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24.08.2015

Die Gedanken sind frei in Freidorf: Slawensiedlung oder Pazifikinsel?

Kuriose Orte - die Müritzregion hat einige zu bieten. Die Namen bringen Touristen zum Schmunzeln. Manch einer wittert aber auch eine besondere Geschichte hinter so einem Ort. Mitunter können die Einwohner diese dann erzählen.

Freidorf. Eigentlich ist der kleine Ort an der Straße zwischen Wendorf und Bocksee gar nicht mehr so recht existent. Denn postalisch ist er nicht mehr erfasst. Wäre da nicht das gelbe Ortsschild, das Freidorf als Ortsteil der Gemeinde Möllenhagen ausweist. Die Gehöfte lassen sich an einer Hand abzählen. Ungefähr zehn Einwohner gibt es hier. Aber in den Sommermonaten sind es bedeutend mehr. Und die Besucher sorgen für viel Bewegung an diesem schönen Fleckchen Erde. Der Schulbauernhof von Thilo Paradies ist für Kinder so etwas wie der Himmel auf Erden. Denn hier gibt es Pferde, Schafe, Hühner, Katzen und die drei kuscheligen Hunderiesen Anka, Adam und Eva, die von Streicheleinheiten nicht genug bekommen können.
„Ich betreibe diesen Hof seit 1994 und habe zumeist zwischen Mai und September Schulkinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren zu Gast. Viele kommen aus dem Berliner Raum. Besonders die Städter sind total begeistert von den Angeboten, die ihnen das Leben auf dem Lande näher bringt.“ Gerade waren Mädchen und Jungen aus Hannover in Freidorf, für September hat sich eine weitere Gruppe angesagt. Da die Schulkinder aus Mecklenburg-Vorpommern nur noch wenige Tage für Klassenfahrten zugesprochen bekommen, können sie die Käseproduktion auf dem Bauernhof nicht mehr bis zum Ende miterleben. Denn der Reifeprozess braucht seine drei Tage.Freidorf bietet sich zudem als idealer Ausgangspunkt für Wanderungen in die Natur. Liegt mit Ankershagen doch ein Eingangsbereich zum Müritz-Nationalpark vor der Tür. Lohnenswert ist der Besuch des Heinrich-Schliemann-Museums, der Havelquelle oder der Badeseen.
Wird der Bauernhofinhaber nach dem Namen und damit der Geschichte Freidorfs befragt, greift er kurzerhand zur Dorfchronik von Ankershagen. Denn hier hat die Autorin Christa Kostolnik, die einst Direktorin der Schliemann-Schule Ankershagen war, auch wichtige Fakten zu Freidorf festgehalten. So gilt dieser Ort mit dem ursprünglichen Namen Vridorp als die älteste Slawen-Siedlung im Havelquellgebiet, die 1240 in historischen Dokumenten Erwähnung fand. Bei der Übersetzung des Namens aus dem Lateinischen könnten Fehler aufgetreten sein, so die Ortschronistin. So wurde Vridorp zu Uridorp. Die Bedeutung des Wortes Vri oder Uri könnte urig, seltsam oder alt sein. „Die deutsche Übersetzung Vridorp – Freidorf, die heute gebräuchlich ist, dürfte aus einem fonetischen Übersetzungsfehler entstanden sein“, erklärt Christa Kostolnik. Und da geistert sogar noch der Begriff Otaheite für einen Meierhof in den Jahren 1797 bis 1826 durch die Gegend. Dieser Meierhof wurde von Heinrich Victor Siegesmund von Oertzen in Freidorf angelegt. Otaheite war eine Insel im Pazifik, die später den Namen Tahiti erhielt. Es könnte sein, dass Heinrich von Oertzen dieses Inselparadies für sich südlich in Mecklenburg auferstehen lassen wollte.

Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

24.08.2015 
Quelle: Nordkurier 

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