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25.05.2016

Gerettet: Altes Heim, Glück allein

Bürgermeister Thomas Will beweist sich in Rumpshagen auch als Baumeister. Unter dem Motto „Ich habe mehr Zeit als Geld“ nahm er die Sanierung von Omas Haus in seine Hand und opferte dafür zwei Jahre seiner Freizeit. Denn einen bestimmten Fehler wollte er nicht noch einmal machen.

Rumpshagen. Stolz öffnet Thomas Will die rote Eingangstür zum Ziegelhaus. Jetzt können Leute auch schon mal hineinschauen, denn das Gros der Arbeiten ist erledigt. Dafür waren immerhin gut zwei Jahre nötig. „Als ich mit der Sanierung begann, rechnete ich mit einem dreiviertel Jahr. So lange hatte es mit dem Neubau nebenan gedauert. Da war ich aber richtig blauäugig“, gesteht der 42-Jährige.
Der gebürtiger Warener lebte viele Jahre in Malchow. 1999 verschlug es ihn dann mit Frau und zwei Kindern nach Rumpshagen. Denn hier wohnte die Oma, bei der er oft Ferientage verlebt hatte. Die zweite Hälfte des Doppelhauses, ursprünglich eine Landarbeiterkate, war frei geworden. „Ich war jung und wollte schnell ein modernes Zuhause habe. Dass ich für einen Neubau die alte Haushälfte abgerissen habe, darüber ärgere ich mich heute noch“, sagt Will.
Noch einige Jahre lebte die junge Familie mit Oma Annemarie Utnehmer Wand an Wand. Nach ihrem Tod wollte die Schwester das Anwesen übernehmen, doch daraus wurde nichts. „Und so begann ich im April 2014, das alte Haus umzukrempeln. Es zu erhalten, das war mein großes Ziel“, sagt der Rumpshagener, der ehrenamtlicher Bürgermeister in der Gemeinde Ankershagen ist. In Matthias Beckmann aus Wendorf fand er einen Baufachmann, der wichtige Tipps für die Sanierung gab. Eine Bohrung in einem der alten Fachwerkbalken brachte zutage, dass dieses Holz 1825 geschlagen und danach für den Bau verwendet wurde. Um diese Zeit herum müsste die Landarbeiterkate errichtet worden sein.
„Als wir das Dach abdeckten, zeigten sich erste Überraschungen. Weitere sollten folgen. So war das Gebälk an vielen Stellen verrottet und musste ausgetauscht werden. In den Wänden fehlte es an Isolierungen, was auch den zum Teil muffigen Geruch im Haus erklärte“, kommt Thomas Will auf die Bauphase zu sprechen, die er meist allein bewältigte. Als Selbstständiger konnte er sich die Zeit einteilen, die oft auf die Wochenenden fiel. Die Familie zeigte Verständnis.
Altes Fachwerk wurde wieder eingezogen und die Wände innen mit Lehm geputzt. Beton musste Stück für Stück abgeschlagen werden und so wurden die Ziegel an der Außenfassade wieder sichtbar. Und statt des Steinfußbodens sorgen Holzdielen für angenehmes Wohnen. Was an alten Baustoffen nicht wieder verwendet werden konnte, gab es in speziellen Baumärkten oder im Internet. Die alten Dielen finden sich im Haus heute als Türrahmen wieder. Längst sind Küche und Wohnraum eingerichtet.
Nur im Sanitärbereich muss noch Hand angelegt werden. Auch die Hofgestaltung steht noch an. Dafür liegen aufgelesene Steine von Acker bereit. „Für den Ausbau der oberen Etage lasse ich mir noch Zeit“, hat Thomas Will für sich entschieden. Wer das Haus mit seiner knappen Deckenhöhe von 2,20 Meter, den Lehmwänden und den alten Holzbalken einmal einweihen wird, das ist noch nicht raus. Vielleicht die Eltern Hanna und Klaus Will aus Malchow oder Urlauber.
„Ich bin so froh, dieses Haus erhalten zu haben. Denn von diesen Originalbauten gibt es nicht mehr viele in Rumpshagen. Meine Oma hätte sich bestimmt sehr gefreut. Irgendwie finde ich hier den Charme des Historischen wieder, der mich bei meinen Besuchen stets fasziniert hat. Darum würde ich Bauwilligen immer empfehlen, es mit einem alten Haus zu versuchen“, ist der Bürgermeister überzeugt. Und es gibt Interessenten fürs Landleben. So fragten erst neulich Radler bei ihm an, ob es im Dorf ein Haus zu verkaufen gebe.
Tochter Ellen hat für die Fassade der einstigen Kate eine Hausnummer in Keramik entworfen. Und dann gibt es da noch den Feierabendstein rechts neben der Haustür. Ein Ziegel mit einem Hundepfotenabdruck, der etwas Mystisches hat. Er könnte dem neuen Hausherren vielleicht Glück bringen. Dieser müsste mal wieder mehr Zeit für sich selber haben. Denn nicht alle im Dorf wissen, dass Thomas Will mit seinem Kinderbuch „Dreifinger“ vor vier Jahren einem frechen Kobold alle Ehre machte. Ideen gäbe es schon, so der Autor. Aber es fehle einfach die Zeit...
Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

25.05.2016 
Quelle: Nordkurier 

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