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17.01.2017

Hartz-IV-Kürzung: Angst treibt Paar zum Verkauf

Das Penzliner Ehepaar, das vom Jobcenter Waren Knall auf Fall zu einem Grundstücksverkauf gezwungen wird, hat den Bedingungen der Behörde zugestimmt. Aus Angst, ohne Geld und Krankenversicherung dazustehen.

Waren/Penzlin. Das Penzliner Ehepaar, das durch Forderungen des Jobcenters in Waren nach einem Grundstücksverkauf unter Druck geraten war, ist auf die Bedingungen der Behörde eingegangen und hat einen Darlehensvertrag unterschrieben. Das bestätigte die Tochter das Paares, Daniela Walter, gegenüber dem Nordkurier.
Dieser Darlehensvertrag war dem Paar vor Weihnachten vom Jobcenter zugesendet worden – zusammen mit der kurzfristigen Ankündigung, die Zahlungen des Arbeitslosengeldes II nach drei Jahren zum 1. Januar einstellen zu wollen, falls das Grundstück nicht verkauft werden sollte. Damit erhält das Penzliner Paar Zahlungen für die Zeit, in der es nun versuchen muss, das 1700 Quadratmeter große Grundstück zu veräußern.
„Die Frist beträgt ein halbes Jahr, in der sie sich bemühen müssen, das Grundstück zu verkaufen. Sollte das in dieser Zeit nicht gelingen, wird nochmals eine Frist von einem halben Jahr in Aussicht gestellt. Und sollte das Grundstück auch dann nicht verkauft worden sein, tja, dann müssen meine Eltern alles verkaufen – Haus und Grundstück“, erklärte Daniela Walter. Der Abschluss des Darlehensvertrages zwischen dem Ehepaar und dem Jobcenter habe zur Folge, dass das Jobcenter nun mit ins Grundbuch eingetragen wird.
Ihre Eltern habe die Aussicht, das ein Leben lang Erarbeitete – Haus und Grundstück – womöglich bald zu verlieren, in eine tiefe Krise gestürzt. „Das nimmt beide sehr mit. Mein Vater lebt seit 60 Jahren in dem Haus, es ist sein Elternhaus. Haus und Grundstück sind das Lebenswerk meines Vaters, der immer alles beim Jobcenter angegeben hat – auch das Grundstück. Meine Eltern können nicht verstehen, dass das Grundstück jahrelang nicht in die Bewertung durch das Jobcenter einbezogen wurde, dann aber plötzlich dennoch“, so Daniela Walter. Doch die Aussicht, plötzlich ohne Geld dazustehen, habe ihre Eltern sehr geängstigt. „Das wenige Geld, das sie noch hatten, das war inzwischen aufgebraucht“, berichtete die Tochter.
Nachdem das Jobcenter den unterschriebenen Darlehensvertrag erhalten habe, sei das Geld, das das Penzliner Ehepaar dringend zum Leben brauchte, schnell geflossen. Das Paar hat unterdessen einen Anwalt zu Rate gezogen und will sich um einen Grundstücksverkauf bemühen. Doch die Aussichten sind eher schlecht.
Ein Warener Immobilienmakler hat für den Nordkurier den Fall des Penzliner Ehepaares bewertet: „Es ist ohnehin schwierig, ein Grundstück in Penzlins Randlage zu verkaufen. Und wenn es darüber hinaus auch noch mit Krediten belastet ist, wird es noch aussichtsloser“, so der Fachmann. Wer, so fragt er, wolle ein Grundstück erwerben, auf dem ein bewohntes Haus steht, ein Grundstück also, das ein anderer, neuer Besitzer gar nicht nutzen könnte?
Nadine Marquardt, Pressesprecherin des Jobcenters Waren, verteidigte den Umstand, dass man von Seiten der Behörde auf den Verkauf des Grundstückes besteht: „Es hat Gespräche gegeben. Für den Kunden ist der Verkauf die bestmögliche Lösung.“ Und: Intern wurde und wird der Fall geprüft.

Kontakt zur Autorin
p.konermann@nordkurier.de

17.01.2017 
Quelle: Nordkurier 

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