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10.06.2015

Gemeinsam allein und stolz darauf

Die benachbarte Penzliner Verwaltung kehrt gern einmal heraus, dass ihre mecklenburgische Kleinstadt sich mit der Flächengröße der Weltmetropole Paris messen kann. Doch da gibt es auch noch eine kleine „gallische Dorfgemeinschaft“ im Norden, die ihre Eigenständigkeit standhaft zu verteidigen weiß.

Lapitz. Es fehlt eigentlich nur noch, dass beim Dorffest Asterix und Obelix auftauchen. Denn Lapitz kommt dem Besucher fast vor, wie das kleine gallische Dorf in besagter Geschichte. Seine Bewohner sind jedenfalls eine eng verschworene Gemeinschaft. Nur zu gut ist vorstellbar, dass bei ihren Festen auch geheimer Zaubertrank ausgeschenkt würde. Schwein am Spieß sollte für Gastronomin Anke und Koch Olaf Julitz das geringste Problem sein.
Jedenfalls haben sie mit ihrem Ortsvorsteher Frank Sobek – zugleich stellvertretender Bürgermeister ihrer Gemeinde Kuckssee und Ortswehrführer – der Aufnahme in die Großgemeinde Penzlin bislang getrotzt. Sie blieben mit 500 Kucksseenern – dazu zählen außer ihnen die Bewohner von Krukow und Puchow – eigenständig. Und haben es bis heute offenbar noch nicht bereut.
Die Penzliner wiederum hatten in ihrem Umzug zur dortigen 750-Jahr-Feier ein Bild gezeigt, auf dem Lapitz samt der anderen „Abtrünnigen“ an der Punschendörper Angel hing. Soviel Spaß muss erlaubt sein, wenn es um Gemeindefusionen und Gebietsreformen geht.
Bei der eigenen 600-Jahr-Feier im vergangenen Sommer platzte Lapitz jedenfalls vor Besuchern aus allen Nähten. Die Landwege rings ums Dorf seien komplett zugeparkt gewesen, erinnern sich Anke Julitz, Frank Sobek sowie Annemarie Schröder, die Vorsitzende vom Kultur-, Sport und Angelverein sehr gut. Und wieder steht ein Dorffest an. Ein paar Nummern kleiner wird der 601.Ortsgeburtstag am 1. August aber wohl ausfallen. „So was wie vergangenen Sommer können wir uns dann doch nur aller 20 Jahre leisten“, räumt die Köchin vom Dorfkrug im Gutshaus ein.
Doch bereits am 18. Juli wird das Kuckssee-Treffen ausgerichtet. In diesem Jahr bewirten die Lapitzer ihre Nachbarn. Dann soll auch der neue Bolzplatz am Dorfrand bespielbar sein. Zwei neue Festzelte wurden extra geordert. „Da haben wir uns was Gutes angeschafft“, lobt Annemarie Schröder. „Durch unsere etwas kleinere Fusion hat sich für die drei Dörfer nichts verschlechtert“, ist sich Frank Sobek sicher.
Sogar einen Gemeindearbeiter leisten sie sich mit Rüdiger Kirschen, der gerade die von Reinhard und Reingard Kempfe gespendeten Bäume an der neuen Freizeitsport-Stätte für Fußball, Volleyball und Fitness einpflanzt. Rüdiger Kirschen stöhnt zwar über die pupstrockene und knüppelharte Erde in diesem Frühsommer. Aber verrichtet seine Arbeit für die Dorfgemeinschaft mit großer Freude. Holt einfach mehr Wasser aus dem Dorfteich am „Teichgarten“ in der Ortsmitte.
Auch ihre Straßennamen sind so eine kleine, aber ungefährliche Eigenwilligkeit der Lapitzer. Ein früherer Bürgermeister – Manfred Schüttendiebel – fand es viel lustiger und vernünftiger, auf den ersten Blick exotische Wegenamen zu vergeben – wie Weg nach Afrika oder Unter den Linden – statt die 5. fantasielose „Dorfstraße“ im Adressbuch zu verzeichnen und moderne Navigationsgeräte unnötig zu verunsichern. Obwohl. Wenn die Römer oder Penzliner anrücken, wäre das eine List im Sinne von Asterix und seinen Freunden…
Die Sportgeräte jedenfalls – Tore und Netze – hat als edler Spender Jost Reinhold beigesteuert. Der Mäzen unterstützt ja bekanntlich gern großzügig Gemeinschaftsprojekte in den Dörfern in der Region, die für ihn Heimat ist. Sicher eine indirekte Nebenwirkung der guten Gemeinschaft und der „weichen“ Infrastruktur in Lapitz: „Unser eigener Nachwuchs will immer öfter zurück“, berichtet Sobek. Die seien gern hier groß geworden, wegen Ausbildung und Arbeit aber in die Ferne geschweift und doch offensichtlich vom Heimweh an den Salzsee geplagt.
Apropos Salzsee: Der Steg ist hinüber und das Baden für die Jüngsten im Dorf nicht mehr ganz so ungefährlich wie gewohnt. Doch auch für diese Baustelle konnte die Dorfgemeinschaft mobilisiert werden. Es wurde Geld gesammelt. Und auch fanden sich schnell zwei Handwerker, die Material und Arbeitskraft beisteuern und den Badesteg reparieren. „Bis zum 20. Juni soll da was passieren“, weiß Frank Sobek.
Dass die Festivitäten mit der Musik stehen und fallen, wissen sie in Lapitz natürlich auch. Und auch dafür haben sie eine kostengünstige Lösung parat. Auf dem Dorffest steht DJ und Livemusiker Oliver Borowy am Plattenteller und auf der Bühne. Der Neubrandenburger Musiker und Alleinunterhalter hat seine Oma hier in Lapitz wohnen und kommt wohl nicht nur darum immer wieder gerne ins Dorf, um frisch aufzuspielen, damit am Gutshaus ein Tänzchen gewagt werden kann. Schließlich ist er sogar Mitglied im Kultur-, Sport und Angelverein bei Annemarie Schröder.
Falls jemand nun Lust auf Lapitz bekommen hat: Wohnraum ist wirklich etwas knapp in diesem „gallischen“ Dorf. Selbst wenn es gelingt, 2016 die vier Wohnungen im Gutshaus endlich zu modernisieren. Frei wird dadurch nichts, muss Frank Sobek enttäuschen. So gern er Nachwuchs für Feuerwehr oder Dorfverein ins Dorf holen würde und gern die eingeschworene Gemeinschaft für neue Leute öffnet.
Diese vier Wohnungen seien seit Jahr und Tag vermietet. Gut gemischt an Ältere und Familien mit Kleinkindern. Aber wenn sie es durchkriegen, den Stall und ein paar marode landwirtschaftliche Bauten endlich abzureißen, könnte neues Bauland entstehen. Die Einwohnerzahl von gegenwärtig 180 muss ja nicht das Ende der Fahnenstange sein. Außerdem verschwindet so der wahrscheinlich letzte Schandfleck im Dorf.

10.06.2015 
Quelle: Nordkurier 

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