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12.10.2015

In der Abgeschiedenheit wachsen die Träume

Seit der Wende hat sich in Carlstein vieles zum Guten geändert. Hier ist längst die Welt nicht mehr zu Ende. Wenngleich die Dorfstraße in eine Sackgasse führt. Für einige Bewohner bildet sie aber auch den Anfang für kreative und erfolgreiche Projekte. Und das, ohne den Stein des Weisen zu haben.

Carlstein. Wie generell im Land gibt es auch rund um Carlstein eine Menge Steine auf den Äckern und in der Landschaft. Welcher dieser mitunter wuchtigen Brocken einst Carl gehörte und eventuell Namensgeber für den Ort war, dazu findet sich keine Antwort. Zumindest nicht bei den Dorfbewohnern. Geschichtlich belegt ist aber, dass Carlstein sich aus einer Meierei entwickelte und schon seit Ende des 18. Jahrhunderts zum Nachbarort Klein Lukow gehörte. Ab 1883 hatte Rittergutsbesitzer Ernst von Schröder in Lukow das Sagen und führte in Carlstein sein Nebengut. Diese Informationen fand Rita Braun in historischen Schweriner Dokumenten. „Ich bin seit 2014 Ortsteilbeauftragte und gehöre mit zu den alt eingesessenen Bewohnern. Eine 20-jährige Zwischenstation gab es für mich und meine Familie in Neubrandenburg, 1993 kamen wir aus familiären Gründen zurück ins Dorf“, erzählt die 60-Jährige, die im Haus ihrer Eltern lebt. Seit dem Frühjahr sind Sohn Toni und seine Freundin Nicole Pöhls in die Nachbarwohnung mit eingezogen. Das freut Rita Braun sehr, die seit dem Tod ihres Mannes alleine lebt.

Dorfbewohner wünschen sich schnelles Internet

„An die 42 Erwachsenen wohnen in Carlstein, die Anzahl der kleinen Kinder lässt sich an beiden Händen abzählen“, nennt die Ortsteilbeauftragte einige Fakten zum Dorf. Ganz stolz seien die Familien auf den schönen Spielplatz, der von den Größeren regelmäßig zum Volleyballspiel genutzt wird. Die Zeiten als Carlstein so halbwegs vom Aussterben bedroht war, seien längst vorbei. Denn hier gibt es keinen Leerstand mehr. Die Ruhe und Abgeschiedenheit des kleinen Dorfes locken auch Auswärtige an. So haben sich hier vier Unternehmen nieder gelassen. Dazu gehört Roxana Michaels, die mit ihren Mitarbeitern orthopädische Produkte herstellt. Die Familie baute für Wohnen und Werkstatt ein ehemaliges Stallgebäude um. Wissen muss man über Carlstein auch, dass Konstanze Strohmayer hier die „weltbeste“ Tomatensauce produziert.
Mit ihrem Wissen um die Verarbeitung von guten Produkten aus der Natur und speziellen Rezepturen hat die Zugezogene mit Müslimischungen, Schokoladenkuchen und Pestos mittlerweile in ganz Deutschland Abnehmer gefunden.
Und da ist noch ihr Lebensgefährte Detlef Koepke, der ein erfolgreiches Projekt auf die Beine stellte. Denn er ist Initiator der Mecklenburger Seen Runde, die in diesem Jahr zum zweiten Mal tausende Fahrradbegeisterte in der Mecklenburgischen Seenplatte auf eine anspruchsvolle Runde schickte. „In Carlstein haben wird unsere Heimat gefunden und wir sind selbst gespannt, was wir ausgehend von diesem ruhigen Kraftplatz noch auf die Beine stellen werden“, war von dem Paar zu hören. Carlstein wurde 2011 zusammen mit Groß und Klein Lukow in die Stadt Penzlin eingemeindet. Während Lukow im Rahmen der Fusionsprämie mit den sanierten Straßen ein Stück neue Infrastruktur bekam, sind die Carlsteiner weiterhin bescheiden geblieben. „Unsere Dorfstraße ist ziemlich ausgefahren, so dass das Regenwasser sich in großen Pfützen sammelt. Und schnelles Internet wünschen sich viele im Ort“, kommt Rita Braun auf Anfragen der Einwohner zu sprechen, die sie nach Aussage von Bürgermeister Sven Flechner doch schriftlich bei der Verwaltung einreichen sollte.
Die Dorfstraße bildete übrigens eine Sackgasse, führt direkt auf angrenzendes Ackerland. „Weltende“ war am früheren Ortsausgangsschild zu lesen, das nach der Eingemeindung aber ausgetauscht wurde.

Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

12.10.2015 
Quelle: Nordkurier 

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