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16.08.2016

Der letzte Akt des Burggrafen

Banner schmücken die Stadteinfahrten von Penzlin. Bunte Wimpelketten schlängeln sich von Laterne zu Laterne. Vom 19. bis 21. August wird hier das 25. Burgfest gefeiert. Neben Gauklern und Rittern kündigt sich auch ein humorvoller Machtwechsel an.

Penzlin. Auch Adelige kommen in die Jahre. Und so erhielt Burggraf Gerhard schon vor vier Jahren von seinen Untertanen einen Holzrollator geschenkt, mit dem er das neue Pflaster auf dem Hof des denkmalgeschützten Gebäudes ausprobieren konnte.
Weitere Jahre zogen ins Land und nun denkt der Penzliner über seine Abdankung nach. „Ich habe es bereits im vorigen Jahr beim Burgfest angekündigt und werde nun auch ernst damit machen“, sagt der 65-Jährige, der seit Jahren das Drehbuch für das Spiel an der Rittertafel schreibt und sich auch in die Regie einbringt. Aber keine Angst, zum 25. Burgfest – vom 19. bis 21. August – gibt es auf jeden Fall Theater. Den Hut dabei hat der Förderverein Alte Burg auf.
„Das Fieber steigt. Gerade ist die Geschichte fertig geworden und alle Mitspieler bekamen per Mail ihre Dialoge zugeschickt. Nun können sie sich auf den Auftritt vorbereiten“, sagt Gerhard Kresin. Das Spiel an der Rittertafel – jeweils am Sonnabend und Sonntag um 13 Uhr auf dem Burghof zu sehen – hat sich zu einem Höhepunkt während des Penzliner Sommerspektakels entwickelt. Große Weltpolitik fließt in das Alltagsgeschehen von Penzlin ein.
Jedes Jahr wird eine neue Geschichte gestrickt, die einfach nur die Lachmuskeln der Zuschauer strapazieren soll. Dabei ist inzwischen die Kabbelei von Burggraf Gerhard und Kastellan Michael ausgestanden. Wollte Letzterer sich doch allmählich die Ritterburg zu eigen machen. Denn der Herrscher war ja selten da, befand sich ständig auf Reisen.
Dieser Part werde, so Gerhard Kresin, auf jeden Fall im neuen Stück eine Rolle spielen. „Im Film werden Darsteller rausgeschrieben, oft droht ihnen der Tod. Der Penzliner Burggraf könnte sich ja auf seiner Reise eine Insel für den Lebensabend ausgesucht haben....“, deutet der Stückeschreiber an und erinnert an die Burg in Griechenland, die Graf Gerhard bei einem seiner Kreuzzüge hatte bauen lassen.
Ein fester Stamm aus zehn Mitspielern hat sich gebildet, die nur zum Burgfest zusammenkommen. Außer Bernd Blumhagen und Gunar Mühle von der Niederdeutschen Bühne Neubrandenburg sind es ausnahmslos Laienschauspieler. Sie seien aber mit den Auftritten gewachsen. „Während manch einer sich umfangreiche Text merken kann, hat ein Anderer schon mit einem Satz so seine Schwierigkeiten. Und fehlt das Stichwort, kommt das ganze Geschehen ins Stocken“, weiß Gerhard Kresin von bisherigen Aufführungen.
Mit den Headsets zog bereits im vorigen Jahr neue Technik ein, die vor allem den Zuhörern zugute kommt. Denn nun müssen sie nicht „lauter!“ fordern. Nachteil ist aber, dass dann jedes Wort der Schauspieler öffentlich wird. Und Musik wird diesmal eingespielt, um einen besonders hohen Gast anzukündigen. „Dieser kommt anfangs nicht in freundlicher Absicht zu den Penzlinern. Hatte sich doch jemand auf der Burg erdreistet, ein Schmähgedicht zu schreiben....“ Doch mehr werde nicht verraten.
„Ganz banal waren mal die Anfänge für das Spiel an der Rittertafel. Der Burgadel saß zu Tisch und aß beispielsweise Sauerkraut mit den Fingern zum Stück Fleisch. Wie das eben so war im Mittelalter. Und dabei wurde dann ein Trinkspruch ausgebracht“, kommt Gerhard Kresin auf die Anfänge des Theaterspielens zu sprechen. Besonders lustige Themen waren der Staatsstreich der Thüringer auf der Penzliner Burg, das Austragen einer Olympiade und die Suche nach dem Superstar von der Burg mit einem Casting. „Einen wirklich sehr emotionalen Moment erlebten wir im vorigen Jahr mit unseren Flüchtlingen, die sich mit Hilfe ihres Deutschlehrers Horst Rieck in das Stück einbrachten. Es gab stehende Ovationen“, so der Penzliner.
Viel Zeit zum Üben bleibt für alle nicht. Es gibt auch nur eine Generalprobe an Ort und Stelle. Dabei ist es wichtig, dass jeder seine Rolle einmal spielt. Aber auch logistische Fragen und Requisiten spielen eine Rolle.
„Interessant wäre zu wissen, wer alle 25 Burgfeste in Penzlin miterlebt hat“, formuliert Gerhard Kresin so etwas wie einen Aufruf. Sollte es so einen Mitbürger geben, könnte dieser beim Burgadel ruhig vorsprechen.
Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

16.08.2016 
Quelle: Nordkurier 

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