Hilfsnavigation

Blick auf Penzlin vom Mühlenberg Spiegelung
Logo natürlich Mecklenburgische Seenplatte
14.06.2016

Für die Touristen sollen Bäume fallen

Noch recht jungfräulich zeigt sich der Tourismus an manchen Stellen am Tollensesee. Dazu gehört auch Wustrow, ein Ortsteil von Penzlin. Die Stadt möchte den dortigen Hafen attraktiver gestalten und ihn für Gäste öffnen. Einige Anlieger und Bewohner fürchten aber, dass damit die schöne Natur verloren geht. Die Pläne sind umstritten.

Wustrow. Mit Wustrow hat die Stadt Penzlin ein Kleinod vor der Tür. Schon zu DDR-Zeiten wurde das Dorf am Tollensesee von Auswärtigen gern zum Ausspannen am Wochenende genutzt. Nicht wenige der insgesamt 160 Bungalows stammen aus dieser Zeit, wurden privat oder als Ferienanlage von Firmen genutzt. Im Dorf selbst gibt es nur 53 Bewohner. Neben der Badestelle ist es vor allem der kleine Hafen, den Angler und Wasserfreunde nutzen. Er wurde mal in einem künstlichen Kanal angelegt. Dieses Areal neu zu ordnen und zum Teil auszubauen, ist schon seit Jahren Anliegen der Stadt Penzlin. So wurde laut Bürgermeister Sven Flechner bereits 2008 beschlossen, mit einem Bebauungsplan Baurecht für die Zukunft zu schaffen. „Das hing auch mit der Fusion von Alt Rehse und Wustrow zusammen. Beide Orte konnten noch in das Integrierte Stadtentwicklungskonzept aufgenommen werden“, berichtet er. Nimmt der Wohnstandort mit Infrastruktur und Schule den ersten Platz auf der Prioritätenliste der Stadt ein, so folgt dann der Tourismus. Gerade in den Ortsteilen am Tollensesee gebe es da Chancen für die Kommune.

Die wichtigeren Projekte zuerst

Auf die 2011 ausgelegten Bebauungspläne für den Hafen einschließlich umweltbezogener Stellungnahmen gab es von Anliegern und Trägern öffentlicher Belange allerdings viele Einsprüche. Schließlich befindet sich der Hafen in Wustrow inmitten sensibler Natur. Er grenzt an ein Biotop sowie an das Naturschutzgebiet Nonnenhof. In Absprache mit dem damaligen Landkreis Müritz ergab sich damals schon die Notwendigkeit einer FFH-Verträglichkeitsprüfung, die mit hohen Kosten verbunden gewesen wäre.
„In Anbetracht finanzieller Herausforderungen wie dem Umbau der Grundschule haben wir die Pläne für den Wustrower Hafen ruhen lassen. Die großen Bauprojekte sind nun aber gemeistert, so dass wir uns auch wieder den Vorhaben im Tourismus widmen können“, sagte Sven Flechner auf der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses. So wurde im April diesen Jahres das vorliegende Konzept aktualisiert. Dabei wurde der Geltungsbereich des Entwurfes verändert. Denn durch den Verkauf einer angrenzenden Fläche, die für den Bau eines Hafenmeisterhauses vorgesehen war, musste die Stadt reagieren. „Wir konnten unser Vorkaufsrecht nicht durchsetzen. Eine Privatperson möchte auf dieser Fläche ein Eigenheim errichten“, erklärte der Bürgermeister.

Ordnung ja, aber nicht auf Kosten der Natur

In diesem Hafenmeisterhaus sollten ein Büro sowie Dusche und WC untergebracht werden. Schließlich möchte man dem Hafen, der von der Interessengemeinschaft Bungalowsiedlung bewirtschaftet wird, mehr Öffentlichkeit zukommen lassen. So könnten auch Besucher mit ihren Booten anlegen, die Slipanlage nutzen und in der angedachten gastlichen Stätte Einkehr halten. Dafür wären Stellplätze im Hafenbereich nötig. Um größeren Booten Zugang zu verschaffen, müsste die Hafeneinfahrt laut Planung von sechs auf zwölf Meter verbreitert werden. Auch eine Mole wäre denkbar sowie ein Anleger für das Linienschiff „Rethra“.
Um die Zufahrt zu verbreitern, sieht der Plan allerdings das Roden von rund 200 Quadratmeter Wald vor. Dagegen wehrt sich nicht nur der Ortsvorsteher Bernd Schwipper strikt. „Nutzer und Einwohner befürworten, dass im Hafen und rings herum Ordnung geschaffen wird. Aber dabei ist dem Naturschutz Rechnung zu tragen“, gibt er zu verstehen.
Dass die Birkenallee in Nähe der Bootsschuppen erhalten bleibt, sei begrüßenswert. Nicht einzusehen sei aber, dass Bäume weichen sollen wegen einer größeren Einfahrt für die Schiffe. Generell befürchtet der Ortsvorsteher, dass Auswärtige dann an den Wochenenden im Hafen von Wustrow feiern und mit ihrem Müll die Landschaft verschandeln. Die Bäume am Ufersaum sorgen zudem für ein besonderes Miniklima am Hafen.
An Architekt Lutz Braun gewandt wünscht er sich, mehr in die Planungen einbezogen zu werden. Das hoffen wahrscheinlich auch die Mannen von der Segelkameradschaft Neubrandenburg, die immer noch auf den zugesagten Bau eines Vereinsgebäude im Wustrower Hafen setzen.
Nägel mit Köpfen können für das Hafen-Projekt noch lange nicht gemacht werden. So die Aussage in der Stadtverwaltung. „Es wird auf jeden Fall eine Millionen-Aufgabe für Penzlin werden, die ohne Fördermittel gar nicht gemeistert werden kann. Ich denke, dass dieses Vorhaben erst nach 2020 auf die Tagesordnung kommt“, schätzt der Bürgermeister ein. Das Gestaltungskonzept werde bis dahin weiter geschrieben.
Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

14.06.2016 
Quelle: Nordkurier 

Kontakt

Stadt Penzlin
Der Bürgermeister
Warener Chaussee 55a
17217 Penzlin

Telefon +49 3962 2551-0
Fax +49 3962 2551-52
f.colberg@penzlin.de