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16.12.2016

Der Bärtige fährt Bus – mit Kuss

Hiobsbotschaft vom Nordpol: Der Weihnachtsmann tritt in der heißen Phase vor dem Fest in den Ausstand. Fällt nun Heiligabend aus? Lesen Sie im nächsten Kapitel der fiktiven Müritzer Weihnachtsgeschichte, bei der Sie, liebe Leser, gern mitschreiben können, wie der prominente Besucher in Möllenhagen ein unerwartetes Wiedersehen erlebt und warum die Liebe Vorfahrt hat.

Möllenhagen. Die letzten Meter von Ankershagen ging der Weihnachtsmann zu Fuß. Weil er merkte, dass sein Sternenstaub langsam zur Neige ging und er nicht alles verpulvern wollte. „Dat is‘ ja man echt schade, dat hier kein Bus fährt”, entwich es ihm, als langsam das Ortsschild Möllenhagen in Sicht kam. Dort erkannte der Bärtige links eine große Tankstelle. „Ob man hier auch Kakao tanken kann?“, überlegte er und wollte gerade abbiegen, als er auf der Straße an der Kreuzung einen Bus vorbeifahren sah. „Wunderbar, muss ich also doch nicht so weit laufen”, freute sich der Weihnachtsmann und setzte zum Endspurt Richtung Haltestelle an.
Leider kam er zu spät, der Bus Richtung Neubrandenburg war weg. Der Weihnachtsmann studierte den Fahrplan — und siehe da, der nächste Bus fuhr nach Waren. „Das passt ja perfekt“, sagte der Rauschebart und machte es sich an der Haltestelle gemütlich. Dabei fielen ihm innen und außen die außergewöhnlichen Bemalungen an dem kleinen Gebäude auf. Von Kunst verstand er für gewöhnlich nicht viel und als er minutenlang auf die Muster und Linien an der Fassade starrte, wurde ihm plötzlich ganz schwindelig im Kopf. So wie damals, als seine Rentiere Hugo und Hans das falsche Heu gefressen hatten, Blähungen bekamen und anschließend dauernd Schlitten-Loopings mit ihm veranstalteten.
Der Weihnachtsmann setzte sich hin und schloss für einen Augenblick die Augen. Als er sie wieder öffnete, war ein altes Pärchen zum Wartehäuschen gekommen. Die Frau ging gebeugt und stützte sich auf einen Rollator. Der Mann gab ihr zusätzlich Halt mit seinem zittrigen Arm. „Warten Sie auch auf den Bus, junger Mann?“, fragte der Alte. „Ja“, antwortete der Weihnachtsmann und schmunzelte, als er an das Datum auf seiner Geburtsurkunde dachte. „Der muss gleich kommen, ist meist pünktlich“, entgegnete der Mann und sah sich um.
Als der Weihnachtsmann den Bus erblickte, zuckte er zusammen. Da stand „Hexenmuseum“ auf den Fenstern und „Burg Penzlin“. Dazu das Bild der Frau, die ihn neulich wegen seines Hexenmals behandelt hatte. Konnte er da wirklich gefahrlos einsteigen? Sein Knie jedenfalls gab keine Regung von sich.
„Nun komm schon, Liebes, ewig wird der Busfahrer nicht auf uns warten.“ Die Worte rissen den Nordpol-Flüchtling aus seinen Gedanken. Er sah, wie das Pärchen langsam in den Bus einstieg. Der Mann hatte ganz alleine den Rollator hinein gewuchtet und half nun seiner Frau. Fast trug er sie über die Schwelle, so liebevoll und aufmerksam, dass der Weihnachtsmann den Blick nicht abwenden konnte und völlig vergaß, seine Hilfe anzubieten. Als beide nebeneinander auf ihren Plätzen saßen, huschte er schnell hinterher und setzte sich in die Reihe daneben.
Der Bus, nur mit vereinzelten Passagieren gefüllt, fuhr los, überquerte die Möllenhagener Kreuzung und machte sich auf den Weg Richtung Waren. Der Weihnachtsmann sah aus dem Fenster auf endlose Felder und Weiden im trüben und kühlen Dezember-Grau. Wie viel wärmer wurde ihm ums Herz, wenn er das alte Paar neben sich beobachtete. Wie fest sie sich an den Händen hielten, als könne nichts auf der Welt sie trennen. Wie sie sich abwechselnd auf die faltigen Wangen küssten. Wie gerne hätte er jetzt ebenso hier mit seiner Weihnachtsfrau gesessen und ihr all die Dinge gesagt, die er längst hätte sagen sollen. Aber die Zeit zurückdrehen, dieses Geschenk konnte selbst er nicht machen.
Ohne dass er es gemerkt hatte, war der Bus in Waren angekommen. Diesmal half der Weihnachtsmann dem Pärchen beim Ausstieg. „Herzlichen Dank“, sagte der Mann, „kommen wir doch noch rechtzeitig zum Arzt.“ Der Bärtige sah ihnen nach und winkte. Dann drehte er sich und stand vor einem Hotel. Wie passend, es war Zeit für ein Nickerchen.
Fortsetzung folgt...

16.12.2016 
Quelle: Nordkurier 

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