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Blick auf Penzlin vom Mühlenberg Spiegelung
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27.10.2015

Ein Plätschern aus fernen Tagen

eit fast 80 Jahren sprudelt Wasser aus einem besonderen Brunnen in Penzlin. Der sorgte einst dafür, dass die Punschendörper Milch auf den Tisch bekamen, geriet aber später in Vergessenheit. Bis jetzt. Ob ihm nun der Hahn zugedreht wird?

Penzlin. Sie plätschern so vor sich hin, der Spökenbrunnen in Penzlin ebenso wie der Hexenbrunnen. Sehr viel älter als diese beiden von Künstlern gefertigten Wasserspiele ist aber der artesische Brunnen in der Mühlenstraße. Jüngere Penzliner werden von diesem bestimmt noch nie gehört haben. Er ist auch nicht für jedermann sichtbar, befindet sich in einem kleinen Bau auf einem Privatgrundstück.
Als die Planungen zum Verlegen der neuen Abwasserleitung in der Mühlenstraße diskutiert wurden, kam auch die Sprache auf diesen Brunnen. Doch er wird beim aktuellen Bau des Müritz-Wasser-/Abwasserzweckverbandes keinerlei Berücksichtigung finden. Darauf verwies Gerhard Kresin, der mit seinem Ingenieurbüro die Bauleitung für die Mühlenstraße übernommen hat. „Der Brunnen gehörte einst zur Molkerei, die um 1936 die Milch der Bauern verarbeitete. Er vexrsorgte den Betrieb mit Brauchwasser, das reichlich für die Produktion benötigt wurde“, ist von dem alteingesessenen Penzliner zu erfahren.
Aber was ist denn nun ein artesischer Brunnen? Laut Fachliteratur wird er in einer Senke unterhalb des Grundwasserspiegels angelegt, in dem Wasser unter Überdruck steht. Die Hydraulik bewirkt, dass das Wasser sogar ohne Pumpe bis zur Erdoberfläche oder höher aufsteigt. Gerhard Kresin hat erfahren, dass die Bohrung für die Penzliner Anlage seinerzeit bis in 30 Meter Tiefe durch wasserundurchlässige Schichten getrieben wurde.
Konkret sind das in der Mühlenstraße Ton und Lehm, die den Tiefbauern gegenwärtig beim Verlegen der Leitungen zu schaffen machen. Der Brunnen habe heute keine Funktion mehr, wobei das eisenhaltige Wasser ständig an die Oberfläche sprudelt und über alte Leitungssysteme seinen Weg zurück ins Erdreich findet.
„Solche Anlagen sind eigentlich nichts Besonderes in Mecklenburg, machen aber wie bei uns ein Stück Stadtgeschichte aus. Denn die Molkerei gehörte sozusagen zum ersten Gewerbegebiet in Penzlin. Mit der Eisenbahn ab 1885 entwickelte sich im Bereich Stavenhagener und Mühlenstraße einiges an Betrieben“, erzählt der Baufachmann, der sich gut auskennt in der Geschichte seiner Heimatstadt. So gab es in diesem Areal einst auch einen kleinen Schlachthof, eine Ziegelei und eine Brauerei. Sogar Wasser- und Windmühle soll es gegeben haben. Ebenso wie in der Mühlenstraße seien in der Stadt noch öffentliche Pumpen auszumachen, von denen sich die Bürger früher mit Eimer bewaffnet ihr Wasser holten.
Welche Perspektive der artesische Brunnen von Penzlin hat, das liegt in der Hand der Grundstückseigentümer. Nach Mitteilung von Holger Graubmann von den Warener Stadtwerken habe das Unternehmen eigene Anlagen dieser Art wie zum Beispiel in Groß Gievitz geschlossen.

Kontakt zur Autorin
m.jkacobs@nordkurier.de

27.10.2015 
Quelle: Nordkurier 

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