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29.10.2016

Einer, der am Zeiger dreht

Es ist wieder so weit, Abschied von der Sommerzeit zu nehmen. Eine Stunde gibt es in der Nacht zum 30. Oktober zurück – um 3 Uhr wird der Zeiger auf 2 Uhr zurückgestellt. Das bringt einem Penzliner Uhrensammler aber keine Hektik. Im Gegenteil, er hält die Zeit für eine Stunde an.

Penzlin. Alles hat seine Zeit. So werden bei Norbert Neels in Penzlin die Uhren erst am Sonntagnachmittag auf Winter umgestellt. Manch ein Mitbürger erledigt das schon am Abend zuvor, damit er sich beim Aufwachen gleich in der richtigen Zeit befindet.
Offiziell geht es in der Nacht zum 30. Oktober zurück von der Sommer- zur Winterzeit. Um 3 Uhr werden die Zeiger eine Stunde zurückgeschoben auf 2 Uhr. „Neben Wecker, Küchen-, Sauna- und zwei, drei Armbanduhren muss ich mich auch um die Regulatoren kümmern”, sagt der 72-Jährige. Von diesen Uhren mit Gehäuse und Pendel hat er acht an der Wand hängen, es waren auch schon mal 13. Drei davon lässt er „laufen”, allerdings ohne Gong. Die Kuckucksuhr soll noch repariert werden.
„Um diese historischen Uhren stellen zu können, muss ich zunächst das Pendel anhalten. Normalzeit heißt dann für mich, eine Stunde zu warten. Erst dann stoße ich es leicht wieder an”, kommt der Penzliner auf seine inzwischen eingespielte Zeitumstellung zu sprechen. Schließlich passiert das zweimal im Jahr. Und die Uhr im Auto? „Die kommt meist zuletzt dran, mitunter erst Tage später beim Stehen an irgendeiner Kreuzung”, fügt der Senior hinzu.
Schon immer habe er alles Mögliche gesammelt: alte Möbel, Radios, Bücher, Barometer. Die Singer-Nähmaschine von 1895 surrt beim Schließen der Nähte noch immer flott vor sich hin. „Mechanische Uhren haben für mich einen besonderen Reiz. Schon zu DDR-Zeiten war ich hinter den historischen Exemplaren her und habe mich dazu im ehemaligen Bezirk Neubrandenburg umgesehen”, erzählt Norbert Neels. Das Interesse für die Technik kam mit dem Beruf als Fernmeldediplomingenieur. Später war er im Bauamt der Neubrandenburger Stadtverwaltung tätig.
Um sich nicht zu verzetteln, konzentrierte sich der Penzliner hauptsächlich auf Regulatoren. Für Standuhren hätte er nicht genügend Platz in der Wohnung gehabt, auch die Deckenhöhe wäre dafür nicht optimal gewesen. Und Taschenuhren waren früher kaum zu haben, meint er. Heute reiche ein Klick im Internet für so eine Anschaffung.
„Meine älteste Uhr stammt von 1860 und hat sogar ein Zifferblatt aus Marmor. Die anderen sind meist aus Emaille”, weiß der Kenner. Ein bekannter Uhrenmacher im 19. Jahrhundert sei Gustav Becker aus Schlesien gewesen. „Früher wurde nicht auf Verschleiß hin gebaut. Uhren waren etwas für das ganze Leben”, anerkennt er die früheren Fabrikate, die mit hochwertigen Materialien wie Messing ausgestattet waren. Heute gelte doch eher der Spruch „Was lange hält, bringt kein Geld!“
Oft schon hat Norbert Neels das Werk so einer Uhr auseinander genommen und wieder in Gang gebracht. Als Vorlage dienten ausgemusterte Uhren. Exaktes Arbeiten sei wichtig. Fehle eine Schraube, werde es nichts mit der Zeitanzeige. „Leider geht das Interesse für solche mechanischen Uhrwerke weiter zurück. Die Jugend ist von der Handymanie erfasst, legt keinen Wert mehr auf solche alten Zeiteisen“, bedauert er.
Zu Hochzeiten wie in diesem Jahr bei seinem Neffen werde so eine Pendeluhr aber durchaus gerne als Geschenk entgegen genommen. „Das Ticken ist so ein schönes beruhigendes Geräusch”, schwärmt der Sammler und hofft, dass es auch die Beschenkten überzeugt.
Rangewagt hat sich der Penzliner auch schon an die Kirchturmuhr von Sankt Marien. Ehrenamtlich wartete er das Uhrwerk und die Glocken. „Heute wird die Uhr per Funk gestellt. Das Signal kommt aus Köln. Auch die neuen Glocken, die zur vollen und zur Viertelstunde erklingen, werden elektronisch gesteuert. Darum schaue ich nur hin und wieder noch in den Tum”, berichtet er.
Die alte Kirchturmuhr ist jedoch noch als Ausstellungsstück im Gotteshaus der Stadt zu bewundern. Sie stammt aus dem Jahre 1864. „Die Uhr kostete seiner Zeit 380 Taler. Davon entfielen auf die Zifferblätter 120 Taler. Weitere 100 waren für das Gerüst notwendig“, hat sich Norbert Neels in historischen Dokumenten belesen. Die alte Zeitmaschine mit Aufzugsgewichten lief bis in die 70er Jahre und wurde per Hand aufgezogen. Nach technischer Überholung, Ergänzung von Zifferblättern und dem Anfertigen neuer Zeiger erhielt sie schließlich einen elektrischen Aufzug.
Auch über die Funkuhr in der Marienkirche von Penzlin gibt es Interessantes zu berichten. Tat sie doch nach der Wende als erste ihren Dienst innerhalb der neuen Bundesländer. Im Rahmen des Umtauschfonds wurden Mittel für Kommunen frei. So beantragte Penzlin Gelder für die Anschaffung einer neuen Kirchturmuhr – und bekam den Zuschlag.
„Ich kann mit der Sommerzeit gut leben und freue mich im Frühjahr schon immer auf die Umstellung. Denn ich habe ein großes Grundstück und sitze abends gern lange draußen. Das ist durch die Zeitverschiebung gut möglich”, erzählt der Penzliner, der sich aber auch ohne Murren am Sonntag wieder auf die Winterzeit einstellt. Denn die nächste Umstellung kommt bestimmt. Und zwar am 26. März 2017!

29.10.2016 
Quelle: Nordkurier 

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