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14.02.2017

Folter-Tod: Angeklagter misstraut seinem Anwalt

Dass der 51-Jährige zwei Tage nachdem die stark verweste Leiche der Sarah H. in seinem Haus gefunden worden war, ein Geständnis abgelegt hatte, das haben nun zwei Polizisten unabhängig voneinander vor Gericht erklärt. Gelöst ist der Fall aber längst nicht.

Neubrandenburg/Alt Rehse. Er betritt nur Sekunden vor Sitzungsbeginn den Gerichtssaal. Mit einer Akte versucht Axel-Ingo G. sein Gesicht vor den Blicken der Menschen, den Kameras zu schützen. Nimmt schweigend Platz. Die sprichwörtliche Stecknadel würde man auch im Publikum fallen hören.
Am zweiten Prozesstag gegen Axel-Ingo G. aus Alt Rehse sind Leute aus dem Dorf, aber auch viele Neubrandenburger ins dortige Landgericht gekommen, um den Menschen zu sehen, dem das Gericht eine so grausame Tat vorwirft. Er soll seine Lebensgefährtin Sarah H. in seinem Haus zu Tode gefoltert zu haben. Körperverletzung mit Todesfolge lautet daher die Anklage in diesem Fall, den Richter Klaus Kabisch beurteilen soll.
Doch der hatte erst einmal mit einem Antrag zu tun, den der Angeklagte wie einen Paukenschlag präsentierte. Er forderte, dass sein Pflichtverteidiger, Henning Köhler, abberufen werden sollte. Er habe kein Vertrauen mehr zu ihm. Er begründete dies mit „der Hetze, die über die Medien läuft.“ Die Öffentlichkeit war während der Anhörung des Antrages vom Prozess ausgeschlossen.
Henning Köhler war laut Richter Kabisch mit einem befreundeten Journalisten im Haus des in U-Haft sitzenden Angeklagten gewesen. Bildaufnahmen des Reporters seien öffentlich geworden, einige TV-Berichte hätten „chaotische Zustände gezeigt“. Obwohl auch der Verteidiger das Vertrauensverhältnis zu seinem Mandanten als „erschüttert“ wertete, weil er nichts von dem Antrag wusste, lehnte der Richter den Antrag ab. Der Angeklagte sei zwar eloquent und könnte sicher für sich selbst reden. Dennoch müssten Mandant und Verteidiger bis zum Urteil miteinander auskommen.
Das wird am 1. März erwartet. Am dritten Prozesstag sollen die Notärztin, die am Tag der Festnahme von Axel-Ingo G. in Alt Rehse war und zwei weitere Zeugen gehört werden. An jenem Tag im August habe der aufgebrachte Angeklagte von ihr Beruhigungsmittel bekommen. Er war noch am selben Tag in psychiatrische Einrichtung gekommen. Auch im Prozess wird der Angeklagte psychiatrisch begutachtet, verweigert aber ein Gespräch mit einer Forensikerin.
Geschwiegen hatte er bisher auch vor Gericht. Dabei hatte er nach Angaben der Polizisten bereits zwei Tage nachdem im August 2016 die stark verweste Leiche in seinem Haus gefunden worden war, ein Geständnis bei der Polizei abgelegt. Nach der Auftaktverhandlung im Januar war am Montag ein zweiter Zeuge gehört worden, ein Polizist. Dieser bestätigte, dass der 51-Jährige bereits kurz nach seiner Festnahme ein Geständnis abgelegt habe. Dies haben damit nun zwei Beamte unabhängig voneinander vor Gericht bestätigt.
Bei seiner Vernehmung hätte der Angeklagte erklärt, dass er Sarah H. seinerzeit gefesselt und etwa zwei Stunden lang mit einer selbst gebauten Peitsche samt Lederfransen traktiert und auf ihren ganzen Körper eingedroschen habe. Sie habe zugeben sollen, dass sie ihn für den BND ausspionieren würde. Auch als die nackt ans Bett gefesselte Frau um Trinken bat und darum, dass er sie losbinden solle, hätte er weiter gepeitscht, so der Zeuge.
An diesem Punkt leitete der Vertreter der Nebenkläger, Damian Hötger, eine Wende in seiner juristischen Wertung ein. Dem Opfer ohne Zäsur die Bitte um Trinken zu versagen, das sei Totschlag wegen Unterlassung. Er beantragte eine entsprechende Verurteilung. Hötger vertritt den pflegebedürftigen Vater des Opfers.
Sarah H. war erst einige Wochen vor ihrem Tod aus Rheinland-Pfalz nach Alt Rehse gezogen. Sie stand unter gesetzlicher Betreuung. Nach wie vor ungeklärt ist, warum ein Betreuer die junge Frau offenbar wochenlang nicht vermisste, obgleich man sich selbst in Alt Rehse gefragt hatte, warum man Sarah H. so lange nicht gesehen hatte. Bis ihr schreckliches Schicksal das ganze Dorf lähmte.

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c.goels@nordkurier.de

14.02.2017 
Quelle: Nordkurier 

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