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22.10.2015

Erinnerungen an die blutige Nacht verblassen

Es hat vier Jahre bis zum Prozess gegen sechs mutmaßliche Schläger gedauert. Warum? Der Fall war nicht dringlich genug, sagt das zuständige Gericht.

Krukow/Neubrandenburg. Der brutale Überfall auf die Geburtstagsfeier hinter dem Gutshaus ist wieder Gesprächsthema in Krukow. Am Landgericht Neubrandenburg hat am Dienstag der Prozess gegen die sechs mutmaßlichen Schläger begonnen. „Dadurch ist der Vorfall bei den Leuten wieder präsent“, sagt Bürgermeister Norbert Böttcher. Er meint den Abend im August 2011 als sechs Männer mit Baseballschläger und einem Regenschirm plötzlich auf dem Fest auftauchten und zwei Gäste blutig schlugen. Vier Jahre später hat nun die Justiz damit begonnen, den Fall aufzuarbeiten. Doch die Zweifel unter den Dorfbewohnern sind groß, ob das überhaupt gelingen kann. „Das ist doch grenzwertig. Wie will man nach so langer Zeit noch eine vernünftige Entscheidung treffen“, fragt sich der Bürgermeister.
Auch bei Bekannten und Verwandten von Betroffenen ist die Skepsis größer als die Erleichterung darüber, dass die Justiz nun endlich tätig wird. „Da bin ich mal gespannt, ob da überhaupt etwas bei raus kommt. Das hätte doch viel früher passieren müssen“, erzählt eine Frau aus dem Umfeld der Betroffenen. Sie habe gar nicht mehr mit einem Prozess gerechnet.
Doch warum brauchte die Justiz soviel Zeit, um ein Verfahren gegen die mutmaßlichen Schläger in Gang zu bringen. Immerhin hatte die Polizei die Tatverdächtigen unmittelbar nach dem Überfall bereits ermittelt. Aus Sicht des zuständigen Gerichtes war es schlichtweg eine Frage der Dringlichkeit und der Kapazitäten. „Vorrang haben immer die Verfahren mit Tatverdächtigen in Untersuchungshaft“, erklärt der Vizepräsident des Neubrandenburger Landgerichts, Carl Christian Deutsch. Diese sogenannten Haftsachen würden vorgezogen, weil Fristen eingehalten werden müssten. Im Fall Krukow waren die Tatverdächtigen auf freiem Fuß geblieben, es habe somit keine Dringlichkeit vorgelegen. Zu einer weiteren Verzögerung kam es, weil einer der mutmaßlichen Schläger ab 2014 in einem 16 Monate dauernden Drogenprozess mit drei weiteren Männern auf der Anklagebank saß. Das Landgericht konnte in dieser Zeit kein weiteres Verfahren in der Größenordnung stemmen. Welche Schwierigkeiten der lange Zeitraum zwischen Tat und Prozess mit sich bringt, wurde bereits am ersten Verhandlungstag deutlich. Die sieben geladenen Zeugen konnten sich kaum an etwas erinnern. Als „sehr problematisch“ bezeichnete auch Thomas Kronenberg vom Verein für Kriminalitätsopfer „Weißer Ring“ die Umstände im Krukow-Prozess. „Erinnerungen, gerade Details, verblassen sehr schnell. Manchmal schon nach Tagen“, sagt der Leiter der Außenstelle für die Müritz. Für Betroffene sei ein zeitnaher Prozess aber auch wichtig, um mit dem Geschehen endlich abschließen zu können.

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u.roll@nordkurier.de

22.10.2015 
Quelle: Nordkurier 

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