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01.10.2015

Diese Bude bleibt eine echte Marke

Der Buschfunk rings um Lehsten fragte bereits besorgt: Was ist denn wohl in der Büdnerei los? Beziehungsweise nicht mehr los? Doch beim Dorfbesuch stellte sich heraus: Kulinarisch alles wie immer im grünen Bereich. Und schließlich bekamen wir sogar die langjährige, verdiente Büdnerin an die Strippe und erfuhren, wie es weitergeht.

Lehsten. Wenn Jana Schäfer in der Büdnerei zu Tisch bittet, wird es grün. Sie hat jede Menge frische, wohlriechende Kräuter aus ihrem Garten mitgebracht. Einerseits als Tischdeko. Und natürlich zur Verfeinerung ihres Drei-Gänge-Menüs beim Kräuterzauber in der Bude. Seit neuneinhalb Jahren kocht die Frau vom „Luplower Kräutersalat“ in der murkeligen und gemütlichen Büdnerei Küche. „Etwa acht Mal in der Saison“, erzählt sie, während sie die letzten Zutaten und den selbstgemachten Kräuterlikör – „für danach“ – auspackt.
An diesem Abend putzen und schibbeln Wiederholungstäter. Sieben Frauen und zwei Männer. Für zwei Gruppen von Feinschmeckern – Kollegen und Freundes – aus Waren steht erst der gemeinsame Küchendienst und danach ein regionaler und saisonaler Hochgenuss auf dem Programm. Lammspieße. Mmmmhh. Zucchinispaghetti. Lecker. Fenchelsüppchen. Herz was willst du mehr?
Dabei alles gesund und nicht ausschließlich mit den Gartenkräutern von Jana Schäfers Beeten abgeschmeckt. Das Lamm etwa ist mit ägyptischem Curry mariniert. Hausmannskost kombiniert mit exotischen Raffinessen. Die Aroniabeeren wuchsen aber im Luplower Garten. Kennen die wenigsten – wenn dann eher aus dem Bioladen und nicht direkt vom Strauch auf den Tisch. Die Tüte wird herumgereicht und alle dürfen kosten. Wie nebenbei erzählt die Kräuterköchin über die positiven (Neben-)Wirkungen mancher Zutat, die weit über den Gaumenschmaus hinausgehen.
Ferdinand Schwarz, der gerade zarte Kräuter zu zupfen hat, sagt: „In so einem Haus wie diesem bin ich groß geworden.“ Der Warener erfreut sich am Lehmputz und den alten Möbeln. „Rustikal gefällt“, schwärmt er über den stimmungsvollen Kochabend mit seiner Frau und Freunden und die Location in Lehsten.
Die langjährige Hausherrin in der Bude, Brunhild Schmalisch erreicht man in diesen Tagen nur per Telefon im fast 300 Kilometer entfernten Hetlingen. Ihren Alterssitz in der Elbmarsch hinterm Altenfelddeich könne sie noch nicht recht genießen, sagt sie. Vor gut einem Jahr haben die Chef-Büdner, die vor 24 Jahren in Lehsten ein Haus-Erbe anzutreten hatten, dann aber mit Bravour das kulturelle Landleben aufmischten, sich in Richtung der erwachsenen Kinder, der Familie gen Westen zurückgezogen.
Das war der dortigen Lokalzeitung sogar einen Artikel wert. Auch, weil in dem holländischen Bauernhaus dort, genauer in der Tenne auch prompt eine Galerie eröffnet wurde. In Mecklenburg hatten Hans und Brunhilde Schmalisch viel Gelegenheit zu üben, wie man Kultur aufs Land bringt. Konzerte, Weihnachtsmärkte, Ausstellungen, Kunstkurse… Viele Eindrücke bekamen die Leute aus der Müritzregion geboten. „Büdnerei“ war schon so etwas, wie eine Kultur-Marke hierzulande, verbreitete den Ruf von Lehsten rings um die Müritz.
„Der Betrieb lief in diesem Sommer und geht reibungslos weiter“, versichert Büdnerin Schmalisch am Telefon. Sie habe hier noch nicht richtig loslassen können und habe noch nicht recht Fuß fassen können in der neuen, alten Heimat. Habe ihren Alterswohnsitz noch nicht recht genießen können. Oft fuhr sie am Wochenende an die Müritz, um nach dem Rechten zuschauen. „Man gewöhnt sich sogar an die Fahrerei“, bilanziert sie die vergangene Saison. Leider, so erzählt sie weiter, sei im vergangenen Mai einiges mit der geplanten Verpachtung schiefgegangen.
Um den regelmäßigen Konzertbetrieb in Lehsten habe sich zum Glück ihre älteste Tochter kümmern können. Wenigstens der Wellnessbereich konnte an den Physiotherapeuten Matthias Mosch verpachtet werden, der dort Sporttherapie, auch Sauna und Massagen anbietet.
Ein gut besuchtes Konzert gab es erst am vergangenen Wochenende. Das nächste mit Musikern der Komischen Oper Berlin steht zum „Tag der deutschen Einheit“ an. „Zwei schöne Ausstellungen vom Bund deutscher Kunstpädagogen und von Malerin Marion Mittelberg haben wir auch noch laufen“, zählt Brunhilde Schmalisch auf, was noch alles passiert, obwohl sie selbst nicht mehr ständig am Ort ist. „Am 4. Oktober gibt es auch einen Tanztee“, schiebt sie schnell noch hinterher.
Die Ausstrahlung in die Region hatte am Ende doch etwas gelitten. Viele Freunde der Büdnerei fragten sich in diesem Sommer, wie es wohl weitergehen wird. Ende Oktober, versichert die Besitzerin aus der Ferne, werde sich alles für eine Verpachtung ab Januar klären.
Fast wie bestellt klopfen unterdessen beim Kochkurs ein paar Frauen aus Sachsen an. Die haben den Schmuckgestaltungskurs mit Sabine Mohr übers Wochenende gebucht und würden gern ihre Zimmer beziehen. Auch wenn die Büdnerei an diesem Abend bis aufs Küchenfenster nur vom runden Mond erhellt wird, kann man sich also an diesem traditionsreichen Ort weiter kulturell vergnügen, künstlerisch inspirieren oder kulinarisch verwöhnen oder einfach alle Fünfe grade sein lassen.
Und die Schmalischs finden ihre in der Elbmarsch gesuchte Alters-Ruhe, die wahrscheinlich so viel anders nicht ist als in Mecklenburg-Vorpommern. Zur Eröffnung der 1. Ausstellung dort in Schleswig-Holstein vermeldeten die „Uetersener Nachrichten“ im November vor Jahresfrist auch 100 Gäste. Was es dort nicht mehr gibt: 58 Pensionsbetten, Küche und Büdnerei-Café. Darum sollen sich fortan gern andere kümmern.

01.10.2015 
Quelle: Nordkurier 

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