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07.06.2017

Erinnerungen an schöne und schwere Stunden

Post aus Winsen lässt Kurt Köhn in Penzlin nachdenklich werden. Kindheitserinnerungen flackern auf. An einen seiner Jugendfreunde, den er nicht mehr wiedersehen wird. 1945 war der von den Russen verhaftet und verurteilt worden. Später hatten sie beim Wiedersehen stets ein Lied auf den Lippen.

Penzlin. Für Kurt Köhn heißt es, Abschied zu nehmen. Und zwar von seinem alten Penzliner Schulfreund Rudi Leitmann, der im Alter von 87 Jahren in Winsen gestorben war. Zwar schon im Februar, doch ein Freund ließ dem Penzliner nun einen Zeitungsausschnitt über Rudi Leitmann zukommen.
Denn der war ein bekanntes Gesicht in der niedersächsischen Stadt im Landkreis Harburg, in der er als Lehrer tätig war und in der Kommunalpolitik mitwirkte. Große Verdienste erwarb Rudi Leitmann sich auch als Gründer und Leiter des Winsener Musikzuges und des Majorettenkorps.
„Rudi war ein halbes Jahr älter als ich. Als Kinder haben wir gemeinsam viel unternommen in der Stadt. Gehörten der Jungengruppe an, die am Schmorter See und am Räuberberg in Nähe des Zieskensees unterwegs war”, erinnert sich Kurt Köhn. Später verloren sich die gemeinsamen Wege, was auch mit dem Geschehen des zweiten Weltkrieges zu tun hatte.
Rudi Leitmann gehörte zu den neun Jugendlichen, die im Dezember 1945 von der russischen Geheimpolizei verhaftet wurden. Die Jungen im Alter von 16 bis 18 Jahren wurden beschuldigt, zu den Werwölfen zu gehören und Terrorakte gegen sowjetische Truppen zu planen. Die Verhafteten wurden nach Waren überführt und erlebten im Gebäude des ehemaligen Landratsamts am Kietz grausame Folter, Geständnisse wurden erpresst.
1946 wurden die Penzliner durch das sowjetische Militärtribunal in Güstrow verurteilt. Zwei von ihnen wurden erschossen, die anderen erhielten hohe Haftstrafen in Internierungslagern wie Sachsenhausen und Untermaßfeld. Später ging es in DDR-Gefängnisse. Für Rudi Leitmann lautete das Urteil: dreimal 25 Jahre Arbeitslager. 1954 wurde er jedoch aus Bautzen entlassen, setzte sich dann in den Westen ab. An der Pädagogischen Hochschule Lüneburg studierte der gebürtige Penzliner dann fürs Lehramt.
„Ein Wiedersehen in Penzlin gab es dann nach der Wende. Zu unseren Sängertreffen stellte sich Rudi Leitmann mit seinem Musikzug gleich mehrmals ein. Das waren für ihn und seine Truppe als auch für uns Penzliner besondere Momente”, erinnert sich der ehemalige Lehrer Kurt Köhn, der auch über 50 Jahre Chorleiter in Penzlin war. Zu Gegenbesuchen reisten die musikbegeisterten Penzliner aber auch nach Winsen an der Luhe. „Wir haben miteinander telefoniert, so dass der Kontakt weiter bestehen blieb”, fügt Kurt Köhn hinzu, der übrigens am 9. Juni seinen 87. Geburtstag feiert.
Auf dem Friedhof in Penzlin erinnert seit 2003 ein Gedenkstein an die Penzliner „Werwolf-Tragödie”. Von den neun Jugendlichen, die Opfer stalinistischer und kommunistischer Willkür wurden, überlebten fünf nicht. An der Enthüllung des Denkmals nahm auch Rudi Leitmann teil. Initiiert wurde der Gedenkstein vom Neubrandenburger Horst Vau, der auf der Suche nach seinem Bruder Karl-Heinz auf die Schicksale der Penzliner Jungen gestoßen war.
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m.jacobs@nordkurier.de

07.06.2017 
Quelle: Nordkurier 

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