es in sich. So musste in Höhe des Bahnhofes eine Moorbrücke errichtet werden. Pfähle wurden eingeschlagen, um das Bauwerk nach einer 17-Meter-Torfschicht in festem Boden gründen zu können. Am 15. September 1998 reiste Angela Merkel an. Als damalige Bundesumweltministerin eröffnete sie für die Penzliner den ersten Abschnitt der Umgehung. Am 3. Juli 2003 übernahm Landeswirtschaftsminister Otto Ebnet diesen Akt für den abschließenden Bereich der Trasse. Insgesamt flossen in die Ortsumgehung an die 23 Millionen Mark aus dem Etat des Bundesverkehrsministeriums.
„Festgehalten sind diese historischen Daten mit den Unterschriften der Prominenten in unserem Goldenen Buch“, verweist der Bürgermeister auf ein wichtiges Dokument in seinem Amtszimmer. Mit dem Wegfall des Durchgangsverkehrs durch die Innenstadt wurden die Straßen umgewidmet und gingen in den Aufgabenbereich der Kommune über.
Seitdem wird Penzlin aber irgendwie auch links liegen gelassen. Denn wer nicht direkt einen Anlaufpunkt in der Stadt hat, fährt nun an ihr vorbei. „Ich denke nicht, dass es mit der neuen Bundesstraße Verlierer gab. Denn das Geschäftesterben in der Innenstadt begann schon lange zuvor“, kommt Sven Flechner auf Einwände von Einwohnern zu sprechen, die in der Umgehung nicht nur Positives sehen. Sehen lassen kann sich Penzlin aber inzwischen allemal. Konnten doch die ausgefahrenen Straßen, auf denen einst Tausende Autos rollten, umfassend saniert werden. Aber auch hergerichtete Wohnhäuser, öffentliche Plätze, neue Brunnen und natürlich die Alte Burg sind es wert, ab und an von der B 192 abzuzweigen. Punschendörp hat einiges zu bieten. Das wissen Urlauber längst, die Einheimischen auch?
Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

27.01.2016 
Quelle: Nordkurier 

Kontakt

Stadt Penzlin
Der Bürgermeister
Warener Chaussee 55a
17217 Penzlin

Telefon +49 3962 2551-0
Fax +49 3962 2551-52
f.colberg@penzlin.de