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26.11.2016

Hier im Horrorhaus wurde Sarah H. zu Tode gepeitscht

Der Alltag war in Alt Rehse langsam wieder eingekehrt. Nur beim Anblick des Hauses, in dem im Sommer eine 32-jährige Frau umgekommen war, löst noch Unbehagen aus. Doch was sich offenbar wirklich hinter den Mauern des „Rethra“ abspielte, das hätte sich wohl niemand im Dorf in seinen schlimmsten Träumen ausmalen können.

Novemberfreitag in Alt Rehse. Alltag aus – Wochenende an. Doch diesmal will das nicht gelingen. Nachdem sich das Idyll der Gemeinde wieder berappelt zu haben schien, jene turbulenten emotionalen Tage nach dem Leichenfund und auch der Sensationstourismus langsam verhallten, gab es nun „eiskalte Schauer über den Rücken“ und „Gänsehaut“. Die tote junge Frau, deren stark verweste Leiche Anfang August in der einstigen Gaststätte „Haus Rethra“ entdeckt worden war, hatte einen grausamen Tod. Gefesselt, wurde sie zu Tode gepeitscht. Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet denn auch auf Körperverletzung mit Todesfolge. Auch deshalb, weil der Tatverdächtige, so die Staatsanwaltschaft, den Tod von Sarah H. „allerdings nicht beabsichtigt“ habe.
„Wenn das mal nicht Sex-Spielchen waren“, kommentierte eine Frau. „Ganz geheuer kamen die einem doch sowieso nicht mehr vor. Die haben doch auf Facebook so komische Bilder gepostet.“
Eher Mitleid mit einem „Psychopathen“ hatte ein anderer im Dorf: „Gewalttätig war er schon, aber doch nicht so. Nach mir hat er mal mit Äpfeln geworfen. Nachts hörte man ihn oft laut reden, schreien. Er klagte sich selbst an, was für ein schlechter Mensch er sei. Traurig und dramatisch das Ganze.“ Nein, Hilfeschreie derart, die auf Peitschen-Qual deuten, hatten Nachbarn nicht gehört. Klar war der Verdächtige zuvor mehrfach wegen Ruhestörung aufgefallen und man hatte auch oft Polizei und Ordnungsamt gerufen. So wie an jenem Augustmorgen, als die Polizisten die Leiche im dem Haus am Dorfteich entdeckten.
Das „Horrorhaus“ wie es rasch im Ort hieß, bereitet den Alt Rehsern – und vor allen den Familien in unmittelbarer Nachbarschaft – immer noch Sorge. Müll, überall Müll. „Und jeden Tag scheint jemand noch was dazuzuwerfen“, klagt man. „Ein Schandfleck“ sei das. Doch das Ordnungsamt könne nicht helfen, denn es sei nicht Eigentum der Gemeinde. Das Haus gehört dem Lebensgefährten von Sarah H.

Alt Rehser wollen mit dem Anblick nicht immer leben

Doch der sitzt seit August in Untersuchungshaft, ist nun angeklagt und wird so rasch nicht ins Dorf zurückkehren. Wenn überhaupt. „Das ist auch das, was die meisten hoffen und wünschen, dass er nicht mehr wiederkommen möge“, sagt ein Nachbar am Freitag. Er habe noch die ständigen Schreie und das laute Trompetenspiel im Ohr. Die beinahe schon zur Gewohnheit gewordenen Einsätze von Polizei und Ordnungsamt. Und bedauert: „Wenn die Frau einen Betreuer hatte, warum hat der nichts gemerkt? Das fragen wir uns hier immer wieder. Das hätte doch alles nicht passieren müssen.“
Passieren aber müsse in Alt Rehse noch viel. Vor allem mit dem Haus. Rechts daneben lebt eine Familie mit kleinen Kindern. Wenn sie aus der Wohnungstür tritt, dann fällt ihr Blick auf das vermüllte Grundstück, einen Zaun zwischen den beiden Gehöften gibt es nicht. Abgesperrt ist das Horrorhaus schon lange nicht mehr, betreten darf es dennoch niemand.
In der Gemeinde aber wächst Hoffnung: Es soll Ideen geben, nach denen man versuchen möchte, das Haus wieder als Gaststätte zu nutzen, einer Familie eine Chance geben will. „Auf dem Haus sollen ja auch noch Schulden sein, vielleicht bekommt man es auf diese Weise zurück“, erzählt man. Auch wenn es sicher ein makaberer Ort sei. Aber wolle doch auch nicht immer mit „diesem Anblick“ leben, der an so vieles erinnere. An den lauten, eigenwilligen Mann, der sich mehr und mehr in seine Welt zurückgezogen hatte. Der einigen Angst gemacht hatte, andere einfach nur wütend und dem man irgendwann auch nicht mehr habe helfen können. Was wird aus ihm? „Wir wollen wissen, wann der Prozess ist“, fordert einer. Man wolle dabei sein. Unbedingt.

Kontakt zur Autorin
c.goels@nordkurier.de

26.11.2016 
Quelle: Nordkurier 

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