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26.05.2017

Juristisches Nachspiel im Fall Sarah H. zieht sich

Der Verteidiger von Axel Ingo G. hatte nach dem Urteil Ende März Revision eingelegt – damit der BGH den Prozess gegen den 51-Jährigen aus Alt Rehse auf Gesetzesverletzungen hin prüft. Doch auch acht Wochen nach dem Urteil des Landgerichtes bleibt es ruhig um den Fall. Warum?

Alt Rehse/Karlsruhe. Das kann dauern. Bis das angefochtene Urteil des Neubrandenburger Landgerichts gegen Axel-Ingo G. aus Alt Rehse beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe auf dem Tisch liegt, werden noch mindestens zwei bis drei Monate vergehen. Zuvor würde die Revision dort mit ziemlicher Sicherheit nicht geprüft werden können. Davon geht die Neubrandenburger Oberstaatsanwältin Beatrix Komning aus, wie sie jetzt auf Nordkurier-Anfrage sagte.
Der Grund dafür sei ganz einfach: die Fristen. Die gelten schließlich nicht nur für den Verteidiger des zu fünf Jahren Gefängnis verurteilten Mannes, der seine Lebensgefährtin Sarah H. zu Tode gefoltert hatte, sondern auch für die Kammer. So vergehe nicht nur Zeit, bis das Urteil geschrieben und zugestellt ist, sondern es muss auch anschließend binnen eines Monats das Revisionsansinnen begründet werden. Das Ganze landet wieder auf dem Tisch des Staatsanwaltes. Und letztlich liegt der Fall aus Alt Rehse bei der Generalbundesanwaltschaft und beim Bundesgerichtshof. Der hebt im Falle von Gesetzesverletzungen das Urteil auf und verweist es an die erste Instanz zurück.
Bis zur Entscheidung weiter in Untersuchungshaft
Das Neubrandenburger Landgericht hatte Axel Ingo G. Ende März wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gesprochen. Allerdings war dem Verurteilten wegen seiner psychischen Verfassung eine „verminderte Schuldfähigkeit“ zugestanden worden. Ein Aufschrei war nach dem Richterspruch nicht nur durchs Dorf gegangen, sondern hatte sich auch in den sozialen Netzwerken gespiegelt. Die Strafe sei zu gering.
„Im Falle von Axel-Ingo G. wurde alles andere als eine milde Strafe verhängt. Im Gegenteil, die ist sehr deutlich ausgefallen“, sagte seinerzeit Carl-Christian Deutsch, Vizepräsident des Landgerichts und Pressesprecher. Schließlich habe man es hier mit einem „psychisch gestörten Menschen zu tun, der für Teile seines Tuns nicht verantwortlich gemacht werden kann. Er hat Psychosen.“
Der Verteidiger von Axel Ingo G. hatte nach dem Urteil Ende März Revision eingelegt. Seinerzeit waren Juristen schon von bis zu einem halben Jahr ausgegangen, bis mit einer Entscheidung aus Karlsruhe zu rechnen sei.
Und was geschieht in der Wartezeit mit dem Verurteilten? Kommt er auf freien Fuß bis das BGH entschieden hat? Nein, denn bis es zu einer Entscheidung aus Karlsruhe kommt, werde Axel Ingo G. in Untersuchungshaft in Bützow bleiben, das hatte Carl-Christian Deutsch betont. Jedenfalls so lange, wie die Untersuchungshaft nicht unverhältnismäßig werde. Das bedeutet konkret: Wenn ein Großteil der Strafe durch die vorgeschriebene Anrechnung der U-Haft verbüßt wäre.
In Gemeinde kehrt wieder Ruhe ein
Unterdessen scheint in Alt Rehse so etwas wie Ruhe eingekehrt zu sein. Mehr als neun Monate sind seit der schrecklichen Tat im „Haus Rethra“ vergangen. Seit dem Tag, an dem nicht nur die Qualen von Sarah H., der Lebensgefährtin des Verurteilten, ans Licht kamen, sondern auch ihre Leiche entdeckt worden war. Das war der letzte Tag, da man den selbst ernannten Reichsbürger, der immer wieder durch Lärm und krudes Verhalten die Nerven der Alt Rehser strapaziert hatte, im Dorf ertragen musste.
Ein Tag, den so mancher gern streichen würde im idyllischen Buch der Dorfgeschichte. Eine Stimme aus der kleinen Gemeinde: „Ich glaube, es ging den meisten hier in dem Moment gar nicht darum, wer das mit der jungen Frau gemacht hatte, sondern dass überhaupt ein Mensch zu so einer sadistischen Tat fähig ist. Mitten unter uns.“
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c.goels@nordkurier.de

26.05.2017 
Quelle: Nordkurier 

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