Hilfsnavigation

Blick auf Penzlin vom Mühlenberg Spiegelung
Logo natürlich Mecklenburgische Seenplatte
28.11.2017

Ihr Schnattern wird fehlen auf dem Adventsmarkt

Die drei Gänse, die auf dem Biohof in Marihn gestohlen wurden, waren nicht nur Prachtvögel ihrer Art, sondern bei den nun startenden Adventsmärkten vor allem als Attraktion für die Kleinen gedacht. Die Alternative hat zwar einen Schnabel, aber ob man die auch so streicheln kann wie die verschwundenen Tiere?

Marihn. Eine hatte sogar ein paar graue Federn zwischen den schneeweißen. Dabei war sie noch gar nicht so alt. Erst im Mai geboren. Doch Grau gilt bei dem Federvieh nicht wie die Silbersträhnen beim Menschen, sondern für die Einzigartigkeit und Unterschiedlichkeit der Tiere. Auch wenn sie sich manchmal ähneln wie das sprichwörtliche eine Ei dem anderen.
Die Kinder, die die drei Gänse, die vor wenigen Tagen aus dem Stall des Biohofes in Marihn gestohlen wurden, genau kannten und seit Gösseltagen fütterten, würden sie wiedererkennen. Genau wie Moritz von Oertzen. Er ist nicht nur traurig, dass seine Tiere ins Ungewisse kamen und es ihnen vielleicht gar schon an den Kragen ging. Sondern er ist vor allem wütend, dass „man sich einfach bedient und nimmt, was einem gefällt. Dabei könnte man hier auf dem Lande wunderbar zusammenleben.“
Für ihn ist es zwar das erste Mal, dass diese besonderen Gänse gestohlen wurden, die zu Ausstellungen und eben zum Streicheln und Kennenlernen für Kinder gezogen worden waren. Allerdings sei Diebstahl immer wieder auf der Tagesordnung. Zwei Zuchtböcke habe man ihm vor gar nicht langer Zeit fast vor der Nase weggeholt. Dreist in der Nacht, dem eigenen Wohnhaus ganz nah. „Das sind schon Leute gewesen, die wissen, was sie sich holen“ sagt auch Lisanne Altmann, die auf dem Hof „alles mit Tieren managt“. „Die Tiere sind alle prächtig, aber die haben sich die besten geholt“, sagt sie und befürchtet, dass unter den Langfingern nicht nur Tagediebe, sondern auch Profis sind.
Generell sei Diebstahl von Tieren offenbar im Trend. Dagegen tun könnte man nicht viel. „Wenn einer rein will, dann will er rein.“ Auch die Überwachungsanlage auf dem Weg zum Gänsestall habe nichts gebracht. Auf dem Hof seien die meisten Tiere zahm und zutraulich. Das sei zum Einen natürlich gut, aber zum Anderen auch die Krux, denn dadurch hätten auch Ganoven leichteres Spiel.
So war es wohl auch bei den drei Gänsen. Verschwunden. Einfach so, über Nacht, nachdem am Abend zuvor noch alles friedlich war. Fuchs, du hast die Gans gestohlen – die harmlosen Strophen, die Ernst Anschütz 1824 zur Melodie eines älteren Volksliedes vertonte, kann man sich diesmal aber getrost verkneifen. Denn es war – so viel steht fest – nicht Reineke, sondern mindestens ein diebischer Zweibeiner, der sein Unwesen in Marihn trieb.

Das geschichtsträchtige Schnattern nutzte nicht
Gänse gelten ja eigentlich als laut genug, um Alarm zu schlagen, wenn ihnen jemand ans Federkleid will. Schon die alten Römer hielten lieber das Federvieh mit dem lauten Organ als einen Hund, um Diebe und Landstreicher abzuwehren. 386 vor Christus bewachte das schnatternde Federvieh das Capitol mit Erfolg vor den Galliern. Und nicht zu vergessen: eine „ausgemusterte“ Gans kann immer noch in den Kochtopf wandern, ein alter Wachhund dagegen…
Legendäre Berühmtheit erlangte eine Gans durch den Verrat des Verstecks des geflohenen Sankt Martin: Dafür landete sie im Kochtopf – daher die Martinsgans, die bis heute auf den Speisekarten steht. Gänse als Wächter für Haus und Hof einzusetzen, ist also nichts Neues. Doch in Marihn hat das wohl nicht geklappt. Oder es hat niemand gehört an der nächtlichen Bundesstraße.
Die drei Prachtexemplare waren mit den anderen aufgewachsen, hatten einen Sommer im Grünen hinter und noch ein Leben vor sich. Während gut 150 ihrer Schwestern zu knallharten Vögeln wurden. Tiefgefroren hat es sich für sie bereits ausgeschnattert. Die Bio-Tiere werden bald abgeholt oder sind es schon. Alle Jahre wieder seien sie sehr begehrt.
Aus welchem Grunde das Gänse-Trio abhanden kam, das gerade in diesen Tagen seinen großen Auftritt hätte haben sollen, das kann auch Moritz von Oertzen nur vermuten: „Als Weihnachtsbraten. Zum Anfassen und Streicheln hat sie sich sicher niemand geholt.“ Mit seinen Adventsmärkten an den ersten drei Wochenenden im Dezember würden wieder viele Kinder auf den Hof kommen, die sich schon aufs bekannte Gänse-Angucken und Streicheln freuten. Und nun?
Tja, so schnell geht das mit dem Eier-Ausbrüten und Großziehen nun auch nicht. Also mussten Holzgänse herhalten, die sonst als Deko dienen. Lisanne Altmann hat zwei davon ins Stroh in den Stall gestellt. Stumm und hölzern werden sie nur ein kleiner Trost sein, meint sie. Schließlich gehe es auf dem Hof auch darum, „den Kindern zu zeigen, wie das Fleisch und das Geflügel, das sie im Supermarkt kaufen, vorher ausgesehen hat. Und dass ein Tier dafür sterben musste. „Aber wenn es ein gutes Leben hatte, dann ist das ok.“
Moritz von Oertzen will sich da aber nicht ‚reinsteigern und setzt auf das letzte Fünkchen Scham und Gewissen der Langfinger. „Wenn die Tiere wieder lebend hier auf dem Hof sind, dann ist alles vergessen und wir ziehen auch die Anzeige bei der Polizei zurück“, verspricht er. Und wer helfen könnte, den Fall aufzuklären, der bekäme eine von den gefrorenen Bio-Gänsen als Geschenk.
Auch wenn es in diesem Jahr mit Federvieh und Co. nichts mehr wird, soll in einem Jahr wieder Leben im Stall sein. Aber eigentlich viel eher, denn im Frühling kommen neue Gössel, die die Marihner Welt noch lebendiger machen. Bis zum nächsten Adventsfest.
Kontakt zur Autorin
c.goels@nordkurier.de

28.11.2017 
Quelle: Stadt Penzlin 

Kontakt

Stadt Penzlin
Der Bürgermeister
Warener Chaussee 55a
17217 Penzlin

Telefon +49 3962 2551-0
Fax +49 3962 2551-52
f.colberg@penzlin.de