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05.11.2016

Frau Kaselitz, wie war es, als Herr Sellering fragte?

Der Ernennung zur Integrationsbeauftragten beim Sozialministerium des Landes steht für Dagmar Kaselitz noch bevor. Kein Grund für die Penzlinerin, Däumchen zu drehen. Sie war schon immer eine Macherin, fühlt sich als ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete weiterhin für die Menschen im Wahlkreis 22 verantwortlich. Monika Jacobs sprach mit der 57-Jährigen über die künftige Arbeit in Schwerin, die der Penzlinerin schon so manche Schlagzeile brachte.

Die Minister des neuen Kabinetts in Schwerin sind benannt, die Fraktionen haben ihre Arbeit aufgenommen. Wann treten Sie die Stelle der Integrationsbeauftragten des Landes an, die im Sozialministerium angesiedelt ist?
Im Moment laufen dafür noch die Vorbereitungen, muss diese Stelle doch auch haushaltsrechtlich abgesichert werden. So wird sich der neu zusammengesetzte Finanzausschuss demnächst damit befassen. Ich richte mich darauf ein, dass es bis zu meiner Berufung noch eine Weile dauern wird.

Befinden Sie sich damit in der Warteschleife?

Nicht unbedingt. Denn ich bin nicht der Mensch, der herumsitzen kann. Für das Übergangsgeld, das ich als ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete erhalte, möchte ich auch etwas tun. Und da sind noch einige Aufgaben, die ich innerhalb des Wahlkreises 22 entgegen genommen haben. Darum kümmere ich mich jetzt. So versuche ich, noch zwei Reisen zum Schweriner Landtag im Rahmen politischer Bildung zu organisieren und nehme an Weiterbildungsveranstaltungen teil.

Schmerzt es immer noch, dass Sie am 4. September den Wiedereinzug ins Parlament knapp verpasst haben und im Ringen um das Direktmandat CDU-Innenminister Lorenz Caffier unterlagen?
Ich bin die Wahl ganz entspannt angegangen und habe auch nicht unbedingt auf Sieg gesetzt. Mir war es wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, sie beispielsweise über den Wahlmodus aufzuklären. So sprachen mich im Nachhinein viele Leute an, warum ich nicht wieder im Landtag bin, obwohl die SPD doch gewonnen hätte? Das zeigt doch, dass es in politischen Fragen großen Aufklärungsbedarf gibt. Zuwendungsbescheide hatte ich als Abgeordnete während der Wahlkampfphase nicht zu vergeben. Doch ich konnte es zum Beispiel möglich machen, dass Fördergelder für den Bau der Kita in Schönbeck bei Woldegk genehmigt wurden. Als einzige Frau in der Kandidatenrunde im Wahlkreis 22 habe ich mich wacker geschlagen, wofür ich Anerkennung bekam.

Welche Alternativen hätten sich beruflich für Sie aufgetan nach der Verabschiedung aus dem Schweriner Parlament?
Laut Abgeordnetengesetz hätte ich wieder als Mitarbeiterin in der Stadtverwaltung Penzlin arbeiten können, wo ich bis 2014 im Bereich Schulen und Kultur tätig war. Mit dem Fahrrad dann wieder zur Arbeit zu fahren, das war ein schöner Gedanke. Angefreundet habe ich mich aber auch mit der Idee, in der Woche auswärts zu arbeiten, wie viele Leute das tun. Damit wären wir auch in der Familie klar gekommen. Unser Nachwuchs geht längst eigene Wege und auch das Pflegekind ist inzwischen ausgezogen.

Doch es kam anders...
Zum Ende der Koalitionsgespräche in Schwerin unterbreitete mir Erwin Sellering das Angebot, Integrationsbeauftragte des Landes zu werden. Darüber habe ich mich sehr gefreut, musste nicht lange überlegen. Als bisherige Sprecherin in der SPD-Fraktion für die Themen Integration/Migration und Entwicklungspolitik habe ich mir auf dieser Strecke viel Wissen angeeignet. Es wäre schade gewesen, es nicht weiter nutzen zu können.

Viele praktische Erfahrungen haben Sie dazu in Ihrer Heimatstadt Penzlin sammeln können, stellten ihr Wahlbüro für die Arbeit mit den Flüchtlingen zur Verfügung.
Als die ersten 18 Asylbewerber aus Ghana und Mauretanien im Mai 2015 in der Kleinstadt aufgenommen wurden, musste ein Netzwerk zur Integration der neuen Nachbarn geknüpft werden. Auch wenn die Unterbringung in Verantwortung des Landkreises lag, wollten wir unseren Beitrag leisten. Dabei stand die Information ganz oben an. Viele Bewohner brachten sich ein, der erste Deutschunterricht wurde mit Hilfe eines Sponsors angeschoben und es gründete sich sogar ein Verein. Zu den Afrikanern sind Syrer dazu gekommen. Einige sind gegangen, haben es vielleicht auch bereut, der Kleinstadt den Rücken gekehrt zu haben. Momentan geht es um die Hilfe für einen Syrer, der seine Familie aus der Nähe von Aleppo nach Penzlin nachholen möchte.
  
Welche Hürden sehen Sie, die gegenwärtig die Integration in unserem Land behindern?
Ein Unding ist für mich, dass Bürgermeister nicht über die aktuelle Zahl ihrer Flüchtlingsfamilien Bescheid wissen. Sind die Kommunen doch Partner des Landkreises bei der Unterbringung von Flüchtlingen. Es fehlt einfach der Informationsrücklauf. In Städten wie Greifswald, Schwerin und Rostock ist man in puncto Einbeziehung von Flüchtlingen schon viel weiter. Auf dem Lande sieht das anders aus. Und ich ärgere mich über die Schwerfälligkeit mancher Behörde.

Auch wenn Sie noch nicht offiziell zur Integrationsbeauftragten ernannt sind, gibt es sicher klare Vorstellungen von der künftigen Arbeit.
Ich möchte Brückenbauerin sein, bin Ansprechpartnerin für die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer, die sich um Integration bemühen. Zudem nehme ich die Belange der Migranten wahr. Das heißt für mich, vor allem operativ unterwegs zu sein. Mein Organisationstalent kommt mir dabei sehr zugute. So werde ich sicher auch weiter vor Ort sein beim Flüchtlingstreff in Penzlin, aber auch in Trollenhagen und bei anderen Gruppen. Was ich an der Basis erfahre und bewege, geht in wichtige Analysen ein.
  
Dann bleiben Sie den Penzlinern wohl doch erhalten?
Auf jeden Fall. Nach wie vor bin ich als Gleichstellungsbeauftragte des Penzliner Amtes tätig, leite den Kulturverein und schaue auch noch immer bei den Proben des Frauenchores vorbei. Mitglied bin ich nach wie vor im Kreistag Mecklenburgische Seenplatte sowie im Penzliner Stadtparlament.

Die Arbeit als Integrationsbeauftragte beim Sozialministerium ist an die Legislatur gebunden. Treten Sie zur nächsten Landtagswahl 2021 noch mal für die SPD an?
Wenn ich für den Wahlkreis 22 aufgestellt werde, dann auf jeden Fall!

05.11.2016 
Quelle: Nordkurier 

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