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09.08.2016

Hetzten Kameraden jungen Mann vom Fest?

Sie sind mit dem Schrecken davongekommen. Aber was die drei jungen Urlauber in Lehsten erlebt haben, das hallt nach. Rassismus und Hass wurden vor allem einem von ihnen entgegen geschleudert. Seine dunkle Hautfarbe soll Männern in Feuerwehrkluft nicht gefallen haben. Und ihre fragwürdige Ideologie mit Vorurteilen zeigten sie offen.

Lehsten. Sie sitzen längst im Zug. Immer weiter fort von dem Ort, der sie das erste Mal im Leben spüren ließ, wie es ist, gehasst zu werden. Einfach nur, weil man da ist. Weil man anders ist. In Lehsten. Ein paar Tage stressfreie Zeit gerieten für die Studenten zur Lehrstunde in Rassismus und Neonazi-Hetze.
Die Idee, kurz nach Mitternacht zum Dorffest von Lehsten zu gehen, gefiel den Dreien. Und eine Zeit lang seien sie dort auch geblieben. Aber einer von ihnen, Pakertharan Seyabalan, habe von Anfang an eigenartige und abschätzende Blicke bemerkt. Der 25-jährige Deutsche, dessen Eltern vor 35 Jahren aus Sri Lanka nach Deutschland gekommen waren, fühlte sich in seiner dunklen Haut immer unwohler. Bis plötzlich dieser Mann vor den drei Freunden stand. „Wer hat euch denn eingeladen? Solche Sorte wie euch wollen wir hier nicht haben, sagte er in unangenehmem Ton“, erzählt Maximilian Rau.
Nach und nach hätten sich zu dem Mann im Feuerwehr-Hemd weitere Männer gesellt. Um die Sache nicht eskalieren zu lassen, habe Maximilian scherzend auf seinen Bart verwiesen, ob ihnen der nicht gefalle. „Der da, der gefällt uns nicht. Seine Hautfarbe mögen wir nicht“, wiesen sie auf Pakertharan Seyabalan, wie Rau berichtet. Immer enger sei der Kreis geworden. Es habe die ersten Rempler und Schubser gegeben, mit der Ansage, endlich zu verschwinden. Auch den Hitlergruß sollen Männer in Feuerwehrkleidung präsentiert haben.
„Wir hatten das Gefühl, dass gleich etwas Furchtbares passieren würde und sind gegangen“, sagt Pakertharan Seyabalan noch immer sichtlich verstört über das Erlebnis, das auch seine Freunde Maximilian Rau und Christoph Häußer in eine brenzlige Situation gebracht habe. „So etwas wie in Lehsten habe ich noch nicht erlebt. Ich bin schon oft durch den Osten gefahren und merke immer wieder, wie Menschen mich anstarren. Aber bedroht und beschimpft wegen meiner Hautfarbe hat mich noch niemand.“
Klar hätten sie, die aus Karlsruhe kommen, in Wien und Potsdam studieren, schon einiges vom „braunen Osten“ gehört und „dass es in Mecklenburg besonders gefährlich sein soll“. Aber, dass das selbst auf einem kleinen Dorffest so drastisch ist, das hätten sie nicht gedacht. Besonders tragisch sei es, dass es sich bei den rassistischen Hetzern offenbar um Kameraden der Feuerwehr Lehsten gehandelt habe. „Sie trugen T-Shirts und Regenmäntel mit der Aufschrift Feuerwehr. Das sind doch Leute, zu denen Kinder aufblicken. Das ist sehr gefährlich“, meint Maximilian Rau. Es seien zudem auch nachts um 3 Uhr noch genügend Menschen auf dem Festplatz gewesen, die das mitbekommen haben müssten. Aber niemand habe sich eingemischt.
Die Feuerwehr der kleinen Gemeinde ist seit mehr als 30 Jahren Ausrichter des Dorffestes. Dass diesmal etwas mehr als schief gegangen sein könnte, das sieht man dort noch nicht als erwiesen an. Ortswehrführer René Piechot verweigerte trotz mehrfacher Bitten um Rückruf dem Nordkurier ein Statement. Amtswehrführer Uwe Henning wollte „den Fall“, den er nicht selbst erlebt hat, prüfen und aufklären, bevor jemand verurteilt wird. Versicherte aber auch, „dass ich konsequent vorgehen werde, wenn da was dran ist. Für diese Kameraden gibt es in unserer Wehr keine Zukunft.“
Kontakt zur Autorin:
c.goels@nordkurier.de

09.08.2016 
Quelle: Nordkurier 

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