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22.10.2015

Gnadenfrist für die Bootsschuppen?

Laufen Pachtverträge aus, werden sie oft verlängert. Mitunter mit höheren Gebühren. Darauf hatten auch die Angler am Mühlensee in Ankershagen gehofft. Doch sie müssen ihre Bootsschuppen räumen und abreißen. Ob ein Steg eine Alternative sein kann? Ärger scheint programmiert.

Ankershagen. Hecht und Karpfen beißen derzeit ganz gut. Auch über Barsche freut sich des Anglers Herz. Doch in die beschauliche Stimmung im Kahn auf dem Mühlensee bei Ankershagen schleichen sich bei manchem der Petrijünger traurige Gedanken ein. Ob sie im nächsten Jahr hier noch mit dem Boot zum Angeln rausfahren können, scheint fraglich. Denn zum Jahresende laufen die Pachtverträge für die 14 Bootsschuppen aus, die sich im Bereich des Müritz-Nationalparkes befinden. Und nicht nur das. Sie müssen zurück gebaut werden. Das sieht die Nutzungsvereinbarung vor, die die Pächter mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) 2007 abgeschlossen haben.
Der Mühlensee befindet sich im Eigentum des Bundes. Der Uferbereich soll gemäß Nationalparkverordnung dann wieder seiner natürlichen Entwicklung zugeführt werden. Schon im August während der Gemeindevertretersitzung in Friedrichsfelde schlugen die Wellen der Empörung hoch. Die vom Nationalparkamt vorgeschlagene Alternative, für die Angler eine Gemeinschaftssteganlage an der Badestelle des Mühlensees zu bauen, wurde von der Gemeinde rigoros abgelehnt.
„Inzwischen hat es zwei Termine vor Ort gegeben. Leider war kein Vertreter der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mit dabei. An der Sachlage hat sich eigentlich nichts geändert“, zeigt sich Bürgermeister Thomas Will enttäuscht. Von Joachim Kobel, Sachgebietsleiter des Müritz-Nationalparkamtes, gab es den Vorschlag, am Südufer des Sees gegenüber der Havelquelle einen Bootssteg für die Angelkähne zu bauen. „Dieser liegt wieder in Sichtweite der Badestelle, so dass jeder freien Zugang zu den Booten hätte. Randalierer könnten sich hier austoben“, gibt Rudi Kunze zu verstehen, der 20 Jahre lang dem Ankershagener Angelverein vorstand. Zudem hätten Diebe leichtes Spiel. Ruder und Bootszubehör müssten von den Vereinsmitgliedern vom Parkplatz an die 400 Meter zum See mitgeschleppt werden. Und das sei den Älteren und den jungen Anglern nicht zuzumuten. Insofern gibt es auch für diesen Steg eine Absage von Ankershagen.
„Es zeigt sich wieder einmal, dass Anliegergemeinden des Nationalparkes mit Einschnitten in ihrem Alltag zu tun haben. Laut Gründungsprotokoll im Jahre 1990 sollte das aber nicht sein. Jetzt sind wir Angler an der Reihe“, sagt Gemeindevertreter Ulrich Schmiechen. Ankershagen gehöre nicht zur Kernzone des Müritz-Nationalparkes, so dass hier durchaus Kompromisse möglich wären. Denn der Angler ist durch und durch Naturschützer. So fänden in einigen der Kahnschuppen sogar Fledermäuse Unterschlupf. Ordnung zu schaffen an den Wasserunterständen, die in den 70er Jahren gebaut wurden, das sei keine Frage. Auch das Zusammenlegen der Schuppen, die an mehreren Standorten am See zu finden sind, wäre möglich. Doch wie bisher sollen die Kahnschuppen sicher sein und die Hobbyfischerei unterstützen. „Mit mehr als 100 Mitgliedern zählt der Angelverein zu den größten bei uns in der Gemeinde. Gerade auch Kindern und Jugendlichen bietet er sinnvolle Freizeitvergnügen. Es besteht die Angst, dass noch mehr Leute unserer Region den Rücken kehren, wenn sie für sich immer weniger Perspektiven auf dem Lande sehen“, meint der Bürgermeister. Darum sollen die Gespräche zum Abriss der Bootsschuppen weiter geführt werden. Unter dem Motto „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ zeigt sich Ulrich Schmiechen optimistisch, dass vielleicht doch noch alles gut wird für die Angler. Denn diese haben bereits eine zweite Baustelle im Blick. Soll doch nach 2020 das Hobbyfischen auf dem benachbarten Wittsee sogar ganz verboten werden. Auch hier sind mit auslaufenden Pachtverträgen Bootsschuppen betroffen sowie das in vielen Aufbaustunden errichtete Vereinsheim.
„In Abstimmung mit dem Eigentümer gibt es die Übereinkunft, nicht auf den Rückbau der Schuppen am Mühlensee zum 31. Dezember dieses Jahres zu pochen. Bis ein Ersatzstandort gefunden ist, könne eine Übergangsfrist eventuell bis zum Frühjahr eingeräumt werden“, erläutert Joachim Kobel vom Nationalparkamt.

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m.jacobs@nordkurrier.de

22.10.2015 
Quelle: Nordkurier 

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