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07.06.2016

Die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat

Man kennt ihn als Tierarzt, Naturfreund, Heimatforscher, als ehemaligen ehrenamtlichen Bürgermeister von Alt Rehse. Und als Schreiber. Wolfgang Köpp veröffentlichte jetzt sein 15. Buch, in dem er auch auf seine Kindheitsjahre zurückschaut.

Alt Rehse. Ein Bienenbuch sollte er schreiben. So lautete die Bitte eines Verlegers. „Das liest doch keiner mehr“, sagte Wolfgang Köpp, der über 30 Jahre als Tierarzt tätig war und leidenschaftlicher Imker ist. Käme er dabei auf die Wahrheit zu sprechen, gebe es wieder massive Kritik. „Seit mehren Jahren werden unmittelbar vor meiner Tür nur Mais und Raps angebaut. Kein Wunder, dass die Natur ihren Artenreichtum verliert“, gibt der 83-Jährige erbost zu verstehen. Folglich habe sich die Anzahl der Wildbienen und der Hummeln verringert, die Lerchen sind nicht mehr im Feld zu finden. Gut die Hälfte des Buches sei dennoch geschafft. Es zu Ende zu schreiben, dafür bleibe noch Zeit, so der Autor.
Ein viel wichtigeres Projekt hatte für ihn in den vergangenen Monaten Vorrang. Gerade erschienen ist sein Buch „HEIMAT bleibst Du immer“, in dem er sich erneut Fragen und Problemen rund um die Flucht und Vertreibung Deutscher aus den ehemaligen Ostgebieten widmet. Denn die erzwungene Auswanderung von 12 bis 14 Millionen Deutschen verursacht Betroffenen noch heute 70 Jahre nach Kriegsende Schmerzen.
Der Alt Rehser, der 1933 in Fürstenwalde geboren wurde, wuchs in Hinterpommern auf. Und zwar in Walcz, ehemals Deutsch Krone. Als Zwölfjähriger erlebte er neben der Großmutter auf dem Kutschbock im Januar 1945 die Vertreibung aus der damaligen Heimat.

Begebenheiten aus der Kindheit aufgeschrieben

Zehn Tage vor dem Einmarsch der Roten Armee hatte sich der Treck auf den Weg nach Deutschland gemacht. „Seit 1990 war ich wohl schon 20 Mal in meiner Heimat und das mehrmals im Jahr. Das Heimweh lässt mich einfach nicht los“, erzählt Wolfgang Köpp, der die Veränderungen im polnischen Walcz genau registriert, Widersprüche entdeckt und mit den dort lebenden Menschen ins Gespräch kommt. Dabei gibt er sich nicht nur als Beobachter, sondern möchte sich helfend einbringen. Auch mit dem Ziel, dass das Verhältnis der Deutschen zu den Polen wieder besser werde.
„Ich habe in dem Buch viele Begebenheiten meiner Besuche aufgeschrieben. Dazu gehören die von uns veranstalteten Weihnachtsfeiern am dritten Advent mit manchmal 40 Kindern und auch die Kleiderspenden“, berichtet der Buchautor. Noch immer schmunzelt er über die Geschichte mit dem Harmonium, das die Kirchgemeinde Penzlin den polnischen Nachbarn schenkte. Endlich konnte damit der Gottesdienst musikalisch begleitet werden.
Doch dann kam die Order, das gute Instrument an die Zentralkirche im polnischen Distrikt abzugeben. „Mit vereinten Kräften haben die Gläubigen das Harmonium die schmale Treppe zur Kirchenempore hochgetragen. Da steht es nun sicher, kann aber bei der Enge nicht gespielt werden“, gibt der Alt Rehser zu verstehen.
Dass ein fünf Meter großes Holzkreuz auf dem Friedhof seines ehemaligen Heimatortes aufgestellt wurde, auch daran hat er großen Anteil. Die Polen halfen, Grabsteine aufzustellen und den Friedhof einzuzäunen. Dieses Holzkreuz bildet die Illustration für den Buchdeckel der aktuellen Veröffentlichung. „Das Lesebuch, HEIMAT bleibst Du immer‘ kann in einer über Jahrzehnte gewachsenen Erinnerungslandschaft gewiss auch dazu einladen, das Gespräch über ein weiterhin so schwieriges Thema in Familien, Kirchen, Schulen und Medien beidseits der Oder zu suchen und zu finden. So könnte sich in einem neuen Rahmen eine grenzüberschreitende gesellschaftliche Verständigung über die Gewaltgeschichte Europas im 20. Jahrhundert entwickeln, um die Wiederholung von Kriegen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Massenflucht und Vertreibung wirksam zu verhindern“, ist in der Rezension des Historikers Jürgen Tremper aus Bremen über dieses Buch zu lesen.
„Es wird wohl mein letztes Buch gewesen sein…“, meint Wolfgang Köpp. Wer es glaubt? Schließlich motiviert ihn gerade immer das Echo auf seine Veröffentlichungen, nicht den Stift aus der Hand zu legen. Und das Bienenbuch muss ja wohl auch noch vollendet werden.
Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

07.06.2016 
Quelle: Nordkurier 

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