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02.02.2017

Hohe Abneigung gegen noch mehr Windenergie

Das Gros der Penzliner kann den Windrädern vor den Toren der Stadt nichts Gutes abgewinnen. Man habe sich dran gewöhnt, möchte aber keine neue, sagen sie. Das will der Bürgermeister mit einer Stellungnahme beim Kreis nun ganz deutlich machen. Denn er ist etwas misstrauisch.

Penzlin. Die Geister, die sie rief, wird sie vielleicht nicht mehr los. Gemeint ist die Kleinstadt Penzlin, die sich in den 90er Jahren auf den Bau von Windanlagen vor den Toren der Stadt an der B 192 einließ. Dafür hagelte es schon damals viele Proteste von Seiten der Bürger, sogar eine Bürgerinitiative richtete sich gegen den Bau des Windparks. Selbst Gutachten und gerichtliche Verfahren konnten diesen letztlich nicht stoppen.
Auf einer Fläche von 102 Hektar drehen sich heute die Rotoren von fünf Anlagen mit einer Höhe bis zu 90 Metern, die 2010 aufgestellt wurden. Sie stehen auf privatem, kirchlichem und städtischem Grund. Mit der 2. Beteiligungsstufe zur Fortschreibung des Regionalen Raumentwicklungsprogramms Mecklenburgische Seenplatte wurden bei den Penzlinern Hoffnungen geweckt, das Kapitel Windenergie irgendwann ganz außen vor lassen zu können.
„Denn nach Überarbeitung des Programms und Änderung grundlegender Kriterien durch den Planungsverband müsste unsere Stadt keine neuen Windkraftanlagen fürchten”, sagt Bürgermeister Sven Flechner. Durch Neudefinierung der Abstände zu Wohnbebauungen seien selbst die derzeit vorhandenen Türme inakzeptabel. Statt der geforderten 1000 Meter zu angrenzenden Häusern werden in Penzlin nur 800 Meter eingehalten. Schon aufgrund dieser Tatsache wäre deren Fortbestand nach Ende der Nutzungsdauer von rund 20 Jahren nicht mehr gesichert.
Gewerbesteuer? Da klingelt noch nichts in der Kasse
Ein sogenanntes weiches Kriterium auf der Grundlage einer Studie von Professor Stefan Pulkenat weist im überarbeiteten Raumentwicklungsprogramm darauf hin, dass historische Kulturlandschaften in der Mecklenburgischen Seenplatte nicht durch Windmühlen beeinträchtigt werden sollten. Dazu zählt auch die Maltzansche Parklandschaft bei Penzlin.
Genügend Gründe für die Penzliner, sich gemütlich zurückzulehnen. Wie der Bürgermeister sagt, sei die Stadt absolut dagegen, Windenergieanlagen der ersten Generation durch moderne Turbinen zu ersetzen. „Wir bekommen durch das Verpachten der städtischen Fläche für eine Anlage zwar jährlich 9000 Euro in die Stadtkasse, Gewerbesteuern sind aber bisher noch nicht geflossen. Geht es doch derzeit immer noch um die Abschreibung der Technik”, fügt der Bürgermeister einen weiteren Grund hinzu, nicht länger an diesen Propellern festzuhalten. Auch der Eingriff in die Natur mit dem „erheblichen Totschlag von Fledermäusen” sorge immer wieder für Diskussionen. Zudem werde die Stadtsilhouette mit der Marienkirche als bisher höchstem Punkt negativ beeinträchtigt.
Dass die Stadt sich dennoch Sorgen machen muss, hänge mit dem im Konzept aufgelisteten Ausnahme-Tatbeständen zusammen. Denn wenn eine Kommune ihr altes Eignungsgebiet behalten möchte, könnte sie das mit Hilfe von Flächennutzungs- und Bauleitplänen erreichen. „In diesem Fall wurde unsere Situation vom Kreis nicht beachtet. Denn wir haben bereits einen Bauplan für das Eignungsgebiet. Dieser ermöglichte uns damals, die Anzahl der Anlagen und deren Höhe zu begrenzen. Würden wir den B-Plan jetzt aufheben, käme uns das sicher nicht zugute”, so der Bürgermeister, der zusammen mit dem Abgeordneten Norbert Schumacher vom Freien Horizont Mitglied im Regionalen Planungsverband ist.
Schon bei der Verbandsversammlung im November hatte er gegen das überarbeitete Raumentwicklungsprogramm gestimmt. Dass bei den Eignungsgebieten Hintertüren offen bleiben sollen, habe seiner Meinung nach mit dem politischen Druck, Erwartungshaltungen und Begehrlichkeiten aus Schwerin zu tun.
Darum hofft der Bürgermeister auf eine eigene Lösung für Penzlin und möchte das mit einer Stellungnahme der Stadtvertreter beim Kreis kundtun. Dabei verschweigt er nicht, dass er in puncto Windkraft den Vorstandsmitgliedern des Planungsverbandes nicht so ganz über den Weg traue. Schließlich säßen darin Vertreter von Neubrandenburg, Waren und Neustrelitz, die keine Windmühlen vor der Tür haben.
Der Entwurf zur 2. Beteiligungsstufe zur Fortschreibung des Regionalen Raumentwicklungsprogramms Mecklenburgische Seenplatte liegt zur Einsicht für die Öffentlichkeit noch bis zum 28. Februar in der Penzliner Stadtverwaltung aus. Dabei geht es nach ersten Festlegungen aus dem Jahre 2011 um die vollständige Überplanung der Region bei der Ausweisung von Eignungsgebieten für Windenergieanlagen.
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m.jacobs@nordkurier.de

02.02.2017 
Quelle: Nordkurier 

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