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16.12.2017

Klein Luckow wehrt sich gegen Mega-Güllebecken

Den Klein Luckowern stinkt es gewaltig. In ihr Dorf mit 27 Häusern und rund 60 Einwohnern wird ein sechs Meter hohes Gülle-Reservoir gebaut. Ohne, dass die Bürger etwas davon gewusst haben. Jetzt ist der Behälter fast fertig.

Klein Luckow. Ein Güllebehälter mit einem Fassungsvermögen von rund 3600 Kubikmetern und einer Wandhöhe von sechs Metern erregt derzeit die Gemüter in Klein Luckow. Denn die Bürger in dem Ort, der zur Gemeinde Vollrathsruhe gehört, haben erst mit Beginn der Bauarbeiten überhaupt erfahren, dass die Agrargesellschaft Hohen Wangelin diesen großen Behälter errichten will. Hinzu kommt, dass das große Bauwerk eng an das Grundstück einer Familie grenzt.
Schaut Lilli Blocksdorf über ihren Gartenzaun, dann ist Schluss mit dem Blick auf die Klein Luckower Landschaft – jetzt steht dort ein Becken, das jede Aussicht zunichte macht. Doch nicht das allein erzürnt die Bürger in Klein Luckow. „Wir gehen davon aus, dass es in den Sommermonaten zu starken Geruchsbelästigungen kommt“, sagt Lilli Blocksdorf. Sie und ihre Nachbarn Andreas Firme, Katrin Bleichroth und Waltraud Ladwig wissen, dass auf einem Dorf der Hahn kräht, dass Traktoren fahren, dass Kühe muhen und dass die auf die Felder ausgebrachte Gülle riecht. „Dagegen haben wir nichts. Aber dass so ein Riesenbauwerk uns einfach so vor die Nase gesetzt wird, ohne dass wir als Anwohner und Betroffene informiert werden, das ist nicht richtig. Das war eine Entscheidung über unsere Köpfe hinweg“, kritisiert Lilli Blocksdorf.
Genehmigungsbehörde ist in diesem Fall der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Dort wurde 2015 der Bauantrag für den 3600 Kubikmeter fassenden Behälter gestellt, 2016 wurde der Antrag genehmigt. „Eine Bürgerbeteiligung vonseiten des Landkreises ist im Verfahren nicht vorgesehen. Das Einvernehmen der Gemeinde liegt hier schriftlich vor“, erklärte Pressesprecherin Annett Thurm.
Sabine Junge, Bürgermeisterin der Gemeinde Vollrathsruhe, ist erst seit Kurzem im Amt. Das hatte sie vom kürzlich verstorbenen Bürgermeister übernommen, zuvor war sie Gemeindevertreterin. Einen Beschluss der Gemeindevertretung zu dem geplanten Gülle-Behälter habe es nicht gegeben. „Ich stehe voll hinter den Klein Luckowern. So ein Bauwerk beeinträchtigt die Bürger dort“, sagt die Bürgermeisterin.
Janett Holtz, Leitende Verwaltungsbeamtin des Amtes Seenlandschaft Waren, weist allerdings darauf hin, dass laut Hauptsatzung der Gemeinde Vollrathsruhe ein Beschluss der Gemeindevertreter überhaupt nicht nötig war. Der Bürgermeister kann selbst seine Zustimmung zu dem Vorhaben geben. „Aber damals hat der Bürgermeister in der öffentlichen Sitzung über das Vorhaben informiert“, weiß Janett Holz aus den Protokollen der Gemeinderatssitzungen.
Chef der Agrargesellschaft zeigt sich gesprächsbereit
Auch MV-Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) kennt mittlerweile die Sorgen der Klein Luckower. Sie hatten sich in einem Schreiben an den Minister gewandt und auf Hilfe gehofft. Backhaus machte in seiner Antwort aber deutlich, dass es sich bei dem Bau um ein Vorhaben handele, das laut Gesetz im Rahmen des so genannten privilegierten Bauens für Landwirte genehmigt wurde“, so Backhaus.
Ingo Papstein, Geschäftsführer der Agrargesellschaft Hohen Wangelin, hat nach eigenen Angaben erst vor Kurzem erfahren, dass sich in Klein Luckow Widerstand gegen den Güllebehälter regt. „Wir haben unseren Bauantrag an den Landkreis gestellt, der ist für uns Ansprechpartner, in diesem Fall nicht die Gemeinde“, so Papstein gegenüber dem Nordkurier. Hätte er von der Ablehnung des Güllebehälters durch die Klein Luckower gewusst, „hätten wir einen anderen Standort geprüft“, erklärte Ingo Pap-stein. Er machte deutlich, dass die Gülle von den Tieren aus Hohen Wangelin seit Jahren auf die Felder rings um Klein Luckow ausgebracht wird. Künftig soll sie in dem neuen Behälter in Klein Luckow gelagert und dann auf die Felder verteilt werden.
„Die Gülle kommt aber nicht direkt aus dem Stall, sondern ist schon in Biogasanlagen genutzt worden. Daher geht von ihr keine so starke Geruchsbelästigung aus wie von frischer Gülle. Darüber hinaus wird eine Strohdecke auf die Oberfläche ausgebracht, um eine Geruchsbildung zu unterbinden“, so Papstein.
Er sei gesprächsbereit und habe der Anwohnerin angeboten, den Anblick des Güllebehälter durch Anschüttungen und Bepflanzungen erträglicher zu gestalten. Auch eine Hecke an der Grundstücksgrenze wäre denkbar. Lilli Blocksdorf hält davon nicht viel. „Unsere Grundstücke verlieren an Wert. Wenn wir unser Haus verkaufen wollen, wer würde es haben wollen mit so einem Ding davor?“, fragt sie verzweifelt. Ihre Nachbarin Kathrin Bleichroth will das alles nicht hinnehmen: „Wir werden gegen diesen Behälter klagen. Das steht fest.“
Kontakt zur Autorin
p.konermann@nordkurier.de

16.12.2017 
Quelle: Nordkurier 

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