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22.07.2016

Dichter Voß bald unterm Dach mit seinem Rektor

Regionalhistoriker Siegfried Heuer forschte Jahrzehnte im Leben von Johann Heinrich Voß und hinterließ der Stadt nach seinem Tod ein umfangreiches Archiv. Dem großen Sohn der Stadt mehr Beachtung zukommen zu lassen, war sein Wunsch. Erledigt. Eine Straße trägt den Namen des Dichters, es gibt eine Büste und nun auch bald ein ganzes Haus.

Penzlin. Sie ist zwar eine der kleinsten Straßen in Nähe der Marienkirche, erinnert aber an einen großen Sohn der Stadt. Denn der Name Johann Heinrich Voß (1751-1826) findet sich mehrfach wieder, prägt auch den Schulkomplex in der Hirtenstraße. Wenngleich in Sommerstorf geboren, so verlebte Voß Kindheitsjahre in Penzlin. Hier war sein Vater als Dammzollpächter und Gastwirt tätig. Voß besuchte die Stadtschule und galt als wissbegieriger, fleißiger Schüler von Rektor Carl Andreas Struck. Von 1766 bis 1769 besuchte er die Lateinschule in Neubrandenburg. Da die verarmten Eltern ein Studium nicht finanzieren konnten, arbeitete er als Hauslehrer bei der Familie von Oertzen in Ankershagen. Damit erklärt sich auch das Voß-Zimmer, das im Gutshaus Friedrichsfelde an den einstigen Lehrer erinnert.
Dieser studierte später in Göttingen Theologie und Philologie, war von 1778 bis 1782 Rektor der Lateinschule in Otterndorf, der Partnerstadt von Penzlin. Hier brachte er die erste Fassung seiner Übersetzung der „Odyssee“ heraus. Die Jahre in Eutin ab 1782 sollten die produktivsten werden. Voß überarbeitete seine Homer-Übersetzung, durch die er in die Literaturgeschichte einging. In Eutin dichtete er die Idylle „Luise“. Noch heute gilt der Penzliner als einer der konsequentesten Vertreter der bürgerlichen Aufklärung. Nach seiner Pensionierung ging er 1802 nach Jena, wurde Privatgelehrter und pflegte Kontakte zu Goethe und Schiller. 1805 zog es den Gelehrten zur Universität Heidelberg, hier brachte er eine neunbändige Übersetzung von Shakespeare heraus. Voß starb im Alter von 75 Jahren in Heidelberg.
Mit dem Voß-Haus am Markt in Penzlin bekommt der Heimatdichter nun endlich Hüsung in der Kleinstadt. Die Grundsteinlegung für das Literaturhaus findet am 27. Juli um 11 Uhr statt. Mit einer Dauerausstellung soll im ehemaligen Rektorhaus an Leben und Schaffen dieser Persönlichkeit gedacht werden. Die Voß-Büste von Bildhauer Walther Preik, die 1982 auf dem Platz des Friedens aufgestellt wurde, hat in den 90er Jahren einen neuen Standort auf dem Kirchenvorplatz bekommen. So schaut Voß auf seine frühere Schule. Wie von Bibliothekarin Susan Lambrecht zu erfahren war, gab Bürgermeister Otto Piper der Nebenstraße den Namen des Dichters. Piper war von 1879 bis 1889 Stadtoberhaupt in Penzlin. Das Emaille-Straßenschild mit der altdeutschen Schrift könnte durchaus noch aus dieser Zeit stammen.
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m.jacobs@nordkurier.de

22.07.2016 
Quelle: Nordkurier 

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