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20.07.2016

Jüdisches Leben in Penzlin ans Licht geholt

1848 bekam Nathan Götz das Ehrenbürgerrecht von Penzlin verliehen. Allerdings wissen das wohl nur wenige Punschendörper. Sein Grabstein findet sich auf dem jüdischen Friedhof. Ortschronistin Hildtraut Fischer ist mal wieder auf Entdeckungstour.

Penzlin. Während in einigen Städten der Region Synagogen als wichtige Institution des Judentums wieder aufgebaut oder saniert wurden, war das in Penzlin nicht möglich. Denn das Haus des Gebets wurde 1945 während des großen Stadtbrandes Opfer der Flammen – ebenso wie die Häuserzeile in der Großen Straße.
„Am 4. Juli vor 225 Jahren wurde die Synagoge eingeweiht. Sie befand sich in der Weberstraße, heute Hirtenstraße 15-17, auf einem Innenhof“, weiß Hildtraut Fischer. Dabei stützt sie sich auf die Chronik der Burg und der Stadt Penzlin, die Eduard Danneil 1873 herausgebracht hat. Schon länger beschäftigt sich die 79-Jährige mit diesem Thema, für das sie interessantes Material gefunden hat.
Als Mitstreiterin im Arbeitskreis Stadtgeschichte ist sie ohnehin ständig am Recherchieren. „Ich möchte Fakten zum jüdischen Leben in Penzlin einmal zusammenfassen und das Dokument dann unserem Bürgermeister zukommen lassen“, kommt die Seniorin auf ihre aktuellen Forschungen zu sprechen. Leider gebe es kein Foto von der Synagoge. Doch vom Baustil her müsste das Haus so wie in Röbel und Stavenhagen ausgesehen haben. Mit der 1794 in Passentin gebauten Kapelle auf dem dortigen Friedhof gebe es ein Anschauungsbeispiel, ist sich Hildtraut Fischer sicher.
In den Aufzeichnungen des Chronisten Danneil fand sie den Fakt, dass die israelische Gemeinde einst aus 54 Seelen bestand. Auf Empfehlung der Herzogin Auguste zu Dargun wurde Simon Lewin 1749 als Handelsmann in Penzlin aufgenommen. Sein Sohn ging zusammen mit Johann Heinrich Voß, dem Heimatdichter der Stadt, bei Rektor Struck in die Schule. Nach 1820 lebten in Penzlin 88 Juden in 17 Familien. Davon wurden 17 als Kauf- und Handelsleute in den Aufzeichnungen geführt, 10 mit offenen Läden und sieben als Hausierer erfasst.
Die Hobbyhistorikerin möchte einige jüdische Mitbürger besonders erwähnen. Dazu zählt Jacob Salomon, der 1815 an der Schlacht bei Waterloo teilnahm. Der Kaufmann Nathan Götz wurde am 23. April 1848 Ehrenbürger von Penzlin. Hatte er doch in den Jahren der Not das Leiden der Armen gelindert. Auf dem jüdischen Friedhof der Stadt, der 1750 angelegt wurde, findet sich noch sein Grabstein. Über das Museum in Parchim nahm nach der Wende eine seiner Nachfahren aus der Schweiz Kontakt zur Burgenstadt auf und schickte eine Ablichtung der Ehrenurkunde zu. „Um 1913 hatte die jüdische Gemeinschaft in Penzlin aufgehört zu existieren. Der Familie Pinkus, als letzte Nachkommen, war es nicht vergönnt, in Penzlin die letzte Ruhestätte zu finden. Eltern und Tochter wurden 1942 deportiert und fanden in der Fremde den Tod“, kennt Hildtraut Fischer einen besonders grausigen Abschnitt der Stadtgeschichte.
Sieben Seiten hat sie inzwischen handschriftlich verfasst und ist noch längst nicht am Ende ihrer Nachforschungen. So hofft sie, mit Hilfe der Stadtarchivarin noch wichtige Fakten in Geburts- und Sterbebüchern zu finden. Nicht immer trifft sie aufgeschlossene Bürger, die ihr Vorhaben unterstützen möchten. Denn Stadtgeschichte birgt auch Ungereimtheiten, subjektive Deutungen, viele Fragen sind noch offen. Doch davon lässt sich eine Hildtraut Fischer nicht beeindrucken. Solange sie alteingessene Penzliner noch nach vergangenen Zeiten befragen kann, tut sie das recht couragiert. Bei der Abschrift ihrer Aufzeichnungen soll Nichte Christina Schaumann helfen. Bürgermeister Sven Flechner bekommt auf jeden Fall ein Exemplar ihrer Chronik über das jüdische Leben in Penzlin.
Kontakt zur Autorin
m.jacobs@nordkurier.de

20.07.2016 
Quelle: Nordkurier 

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