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15.08.2016

Leichenfund – Die Idylle ist für immer zerstört

Im Fall der Frauenleiche von Alt Rehse wird es immer mysteriöser. Während der Hausbesitzer in Untersuchungshaft sitzt, ist nun ein ominöses Dokument in den sozialen Netzwerken aufgetaucht. Und im Dorf hat man nur einen Wunsch.

Alt Rehse. Die Einladung zum Preisskat ist kaum noch zu lesen. Wohl schon vor Wochen hat jemand sie in den Schaukasten gehängt. In Vorfreude auf den vergangenen Sonntag. Doch der stand in Alt Rehse nun unter ganz anderen Vorzeichen. Die verblassten Buchstaben sind wie Salz in der tiefen Wunde, die das Dorf vor wenigen Tagen erlitt, als man hier eine stark verweste Leiche fand. Obgleich die Menschen Normalität proben. Im Schatten der bangen Frage, ob es tatsächlich die im Dorf seit Wochen vermisste Sarah H. ist, die im Haus am Dorfteich gefunden wurde.
Unterdessen tauchte im Internet ein ominöses Papier über den Tatverdächtigen aus Alt Rehse auf. Welchen Glauben man der „eidesstattlichen Erklärung“ schenken darf, das lässt sich noch nicht beurteilen. In dem Schriftstück datiert auf Ende Mai dieses Jahres, betont der inzwischen in U-Haft sitzende 51-Jährige unter anderem, dass er „seiner Frau“ zu keinem Zeitpunkt Gewalt angetan, sie nicht bedroht, geschlagen oder mit Tabletten gefügig gemacht habe. Er habe sich zu keinem Menschen aggressiv verhalten.
Unterzeichnet ist das Papier unter anderem von dem Tatverdächtigen und seiner Lebensgefährtin Sarah H. Ob das Schriftstück tatsächlich existiert, und ob es gar im Zusammenhang mit dem Aufenthalt der jungen Frau im Februar im Güstrower Frauenhaus steht, auf all das bekommen die Alt Rehser an diesem Wochenende noch keine Antwort.
Der Wind jagt die Wolken über das Bilderbuchblau und hält der Sonne immer wieder die Augen zu. Ein Specht klopft gegen die Rasenmäher an. Es riecht nach Herbst, kühler Erde und reifem Obst. Geharkte Vorgärten demonstrieren wie zum Trotz Klarheit und Ordnung. Für die meisten hier steht fest, dass die Tote, die schon seit Wochen in dem Haus gelegen haben soll, die Freundin des Tatverdächtigen ist. „Er war von einer Sekunde zur anderen ein anderer Mensch“, sagt eine Frau am Teich und blickt auf das abgesperrte Grundstück. „Erst ganz umgänglich und dann bekam er einen wilden Gesichtsausdruck. Sein schwäbischer Dialekt wurde dann viel stärker. Aber, dass er sie getötet haben könnte, unfassbar.“
Er sei nicht immer so gewesen, dieser „große, fast bärige Mann“. Vor zwei Jahren noch soll er beim Mondscheinfest dabei gewesen sein. Da sei seine Ehefrau noch bei ihm gewesen. „Als sie ihm weggelaufen war, wurde er immer wunderlicher“, sagt man im Dorf. Schlimm sei es gewesen, wenn sein Brüllen von seinem Hof über den Teich durchs Dorf hallte. „Wir haben erschrockenen Urlaubern dann oft die Mär von einem Schauspieler erzählt, der für Götz von Berlichingen übt.“ Angst? Ja, man habe später auch Angst vor dem Ex-Gastwirt gehabt, dessen Landgasthof vor sechs Jahren pleiteging. Aber immer auch Mitgefühl. Zu oft habe man im Dorf die Hoffnung gehabt, dass beiden endlich geholfen werde.
Schon als der als Sonderling geltende Mann vor einigen Monaten sein Haus unter Wasser setzen wollte, sei er einem Psychiater vorgestellt worden. „Da musste wohl erst mehr passieren“, sagt eine Dorfbewohnerin traurig. Dass es „soweit kommen musste“, schmerzt die Alt Rehser am meisten. Natürlich habe man ein Auge auf das Haus mit dem Paar gehabt. „Sie soll einen Betreuer gehabt haben, darüber hatten wir uns auch erkundigt, aber wann und ob da jemals jemand war, das weiß niemand.“
Unklar ist auch für die Ermittler noch vieles. In dieser Woche könnte es allerdings Klarheit darüber geben, wer die Tote ist. Wie es für den 51-Jährigen, der in U-Haft sitzt, weiter geht, auch das wird sich erst entscheiden. Doch in Alt Rehse hat man nur einen Wunsch: „Dass er nicht zurückkommt.“
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c.goels@nordkurier.de

15.08.2016 
Quelle: Nordkurier 

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