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09.02.2017

Der Nächste bitte! Visite vom Landesvater

Eine Mischung aus Wartezimmer und Behörde. Raum fürs Volk. Und das ließ sich nicht lange bitten, als Ministerpräsident Erwin Sellering am Mittwoch in Penzlin Sprechstunde hielt. Im Anzug freilich und nicht im weißen Kittel. Doch auf eine Finanz- (Spritze) hatte manch einer auch gehofft.

Penzlin. Vorm Damenklo wird männliche Eitelkeit gemeinhin ausgebremst. Nicht so bei Erwin Sellering. Wat mutt, dat mutt! So ein Ministerpräsident ist eben auch nur ein Mensch. Und die Toilette in der Penzliner Verwaltung nicht immer gleich um die Ecke. Schließlich war schon vor der Bürgersprechstunde – die 70., die der SPD-Mann aus Schwerin bislang dem Volke angeboten hatte – schon reichlich Kaffee geflossen. In trauter Runde mit Politikern, Vereinen, Ehrenamtlichen.
Doch dann kam seine große Stunde: Wilfried Bölke war überpünktlich. Unterm Arm sein neues Buch, ein gewichtiges noch dazu in vielerlei Hinsicht und sein Präsent für Sellering. „Dein Name ist unsterblich für alle Zeiten“ – nein, damit war ausnahmsweise nicht der Beschenkte gemeint. Bölke, der erste Chef des Heinrich-Schliemann-Museums Ankershagen, ist ein integrer Mann, leidenschaftlicher Schliemannforscher – ein Wissenschaftler. Er ist der Mann, der dafür aus Sellerings Händen fast auf den Tag vor fünf Jahren das Bundesverdienstkreuz bekommen hatte. Auch für sein neues Buch, das sich dem Briefwechsel des Archäologen mit seiner mecklenburgischen Familie widmet.
Die Sorge um die Gedenk- und Forschungsstätte in Ankershagen trieb Bölke in die Bürgersprechstunde. Das Haus braucht Geld, wenn nicht alles umsonst gewesen sein soll. „Wenn wir keinen wissenschaftlichen Nachfolger bekommen und bezahlen können, dann verlieren wir den Forschungsstatus und werden für Schliemann-Forscher auf der ganzen Welt uninteressant“, ist er auch als Mitglied der Schliemanngesellschaft besorgt und bat um eine Finanzspritze.
Sellering nahm das Buch, lächelte in die Kameras ... und die Tür schloss sich.
Zwiegesprächen in der Bürgersprechstunde zu lauschen ist der Presse nicht gestattet. Das könnte Nähe und Vertrauen zum Landesvater stören. Und so manche Sorge sei auch ganz persönlich. Wieder andere wollten den Mann „von da oben“ einfach nur mal sehen, von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen, heißt es aus der Staatskanzlei. Und was für Bölke das Buch, ist für einen anderen ein Blumenstrauß, eine selbst gemachte Marmelade, Konfekt als Mitbringsel. Ohne das schwere Buch, aber erleichtert in seiner „Hoffnung auf Hilfe aus dem Kultusministerium“ präsentierte sich der Publizist Bölke nach dem Politiker-Treffen: „Er hat natürlich nicht gleich Geld auf den Tisch gelegt, aber will helfen, dass wir gemeinsam eine Lösung finden.“
Auf die setzen für ihre Anliegen auch die anderen 14 Leute, die sich für die Redezeit mit dem Ministerpräsidenten angemeldet hatten. Der letzte stand für 19 Uhr auf der Liste. Damit gelte das Seenplatten-Volk als recht aktiv. Lokale Themen wie Windkraft beschäftigt die Leute dabei unter anderem, aber auch Arbeit, Bildung, Gesundheit und Pflege.
Und ähnlich wie im Wartezimmer beim Doktor muss man sich anmelden, wenn man zu ihm will. Gleicher offizieller Grund: die Wartezeit verkürzen. Klappt – wie im richtigen Leben – auch beim Ministerpräsidenten nicht immer. 15 Minuten pro Bürger. Doch leichtes Überziehen sei erlaubt. Klar, dass dann die Wahl der Toilette nicht immer geschlechtsspezifisch ausfallen kann...
Der Nächste bitte!

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c.goels@nordkurier.de

09.02.2017 
Quelle: Nordkurier 

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