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Blick auf Penzlin vom Mühlenberg Spiegelung
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20.07.2017

Etat lässt selbst kleine Extrawünsche nicht zu

Ein Gräberfeld mit Holzkreuz erinnert auf dem Friedhof in Penzlin an 183 Menschen, die 1945 in den letzten Kriegstagen ihr Leben verloren. Ein ehemaliger Penzliner möchte mit einer Gedenktafel an diese Toten erinnern. Doch die Stadt sieht dafür kein Geld übrig.

Penzlin. Wer es nicht weiß, der wird das große Holzkreuz aus Eisenbahnschwellen auf dem Friedhof in Penzlin nicht auf Anhieb finden. Die daneben gesetzte Konifere hat die bewusst schlicht gehaltene Konstruktion inzwischen fast ganz und gar mit ihren Zweigen eingedeckt. An diesem Standort eine Erinnerungstafel mit Sockel aufzustellen, ist der Wunsch vieler Penzliner. Wird hier doch der Menschen gedacht, die kurz vor Kriegsende vom 28. April bis 8. Mai 1945 in der Stadt zu Tode kamen.
183 Menschen waren es, die sich das Leben im Großen Stadtsee nahmen oder Opfer von Bränden wurden. Nachzulesen ist das in den Berichten, Erinnerungen und Dokumenten, die Peter Latzel und Wolfgang Fuhrmann vor zwei Jahren in der Broschüre „Das Kriegsende in Penzlin 1945” festhielten. Neben dem Einarbeiten von Zeitzeugenberichten recherchierten die beiden Autoren auch in Archiven von Schwerin und Rostock. Wichtige Hinweise fanden sie in den Sterbebüchern des Standesamtes der Stadt. So waren die Begräbnislisten aus dieser Zeit Grundlage für das Aufarbeiten eines traurigen Kapitels der Penzliner Geschichte.
Penzlin war übrigens die erste Stadt in der Müritzregion, die die Schrecken des Einmarsches der Roten Armee erleben sollte. Sie wurde am 1. Mai vorsätzlich von Rotarmisten niedergebrannt, die Bevölkerung unter Androhung von Strafen am Löschen gehindert.
Vom gebürtigen Penzliner Peter Latzel, der heute in Zella-Mehlis in Thüringen zu Hause ist, geht die Initiative aus, das Holzkreuz auf dem Gräberfeld endlich mit einer Gedenktafel zu versehen. „72 Jahre nach dem Krieg entlassen uns nicht aus der Verantwortung, alle progressiven Kräfte zu bündeln, um an diese Zeit zu erinnern”, wandte er sich an die Stadtverwaltung. Schließlich gebe es schon wieder Kräfte im Land, die diese geschichtliche Wahrheit leugnen und bereit seien, Hetze zu verbreiten.
Die Gedenktafel solle jetzige und künftige Generationen dazu anregen, sich nicht wieder von Hass und Vorbehalten gegenüber anderen Völkern verblenden zu lassen. Als Schriftzug für die Tafel schlägt Peter Latzel vor: „Zum bleibenden Gedenken an die Opfer von Krieg, Vertreibung und Gewalt in den letzten Kriegstagen 1945 in Penzlin, von Hunger und Entbehrung. Unsere Aufgabe ist es, zu erinnern und nicht zu vergessen”.
Ein erster Kostenvoranschlag für das Fertigen und Aufstellen der Steintafel beziffert an die 800 Euro. Wie im Kulturausschuss zu erfahren war, soll diese Summe wohl zwischen Kirche und Stadt aufgeteilt werden. Während Pastor Hartmuth Reincke dafür bereits die Zustimmung des Kirchengemeinderates eingeholt hat, sind in der Stadt noch Überlegungen notwendig. Denn hier steht die Frage: Wer soll das bezahlen? Sei das Geld doch noch keineswegs im laufenden Haushalt eingeplant, so Bürgermeister Sven Flechner. Darum kam im Ausschuss die Anregung, eventuell den Förderverein Alte Burg um eine Spende für diese Gedenktafel zu bitten.
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m.jacobs@nordkurier.de

20.07.2017 
Quelle: Nordkurier 

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