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20.01.2017

Gut Holz! Zum Retten brauchen die Helfer Platz

Wer schon mal im Gefängnis saß, Drogen nahm oder psychische Probleme hat, bekommt Lebenshilfe im Schloss Zahren. So wie Mario, der sich eigentlich nur noch „tot saufen“ wollte und viele mehr. So viele, dass der BlauKreuz-Verein einen Anbau plant, um den wachsenden Anfragen aus ganz Deutschland nachkommen zu können.

Zahren. Reichlich Holz vor der Tür gibt es am Schloss Zahren. Meist stammt es aus dem Penzliner Kommunalwald. So unterstützten die Bewohner schon die Jungbestandspflege im Hufenholz, wofür der städtische Forstfachmann Dietmar Rüthnick den Männern dankbar ist. Aber auch jetzt geht es regelmäßig zu Buchen und Fichten hinaus.
Seit Jahren gibt es diese Zusammenarbeit zwischen Penzlin und dem BlauKreuz-Zentrum Schloss Zahren, einer Einrichtung des Diakonischen Werkes. Doch das Holzhacken ist nicht uneigennützig. „Irgendwie gehören wir auch zu den Selbstwerbern, kommen so kostengünstig an Brennholz heran. Klein gemacht wird es auf unserem Holzhof”, sagt Geschäftsführer Bernd Osiablo und zeigt auf die Truppe, die mit Säge und Beil Baumstücke zerkleinert und einlagert. Ein Teil davon ist für die BlauKreuz-Außenstellen in Lübtheen und Dummerstorf bei Rostock gedacht. Während der Einsätze im Wald und auf dem Holzplatz stehen Arbeitstherapeuten zur Seite.
Waren es zur Eröffnung des Hauses vor 20 Jahren zehn Schlossbewohner, so sind es inzwischen 34. Mit den Außenstellen hält die Sozialtherapeutische Einrichtung insgesamt 53 Betten bereit. Unter dem Motto „Therapie statt Strafe” kümmert sich der Verein um von Haft bedrohte oder aus Haft entlassene Menschen, die mit Suchtproblemen aller Art oder Persönlichkeitsstörungen zu tun haben. Sie kommen aus ganz Deutschland. Das Altersspektrum reicht von 18 bis 73 Jahre, auch eine Frau ist dabei.
„Ich habe hier im Schloss ein zeitweiliges Zuhause gefunden und es sogar geschafft, rückfallfrei abstinent und straffrei zu leben”, sagt der 46-jährige Mario, der aus dem Brandenburgischen stammt. Eine schwere Straftat brachte ihn für neun Jahre ins Gefängnis, in anschließenden Therapie-Einrichtungen ließ er sich nicht helfen. Denn eigentlich wollte er sich „tot saufen”, erzählt er. In Zahren fand er wieder Lebensmut, kümmert sich um die täglichen Arbeiten im Speiseraum des Hauses. Nach Wegfall der gerichtlichen Auflagen hätte er die Einrichtung schon vor einigen Monaten verlassen können. Aber eigentlich möchte er das nicht, da dann wieder Ungewisses auf ihn zukomme.
„Rund um die Uhr werden die Bewohner von Therapeuten und Sozialarbeitern betreut, um ihnen einen Weg in die Zukunft zu bahnen. Dabei ist die Mitarbeit der Betreuten ganz wichtig. Es gibt nicht nur Erfolge auf dieser Strecke, manch einer will hier nicht bleiben”, weiß Bernd Osiablo, der seit 2012 die Einrichtung leitet. Wichtig sei ihm dabei Transparenz und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, so der Sozialtherapeut.
Neben der Hilfe im Wald unterstützen die Zahrener vom Schloss auch die Ausrichtung des Sommer-Reitturniers in Groß Vielen, hoben den Demenzgarten der Diakonie in Penzlin mit aus der Taufe und kümmern sich um die Badestelle am See vor der Haustür.
„Wegen der steigenden Nachfrage nach Plätzen in unserer Einrichtung planen wir eine Erweiterung. Die Baugenehmigung haben wir schon im vergangenen Jahr beim Kreis eingereicht und hoffen nun auf grünes Licht für den Abriss einer Scheunen-Ruine. Hier soll ein Neubau entstehen, der 14 weiteren Bewohnern Platz bieten wird”, kommt der Geschäftsführer auf ein neues Projekt zu sprechen.
Er hoffe auf Fördermittel. Denn für das Vorhaben seien rund eine Million Euro notwendig. Durch den Verkauf von Immobilien wie dem Schloss in Ankershagen habe der Verein Gelder ansparen können. Außerdem soll ein Holzheizkraftwerk dazu beitragen, die Energiekosten im Herrenhaus zu reduzieren. Auch darum werden die Schlossbewohner weiterhin Freunde des Waldes bleiben. Ohnehin bietet ihnen die körperliche Arbeit an der frischer Luft Abwechslung und Freude.
Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

20.01.2017 
Quelle: Nordkurier 

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