Hilfsnavigation

Blick auf Penzlin vom Mühlenberg Spiegelung
Logo natürlich Mecklenburgische Seenplatte
19.07.2016

Falsche Quellen – das historische Rätsel der Havel

Soviel steht fest: Dem Wasser ist‘s egal. Es sucht sich schon seinen Weg und fließ nicht bergauf. Aber ob und wann eine in Ankershagen aufgegebene Flaschenpost am Ende in Nord- oder Ostsee landet, ist ein rein theoretisches wenn auch kein überflüssiges Problem.

Ankershagen. Eine Havelquelle war und ist schwer zu finden. Das Quellgebiet des ganz in der Nähe von Ankershagen startenden Flusslaufes ist großflächig. Das Wässerchen hier gleicht in nichts der Schifffahrtsstraße bei Fürstenberg, Potsdam, Berlin und schließlich der Mündung bei Havelberg in die Elbe. Aber der Mensch neigt dazu, sich an einen festen Punkt zu halten. Schon der griechische Mathematiker Archimedes behaupte, mit einem festen Punkt im All, die Welt aus ihren Angel heben zu können. Theoretisch wenigstens.
Und doch beginnen die 334 Fluss-Kilometern genau hier, geschätzte zweieinhalb Kilometer westlich von Ankershagen. Aber ist das Ganze ein Verwirrspiel für die „Touris“? Fast so wie das mystische Holzpferd, mit dem Trojas allzu neugierige Verteidiger böse reingelegt wurden. Eine Nachbildung des antiken Holzgauls steht seit 20 Jahren am Museum im Dorf.
Die ursprünglichen Havelquellseen waren der Born, Trinnen- und der Mühlensee, die seit der Eiszeit in südliche Richtung entwässerten. Ein Durchstich am Mühlensee, der vermutlich im 16. Jahrhundert vorgenommen wurde, hatte geografisch, gewaltige Folgen. Fortan floss das Wasser dieser Seen in Richtung Dorf nordöstlich ab, um eine Wassermühle zu betreiben. „Die Havel hat(te) keine eigentliche, sprudelnde Quelle, sondern einen historischen Quellsee, den Bornsee östlich der Müritz“, schreibt einer von mehreren Havel-Hobby-Forschern im Internet. Rainer Steinführ aus Berlin hat seine Erkenntnisse und seine Meinung über Havelquelle und – fluß unter der irgendwie trojanisch anmutenden Adresse www.welt-der-alten-radios.de ins Netz gestellt.
Diese trotzdem bei Suchmaschinen gut zu findende Adressierung hat den Grund, dass der Mann wahrlich vielseitige Interessen hat. Aber er wollte unbedingt auch im weltweiten Datennetz kundtun: „Die derzeitige künstliche Havelquelle östlich der Müritz bei Ankershagen in Mecklenburg-Vorpommern ist am ,falschen‘ Ort und die wirkliche historische Havel fließt über die Tollense in die Ostsee ab und nicht mehr an Berlin vorbei in die Elbe.“
Der selbst ernannte „Havelologe“ schafft es mit seiner Auffassung 1998 sogar in die Wochenzeitung „Die Zeit“. Unter der Überschrift „Havel ohne Havelwasser“ klärt der in Mecklenburg lebende Journalistenkollege Frank Pergande nicht nur über die Quellenforschung in Sachen Havel auf. Auch Troja-Ausgräber Schliemann sei schließlich kein Kind Ankershagens gewesen, erblickte vielmehr das Licht dieser Welt in Neubukow. Kinderleicht bei Wikipedia nachzulesen. Und kommt wie der Hobby-Flussforscher in der Causa Havel zu dem Schluss: Das „echte“ Havelwasser ergießt sich wohl in die Ostsee. Der „echte“ Fluss fließt hingegen via Elbe und Hamburg in die Nordsee. Aus dem, was nun als Havelquelle beschriftet sei, entspringe das „nördlichste Havelquellwasser“, wird im Nationalpark und von örtlichen Naturführern kolportiert. Verwirrung komplett?
Nichtsdestotrotz zieht es bei fast jedem Wetter während der Urlaubssaison Besucher an die vermeintliche, falsche oder richtige Havelquelle. Schließlich beginnt oder endet hier auch der 175 Kilometer lange Nationalpark-Wanderweg
Dieser Rundwanderweg erschließt alle Naturlandschaften des Müritz-Nationalparks. Er verbindet Waren, Neustrelitz und Wesenberg sowie zahlreiche Dörfer. Über Dreiviertel der Wegstrecke sind unbefestigt und verkehrsarm. Die Empfehlung für die Durchreisenden: „Wer lange Wanderungen und Ruhe liebt, wird unterwegs auf seine Kosten kommen.“ Und kann gern auf seinem Weg trefflich über den Ursprung der Havel meditieren.

19.07.2016 
Quelle: Nordkurier 

Kontakt

Stadt Penzlin
Der Bürgermeister
Warener Chaussee 55a
17217 Penzlin

Telefon +49 3962 2551-0
Fax +49 3962 2551-52
f.colberg@penzlin.de