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11.11.2015

Gebt den Waldkindern das Kommando!

Im ersten Waldkindergarten der Seenplatte soll der Nachwuchs nach einem besonderen Konzept in der Natur aufwachsen, spielen und die Welt entdecken. Selbst in der unwirtlichen Jahreszeit verbringen die Lütten fünf bis sechs Stunden täglich unter freiem Himmel. Doch die Erzieher kennen das Rezept für warme Hände.

Passentin. Damien – der größte untern den sieben Wald-Kita-Zwergen – würde viel lieber auf den Berg steigen, als den Rundweg ums Slawendorf abzulaufen. Außerdem muss etwas gegen seine kalten Finger getan werden. Es ist kurz nach acht Uhr morgens. Nebel deckt alles zu. Das mächtige Tor zum Slawendorf und ab jetzt auch zum Wald- und Naturkindergarten in Passentin wird aufgeschlossen. Seit Anfang November gilt die Betriebserlaubnis, die der Neubrandenburger Verein „wild wurzeln“ für sein ambitioniertes Projekt einer naturnahen Freiluft-Kita erhalten konnte. Inzwischen sind die Kinder mit einer Runde „Laurentia“ und Handschuhen auf Betriebstemperatur gebracht.
Josephine Rätsch, die Mutter der fünfjährigen Rabea mit einem dickem weißen Schal um den Kopf, ist sehr froh, dass es in ihrem Dorf endlich diese ungewöhnliche Kita gibt. „Alles andere war zu umständlich. Wir haben auf dieses Angebot gewartet,“ sagt die Passentinerin. Natürlich wäre ein Start im Frühjahr oder im Sommer noch viel schöner gewesen als im nebligen Herbst, sind sich Erlebnispädagogen und Eltern einig. Doch irgendwann wäre die kalte Jahreszeit so oder so angebrochen, in der die Schützlinge von Sandra Ottmann, Luise Mittelstädt und Michael Fink trotzdem überwiegend im Freien spielen und lernen. Das vierköpfige Team des Waldkindergartens Slawendorf wird an mehreren Wochentagen durch Andreas Apelles verstärkt. Der erfahrene 68-jährige Pädagoge hat bereits in Berlin eine Wald-Kita mitbegründet und steht dem jungen „wild wurzel“-Team als Leiter mit ganz viel Erfahrung zur Seite.
„Schön, dass es jetzt endlich los geht“, freuen sich die Passentiner Nachbarn. Bei ersten Spaziergängen wurde im Ort sofort zur Kenntnis genommen, dass endlich wieder Alltags-Leben in die Slawenhäuser hinter dem mächtigen Palisaden-Tor in der Dorfmitte eingezogen ist. Täglich rücken nun ab 7.30 Uhr Eltern mit sieben Kindern aus den umliegenden Dörfern und aus Neubrandenburg an. Bis 13.30 Uhr wird dann über Felder und in den Wald gestromert, im Fischerhaus oder in der Strohhütte gespielt und ungefilterte Natur erfahren. Bis zu 20 Kinder könnten in der vom Verein für ganzheitliche Naturbildung getragenen ersten Wald-Kita in der Seenplatte unterkommen, erklärt Michael Fink.
In den Tag starten die sieben Kinder und ihre Betreuer mit einem Morgenkreis unterm bunten Blätterdach. Es wird geräuchert wie bei den Urahnen, ein zünftiges Indianerlied angestimmt oder auch „Hänschen klein“ gesungen. Und auch gefragt, worauf die Kinder am heutigen Kita-Tag Lust haben. Anschließend gibt‘s ein frisch zubereitetes Frühstück im Aufenthaltsraum. Und wer immer noch fröstelt, kann sich gern auch aufwärmen.
Danach geht es zurück in die Natur. Da steht ein Wohnwagen bereit, der als Außenposten der Wald-Kita noch auf eine Wiese am Dorfrand gebracht werden soll, erklärt Michael Fink. Er ist Absolvent des Studienganges „Early Education – Bildung und Erziehung im Kindesalter“ an der Hochschule Neubrandenburg und hat an dem Kita-Konzept mitgeschrieben. Ihn wundert es, dass Mecklenburg-Vorpommern mit Passentin erst über vier Waldkindergärten verfügt. „Wir haben doch überall hier die Qualitäten dafür“, ist er sicher. In Berlin hätten sich hingegen schon 15 Einrichtungen mit vergleichbarem pädagogischen Konzept etabliert.
Beke Küsener und Sandra Rohleder sind von dem Start der Wald-Kita begeistert und beeindruckt. Die jungen Frauen studieren noch in Neubrandenburg und sind zu Gast in Passentin, da sie eine Seminararbeit über die „Wildnis-Pädagogik“ erarbeiten wollen. Beke Küsener hat sich ab März 2016 für ein Praktikumssemester im Slawendorf gemeldet. Die Studentin konnte bereits praktische Erfahrungen in einem anderen Waldkindergarten sammeln. Und weiß daher: „Eine gute Thermohose ist in dieser Jahreszeit als ,Arbeitskleidung‘ ganz wichtig.“

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red-waren@nordkurier.de

11.11.2015 
Quelle: Nordkurier 

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