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15.06.2013

Geld soll Stadtvertreter glücklich machen

Die Windkraft als rettender Strohhalm für die Stadtkasse. Investoren und Profiteure wollen die Penzliner für das Mammutprojekt gewinnen.
Von Carsten Schönebeck

Penzlin. Der Ton wird rauer in Penzlin, wenn es um den angedachten Bau von Windrädern geht. Norbert Schumacher, Sprecher der Bürgerinitiative gegen das Projekt, fährt schwere verbale Geschütze auf. „Die Penzliner gehören vor den Methoden und Ansinnen des Bürgermeisters und einiger Vertreter des Stadtparlamentes geschützt“, formuliert er. Gleichzeitig versuchen Befürworter der Bauten ihre Argumente finanziell zu untermauern. Denn offiziell haben sich bisher nur die Profiteure des Vorhabens dazu bekannt: Die Investoren und die Eigentümer der Flächen.
In einem Schreiben an die Stadtvertreter unterbreiten sie den Vorschlag, dass auch die Stadt kräftig am Windrad drehen könnte, um den eigenen Haushalt aufzubessern. Zwei der sechs möglichen Anlagen, könne die Stadt betreiben, heißt es. Inoffiziell ist die Rede von bis zu 300 000 Euro Gewinn pro Jahr. Offiziell jedoch gibt es noch keine konkreten Zahlen.
Ob die tatsächlich so hoch ausfallen, daran hegt auch Bernd Kohn (WPL) noch Zweifel. Dem Stadtvertreter gehört ein Teil der betroffenen Fläche. Auch er erwägt, als Betreiber zu fungieren, „Es ist Quatsch, das Vorhaben abzulehnen, bevor wir die Zahlen kennen“, sagt er. Wer das tue, müsse erklären, wie die Stadt ihren Haushalt ausgleichen soll. Im laufenden Jahr fehlen rund 500 000 Euro. „Trotz Fördergeldern werden Projekte abgeblasen, weil uns der Eigenanteil fehlt“, so Kohn. Er fürchtet nicht nur um Einnahmen aus dem Betrieb der Anlagen. „Es geht für die Stadt auch um Spendengelder der beteiligten Unternehmen.“ In dem Brief ist die Rede von einer Bürgerstiftung, die man aufbauen wolle. Die soll in Zukunft kulturelle Projekte in der Stadt mitfinanzieren.
Kohn hatte sich in der vergangenen Sitzung der Stadtvertreter eines Kniffs bedient, um trotz seiner finanziellen Befangenheit das Wort zu ergreifen. Denn zum eigentlichen Tagesordnungspunkt durfte er sich nicht äußern. Dafür hielt er in der Aussprache zum Haushalt ein Plädoyer für die neuen Anlagen. Der Unmut der Windkraft-Gegner war ihm sicher. Norbert Schumacher wirft der Stadtvertretung vor, mit zweierlei Maß zu messen. Während man Kohn gewähren ließ, wurde seiner Kollegin Elke Haker (ebenfalls WPL) das Wort entzogen. Sie wollte eine Liste mit Unterschriften gegen das Projekt übergeben. „Was interessiert die Meinung der Bürger?“, kommentiert Schumacher ironisch.

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15.06.2013 
Quelle: Nordkurier 

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